Reaktionen der Taxilobby auf die neuen Wettbewerbssituation im Taximarkt

In den letzten Tagen wurde viel über die neuen Mobilitätsanbieter geschrieben, die den Taximarkt aufmischen. Einerseits haben die Medien das Thema aufgefasst auf der anderen Seite haben auch die Taxiverbände und -vereinigungen ihre Meinung ins Netz gestellt.

Herr Leipold von der Berliner Taxivereinigung, der die einstweilige Verfügung erreicht und durch die Nicht-Vollstreckung die beste PR für Uber gemacht hat, meldete sich schon vor ein paar Wochen mit einem offenen Brief zur Uber-Dabatte zu Wort:

Die einstweilige Verfügung gegen UBER in Berlin hat gestern zu einem riesigen Echo in den Medien und in den sozialen Netzwerken geführt. 

“Gerade in den sozialen Netzwerken ist bei vielen der Eindruck entstanden, hier versuche ein Taxikartell sein Monopol mit überhöhten Preisen zu sichern und zu diesem Zweck via Gerichtsbeschluss Wettbewerb und innovative Startups vom Markt zu drängen.”

“Wir und das Berliner Taxigewerbe arbeiten dabei seit Jahren mit innovativen Start-up Unternehmungen (“mytaxi” ist nur ein Beispiel) erfolgreich und gut zusammen und stehen Innovation keineswegs negativ gegenüber.”

Das hat am Anfang anders ausgesehen, mittlerweile scheint man sich mit myTaxi verbündet zu haben

“Wir kämpfen insbesondere für bezahlbare Taxipreise. Damit haben wir uns nicht nur Freunde gemacht. Wir sind jedoch der Auffassung, dass möglichst niedrige Preise zu einer höheren Auslastung und somit zu mehr Gewinn führen. Jeder sollte sich Taxifahren leisten können, denn wir sind ein Teil des öffentlichen Nahverkehrs.” 

Das ist auch das Ziel von Uber und co., die Auslastung lässt sich hier bestimmt besser steuern, da mehr Daten erhoben werden und recht genau gesagt werden kann, wann viel Bedarf ist.

“Kurz: Wir freuen uns über Wettbewerb. Aber: Wettbewerb funktioniert nur, wenn Rechte und Pflichten für alle gelten.”  Die Rechte wurden wahrscheinlich von der Taxilobby damals mitgestaltet, da ist es nicht fair, darauf hinzuweisen.

“Das bedeutet auch: gut ausgebildete Fahrer. Wir entwickeln z.B. in Zusammenarbeit mit der IHK Berlin zusätzlichen zum obligatorischen Personenbeförderungsschein Qualitätsschulungen für unsere Fahrer.” Jeder Fahrer bei Blacklane, Uber und den anderen Anbietern bekommt wahrscheinlich mehr Schulung und laufende Verbesserungsvorschläge, als durch die Qualitätsschulung der IHK.

“Aller PR, Marketing und Werbung zum Trotz: Uber ist kein kleines inovatives Start-up Unternehmen, das von der BTV niedergekämpft wird, sondern ein 3,5 Milliarden schwerer Konzern.” Sie haben wohl noch nicht begriffen, dass sie gerade die beste PR für Uber machen. Uber ist kein Konzern, sondern ein Startup in der Wachstumsphase.


Eine teilweise wenige sachlich geschriebene Meldung wurde auch von den Droschken-Kutschern in Hamburg veröffentlicht. Unter dem Titel “Kampf den Hobby-Taxis vom Wundercar, Uber & Co.”, was bestimm “von Wundercar, Uber & Co”  heißen sollte, wird Stellung genommen zu den Aktivitäten der innovativen Markteinsteiger.

“Wir werden es nicht zulassen, dass gegen alle einschlägigen Gesetze und zu Lasten der Fahrkunden durch die Dienste von Wundercar, Uber & Co. Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung begünstig werden. Wenn jemand den Taxis Konkurrenz machen möchte, soll er das gerne tun, aber bitte im Rahmen der geltenden Gesetze.” Wie schon bei der Stellungnahme der Berliner Taxivereinigung wird hier auf Gesetze Bezug genommen, die von der Taxilobby mit formuliert wurden. Die Aktivitäten als Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung zu deklarieren, ohne Beweise zu liefern, ist auch nicht sehr einleuchtend.

“So müssen Taxifahrer regelmäßig zu umfangreichen Gesundheitschecks, ihre Wagen sind gemäß § 29 StVO jährlich zur Hauptuntersuchung (sog. „TÜV“) vorzuführen. Taxifahrer müssen in Hamburg monatelang büffeln für die sog. Ortskundeprüfung, die mittlerweile so anspruchsvoll geworden ist, dass regelmäßig drei Viertel der Prüflinge durchfallen.” Wieso ist heute noch eine Ortskundeprüfung notwendig, wenn ein neue Technologien wie Navi genutzt werden können, um zum Ziel zu finden? Bei meinen letzten Taxi-Fahrten wurde auch von jedem Taxifahrer das Navi genutzt oder ich wurde laufend nach dem Weg gefragt.

