Fahrdienst Vermittler Karhoo gibt auf

Karhoo verbrennt 250 Mio. US$ und gibt auf

Das Startup Karhoo hat auf seiner Website veröffentlicht, dass der Service eingestellt wird. Karhoo hat versucht, sich als Art Meta-Search für Fahrdienste zu etablieren. Die Angebote konkurrierender Fahrdienste wurden in einer App vereint. In London wurden zum Beispiel die Services von Gett, Addison Lee und anderen Minicabs Unternehmen angeboten. Karhoo gibt auf, da zu viel Geld verbrannt wurde und das Unternehmen nicht in der Lage war, weitere Finanzierung einzusammeln.

Zuerst hieß es, dass sich das Unternehmen neu orientieren will, letztendlich musste aber Insolvenz angemeldet werden. Die Insolvenzverwalter werden jetzt versuchen, Teile des Unternehmens zu retten oder zu verkaufen.

In den letzten Wochen gab es Gerüchte darüber, dass das Unternehmen keine Gehälter mehr zahlen kann und vorübergehend die Entwicklungsabteilung in Israel geschlossen werden musste. Gleichzeitig wurde beteuert, dass das Unternehmen kurz vor dem Abschluss einer Finanzierung mit einem Investor steht, der das Unternehmen bis zur Profitabilität unterstützen wird. Die Finanzierungsrunde scheint es entweder nie gegeben zu haben oder sie ist im letzten Moment geplatzt.

Karhoo hat in den letzten Monaten anscheinend unheimlich viel Geld verbrannt. Im letzten Jahr hat die Financial Times berichtet, dass das Unternehmen eine Summe von 250 Mio. US$ eingesammelt hat und insgesamt auf eine Milliarde kommen wollte. Auch wenn diese Zahlen nie offiziell bestätigt wurden und die Finanzierungssumme geringer gewesen sein könnte, deutet alles auf einen enormen Cash Burn hin. Für das Unternehmen ist es ein dramatisches Ende. Die Frage stellt sich auch, wie Investoren ein wenig nachhaltiges Geschäftsmodell finanzieren konnten und warum es so spät aufgefallen ist, dass das Unternehmen so viel Geld verbrennt.

Karhoo war in London aktiv und hat den Service auch in New York, Tel Aviv und Singapur getestet. In London sollen ca. 200.000 Fahrzeuge auf der Plattform registriert gewesen sein, unter anderem von ComCab oder Addison Lee. In New York sollen es etwa 10.000 Fahrzeuge gewesen sein, die meisten von dem Partner Carmel. Karhoo hat von jeder vermittelten Fahrt einen Anteil von 10% einbehalten. Im Vergleich dazu nehmen die anderen Vermittlungsplattformen, wie Uber und Lyft 20 – 25% Provision pro Fahrt. Bei einer geringeren Marge bleibt viel weniger bei Karhoo pro Fahrt hängen. Das heißt, dass das Unternehmen viel besser skalieren muss, um profitabel arbeiten zu können. Die Ambition, mehr Fahrten als Uber generieren zu können, scheint unrealistisch zu sein. Uber ist anfangs auch mit geringeren Provisionen gestartet, hat dann aber eingesehen, dass es sich nicht rechnet. Karhoo scheint nicht skaliert zu haben und ein Großteil des Fundings dürfte für Freifahrten der Nutzer ausgegeben worden sein. Laut Google Play wurde die App nur 50.000 – 100.000 mal heruntergeladen, die iOS Zahlen sind nicht viel besser.

Europa ist ein schwieriges Pflaster für Mitfahrdienste und Vermittlungsplattformen. MyTaxi wurde vor ein paar Jahren von Daimler geschluckt, in diesem Jahr folgte die Fusion mit Hailo. Die Taxi-App Gett hat sich mit Volkswagen zusammengetan. Die Vermittlungsplattform Blacklane scheint auch Schwierigkeiten bei der letzten Runde gehabt zu haben.

Bild: Karhoo (alle Rechte vorbehalten)