WunderCar ändert Modell und wird zur Mitfahrzentrale für kurze Strecken in der Stadt

Nach der Kritik und dem Druck der Taxiindustrie auf die Behörden in den letzten Wochen ändert das Startup Wundercar sein Geschäftsmodell und wird der Mitfahrzentrale flinc sehr ähnlich. Allerdings möchte man sich weiter auf kurze Fahrten innerhalb des Stadtbereichs fokussieren. Wie Netzwertig berichte, bedeutet das für die Nutzer, dass sie vor der Fahrt auch ihr Ziel angeben müssen, damit ein passender Fahrer zugewiesen werden kann.

Anstatt eines on-demand Transportdienstes bezeichnet sich Wundercar nun als soziale Mitfahrzentrale für Fahrten in der Innenstadt, im Gegensatz zu flinc soll der Fokus nicht auf Pendlern liegen, die gerne auch mal längere Strecken zurück legen..


UPDATE: Gestern wollte ich Wundercar in Berlin testen, am Anfang war kein Fahrer verfügbar, nach mehreren Versuchen wurde ein Fahrer gefunden, der 18 Minuten entfernt war. Ein Ziel musste ich bei der Buchung nicht angeben und der Fahrer schien auch nicht die Strecke ohne mich fahren zu wollen, da er mehr oder weniger dort angezeigt wurde, wo ich hin wollte.  Das Konzept der sozialen Mitfahrgelegenheit a la flinc wurde anscheinend noch nicht umgesetzt.


 

Zu beobachten bleibt, ob es sich dabei nur um eine Änderung in der Kommunikationsstrategie handelt oder ob wirklich nur Fahrer unterwegs sind, die auch die Strecke ohne Fahrgast gefahren wären. WunderCar könnte auch nur kommunizieren, dass es sich um Fahrer handelt, die jemanden auf ihrer eh schon satt findenden Fahrt mitnehmen.

Die Autobesitzer sollen die Wundercar App nutzen, wenn sie eh schon auf dem Weg zu einem Ziel sind und Fahrgäste mitnehmen, die in die selbe Richtung möchten. Der Fahrer soll nach der Fahrt maximal eine Spende in höhe der Betriebskosten erhalten, Wundercar möchte davon 20% Vermittlungsgebühr behalten. Die Vermittlungsgebühr kommen für die Fahrgäste wohl auf den Beitrag der Betriebskosten zusätzlich hinzu, den Fahrern die Kosten von den eh schon minimalen Beträgen abzuziehen, macht keinen Sinn.

Das Modell, dass man sich auf Fahrer konzentriert, die eh schon zu einem Ziel unterwegs sind und einfach jemanden mitnehmen, der sich über die App meldet, erfordert für einen flüssigen Betrieb eine hohe Anzahl an registrierten Fahrern, die in die gewünschten Richtungen unterwegs sind. Die durch den Taxi-Protest gewonnen Fahrgäste werden schnell verärgert sein, wenn sie keine Fahrt bekommen, um zur nächsten Party oder Verabredung zu kommen.

Laut Gründerszene reicht diese Änderung den Hamburger Behörden nicht. Wundercar hat das Verbot der Wirtschaftsbehörde bis jetzt ignoriert und weiterhin Fahrten vermittelt. Laut Gründer Gunnar Froh wird aber weiter mit der Hamburger Behörde zusammengearbeitet, um ein Kostenmodell zu entwickeln, das eine Abgrenzung von der gewerblichen Personenbeförderung ermöglicht. Was aus den angekündigten Expansionsplänen wird, ist fraglich. Es ist davon auszugehen, das WunderCar langfristig eine gerichtliche Lösung und Klarstellung bzw. Änderung der Rechtslange beabsichtigt und dann sein Geschäftsmodell wieder ändern wird. Bis es soweit ist, hat man sich erstmal Zeit erkauft.