“Bis Ende 2014 werden – auf freiwilliger Basis! – zwei Drittel aller Hamburger Taxis mit solchen Fiskaltaxametern ausgerüstet sein, durch welche systematische Steuerhinterziehungen unmöglich gemacht werden.” Bei innovativen Anbietern im Transportgewerbe wird jede Fahrt festgehalten, die Gutschriften und Rechnungen automatisch ausgestellt und die Beträge per Kreditkarte bezahlt und der Anteil an die Partner überwiesen. Die Geldflüsse sind also dokumentiert und es gibt keine Möglichkeit, Geld am Finanzamt vorbei zu führen.

“Wir stellen uns gerne jedem Wettbewerb, vorausgesetzt, es ist ein fairer Wettbewerb. Gegen illegale Wettbewerber werden wir uns mit allen gebotenen Mitteln zur Wehr setzen.” Warum dann nicht einfach das Personenbeförderungsgesetz für alle ändern, damit jeder Teilnehmer die gleichen Chancen und Risiken hat?

“Zu der Illegalität von unkonzessionierten Hobby-Taxis zählt der fehlende Versicherungs­schutz für die Fahrgäste. Die üblichen KFZ-Versicherungen lehnen eine Haftung für Schäden ab, wenn mit privaten PKWs und ihren üblichen KFZ-Versicherungen gewerbliche Personenbeförderung durchgeführt werden (Wundercar-Slogan: “Einfach wie ein Taxi, zum halben Preis”). Das sollten Fahrgäste wissen, bevor sie bei einer Tour von Wundercar, Uber & Co. zu Schaden kommen.” Hier werden die Anbieter bestimmt bald nachziehen und eine Versicherung für die Fahrten und sogar die Zeit zwischen den Fahrten abschließen.

Jetzt wird es richtig ausfällig:

“Das Taxigewerbe ist keinesfalls bereit hinzunehmen, dass einige App-Anbieter ihr merkwürdiges Verhältnis zu geltendem Recht hier in die Tat umsetzen wollen. So äußerte Uber-Manager Dimitry Gore-Coty, zuständig für Nord- und Westeuropa, jüngst entlarvend: „Die deutsche Gesetzgebung ist zu einer Zeit geschrieben worden, als das Internet noch nicht erfunden war (…)”. Daraus abzuleiten, man könne sich mit neuen Internetdiensten wie die von Wundercar, Uber & Co. einfach über bestehende Gesetze hinwegsetzen, ist schlicht erbärmlich. Demnächst fordern die Brüder wohl noch, dass man mit einer neuen App Steuerhinterziehung und Drogenhandel zulassen müsse, denn auch da ist die deutsche Gesetzgebung zu einer Zeit geschrieben worden, als das Internet noch nicht erfunden war. “Legal, illegal, scheißegal” werden wir den Herren und ihren teils milliardenschweren Investoren (Google, Goldman & Sachs, Daimler, diverse Investmentfonds usw.) nicht durchgehen lassen – die hätten sich eben vor ihren Investitionen mit der Rechtslage auseinandersetzen müssen. Es ist grotesk, sich hinterher über die bestehende Gesetze zu beschweren, welche letztendlich dem Schutz von Verbrauchern dienen. Wer ohne Praxisbezug, Realitätssinn sowie vertieften Kenntnissen des Personenbeförderungsrechts millionenschwere Schnapsideen umsetzt, der muss dafür auch zahlen. Wir empfehlen: Nächstes Mal vorher informieren, erst dann programmieren und investieren.”

“Wir werden Hobby-Taxifahrer, die trotz der geltenden glasklaren Rechtslage Touren von Wundercar, Uber & Co. mit ihren privaten PKWs gegen Geld und zur Aufbesserung der eigenen Finanzen Personen gegen Geld befördern, durch Anzeigen bei der zuständigen “Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation” und mittels Unterlassungserklärungen am weiteren rechtswidrigen Tun hindern.” Mal sehen, wie schnell die Hamburger einknicken und aus Angst vor Schadensersatz mit Unterlassungen und Anzeigen aufhören. 


Auch der einstige Feind der Taxiindustrie in manchen deutschen Städten, nimmt Stellung und schlägt sich eher auf die Seite der Taxiindustrie.  Hier sind einige Auszüge aus der “Stellungnahme von mytaxi zur aktuellen Wettbewerbssituation im Taximarkt”:

“Darum begrüßen wir von mytaxi Wettbewerb. Er führt zu besseren Services von denen am Ende der Kunde profitiert. Disruptive Firmen wie Uber oder WunderCar sorgen – genau wie mytaxi –  dafür, dass Märkte neu definiert und durch innovative und zeitgemäße Lösungen verbessert werden. Gleichzeitig ist klar, dass sich Firmen, die in Deutschland aktiv sind, an deutsche Gesetze halten müssen – so wie sich mytaxi in fremden Ländern natürlich auch an die dort jeweils geltenden Rechte hält.” Mytaxi versucht, sich mit Uber und Wundercar auf eine Stufe zu stellen, ich glaube ihre Innovationskraft haben sie schon seit längerem verloren. Das Startups,  die aus Deutschland kommen, nicht versuchen, bestehende Gesetzte zu ändern und Einfluss zu nehmen, hat man schon öfters gesehen. Ausländische Firmen, wie z.B. AirBnB, Lyft oder Uber, versuchen mit den lokalen Behörden zu sprechen, um eine Änderung zu erreichen.

“Fakt ist, dass es in Deutschland Regeln und Gesetze gibt, die festlegen, dass nicht jeder mit einem Führerschein und einem Auto entgeltlich Personen befördern kann. Dies dient in erster Linie der Sicherheit der Fahrgäste. Das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) besagt, dass ein Fahrer in Besitz eines Personenbeförderungsscheins (P-Schein) sein muss. Dieser P-Schein ist sozusagen der Beleg dafür, dass die Fahrer der besonderen Verantwortung bei der Beförderung von Fahrgästen gerecht werden, Ortskunde besitzen sowie gesundheitlich geeignet sind.”

Ein Fahrer kann auch sicher sein, ohne dass er einen Personenbeförderungsschein besitzt. Bei den innovativen on-demand Anbietern werden die Fahrer durch Background-Checks, polizeiliches Führungszeugnis und der gleichen auch laufend überprüft. Gleichzeitig kann der Fahrer viel schneller identifiziert werden, falls etwas passieren sollte und schneller aus dem Verkehr gezogen werden, da der Kunde die Möglichkeit hat, eine Bewertung abzugeben. Man benötigt also nicht umbedingt Gesetzte, um die Sicherheit zu gewährleisten, Transparenz und regelmäßige Kontrollen sollten ausreichen.

“Wir von mytaxi sind bekannt dafür, dass auch wir gerne Regeln brechen und Dinge hinterfragen. Wir sind große Befürworter davon, dass viele Strukturen im Markt verändert werden müssen. Dennoch sind wir davon überzeugt, dass das Personenbeförderungsgesetz für einen hohen Sicherheits- und Qualitätsstandard sorgt. Der Schutz und die Sicherheit der Fahrgäste stehen auch bei mytaxi immer an erster Stelle.” Welche Regeln hat mytaxi gebrochen? Bis auf man bestellt per App fällt mir keine ein.

“Als mytaxi im Jahr 2009 durchstartete, stießen wir auf großen Widerstand seitens der Taxizentralen. Daher kennt mytaxi die Situation, in der sich Uber und WunderCar aktuell befinden aus eigener Erfahrung. Wir finden es prima, dass innovative Startups nun weiteren frischen Wind in den Markt bringen. Wettbewerbern steht mytaxi offen und fair gegenüber, da uns diese anspornen, ständig besser zu werden und das eigene Produkt regelmäßig zu hinterfragen. Erst kürzlich führte mytaxi daher ein neues Vermittlungssystem ein und sorgte erneut für viel Aufruhr im Markt. Dennoch sind wir aus den oben genannten Gründen der Überzeugung, dass die geltenden Gesetze und Regelungen ihren Sinn und ihre Berechtigung haben.” So schnell kann es gehen, innerhalb von wenigen Jahren wurden die Seiten gewechselt, das liegt wohl auch an der fehlenden Innovationskraft von mytaxi.

“Bei der Beförderung von Personen geht es an erster Stelle um die Sicherheit der Fahrgäste. Die bestehenden Gesetze stellen sicher, dass es Qualitätsstandards gibt was die Fahrzeugsicherheit und die Kenntnisse des Fahrzeugführers anbelangt. Ein Fahrgast sollte sich keine Gedanken darüber machen müssen, ob das Fahrzeug überhaupt sicher ist, ob der Fahrer vertrauenswürdig ist, und ob er den kürzesten Weg nimmt. Die Gesetze und Regeln, die es dazu in Deutschland gibt, stellen dies sicher.” Hier wird versucht, innovative Anbieter in die Schmuddel-Ecke zu drängen, ohne konkrete Beispiele zu nennen.

Es bleibt spannend, wer sich als nächstes äußert. 😉 Wer weiter über die Taxifahrer und Lobby schmunzeln möchte, sollte sich auch das Taxiforum von Herrn Napp ansehen, der über Mietwägen und Raubtaxen schreibt.

  • GetMobility

    http://www.taxi-heute.de/Taxi-News/News/11235/Blacklane-Smart-Berliner-Behoerden-kneifen Hier noch ein amüsanter Artikel in der Taxi Heute zum Thema Blacklane und Smarts. Erstens ist Blacklane kein US-Unternehmen sondern eine GmbH mit einzigem Geschäftssitz in Berlin, nur weil das Unternehmen einen englischen Namen hat, handelt es sich dabei nicht um ein amerikanisches Unternehmen. Auch wie man auf den Zusammenhang kommt, dass die Berliner Behörden den Berliner Bären dadurch beschmutzt hätten, da sie für umweltfreundliche Autos eine Konzession erteilt haben, braucht viel Fantasie.
    Die Taxifahrer machen sich doch selbst lächerlich mit ihrer Ahnungslosigkeit und ihren Verbalattacken.