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Renault kauft Reste von Karhoo

Im letzten Jahr ist die Vermittlungsplattform Karhoo spektakulär in die Pleite gerutscht, jetzt wurde bekannt, dass Renault die Technologie des Unternehmens für etwa 1 Mio. Euro übernommen hat. Die Plattform bekommt eine zweite Chance – in den kommenden Monaten soll die Vermittlungsplattform für Fahrdienste wieder gestartet werden.

Nach der Übernahme soll das Unternehmen von etwa 35 Mitarbeitern wieder aufgebaut werden. Vor der Pleite waren mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt. Gleitet wird das neue Karhoo von Boris Pilichowski und Nicolas Andine. Finanzielle Unterstützung kommt von der RCI Bank and Services, der Financial Services Tochter von Renault. Der Kaufpreis soll bei 1 Mio. Euro liegen. Die Hälfte davon soll von den beiden CEOs kommen. RCI steuert erstmal weitere 15 Mio. Euro für den weiteren Aufbau hinzu.

Karhoo ist gescheitert, weil die interne App Entwicklung zu lange gedauert hat und letztendlich zu viele finanzielle Ressourcen geschlungen hat. Außerdem scheint es Probleme bei der Abrechnung der Fahrgen gegeben zu haben. Nutzer wurden mit Gutscheinen angelockt und haben häufig gar nichts für die Beförderung bezahlt. Hinzu kamen betrügerische Kunden, die Schwachstellen im System ausgenutzt haben.

Ursprünglich wurde darüber berichtet, dass Karhoo mehr als 250 Mio. US$ eingesammelt hat. Wie die Unterlagen des Insolvenzverwalters belegen, belief sich die eingesammelte Summe nur auf 52 Mio. US$. Zeitweise wurden mehr als 6 Mio. US$ pro Monat verbrannt, am Schluss lagen die Verluste bei 2.5 Mio. US$.

Grundsätzlich war Karhoo eine Art Meta-Search Plattform, auf der die Angebote mehrerer Fahrdienste gebündelt wurden. Die Aufträge wurden an die angeschlossenen Partner weitervermittelt und dann unter eigenem Namen durchgeführt. In London konnten zum Beispiel Fahrten mit Gett oder Addison Lee gebucht werden.

Insgesamt sollen seit dem Beginn des Insolvenzverfahrens 30 – 40 Unternehmen an einer Übernahme interessiert gewesen sein. Der letztendlich geringe Kaufpreis und ein in dem Bereich unerfahrener Käufer lassen darauf schließen, dass von Karhoo wenig Substanz übrig geblieben ist. Bleibt abzuwarten, ob das neue Unternehmen das Vertrauen der Nutzer und der Fahrdienste bzw. Fahrer zurückgewinnen kann.

Mit Renault wird ein weitere Automobilkonzern im Bereich der Fahrdienste und Ride-Hailing Plattformen aktiv. Damit setzt sich der Trend fort, der schon in den letzten ein bis zwei Jahren beobachtet werden konnte. Der Volkswagen-Konzern hat sich mit 300 Mio. US$ an Gett beteiligt und vor kurzem seine Marke Moia für Mobilitätsdienstleistungen der Zukunft gestartet. Daimler betreibt MyTaxi und hat Hailo gekauft. Der amerikanische Konzern General Motors hat sich mit 500 Mio. US Dollar bei Lyft eingekauft.

Bild: Screenshot Karhoo Website (alle Rechte vorbehalten)

Shuttle Service GoOpti sammelt 4.4 Mio. Euro ein

Das Startup GoOpti betreibt einen Shuttle Service in Europa und konzentriert sich dabei auf Fahrgäste, die von kleineren europäischen Städten zu größeren Flughäfen gebracht werden wollen. Um weiter wachsen zu können, hat das Startup eine Finanzierung in Höhe von 4.4 Mio. Euro abgeschlossen.

Das Unternehmen baut einen Marktplatz für Nutzer, die in einer Stadt mit schlechten Flugverbindungen wohnen. Dort existiert entweder gar kein Flughafen oder ein Flughafen mit wenigen teuren Direktverbindungen. Bisher fahren viele Personen mit diesem Problem zum nächst größeren Drehkreuz mit dem eigenen Auto oder lassen sich von Freuden oder Familie fahren. Das kann hohe Kosten für Benzin, Parkgebühren, Autobahngebühren usw. mit sich bringen. Genau hier greift GoOpti mit seiner Lösung an. Der dynamische Shuttle Service gruppiert Passagiere, die zu einer ähnlichen Zeit am Flughafen sein müssen und auf einer sinnvollen Route eingesammelt werden können. Auf der einen Seite werden so die Kosten für die Fahrgäste gesenkt, auf der anderen Seite erhalten die bestehenden Shuttle Services mehr Aufträge.

Flughafen Shuttle mussten in der Vergangenheit per Telefon oder E-Mail bestellt werden, was aus Kundensicht aufwändiger ist. Die Fahrdienstanbieter mit Minibussen haben sich in der Vergangenheit auf kleinere Gruppen und Geschäftsreisende fokussiert. Außerdem sind die Fahrer gleichzeitig die Manager des Services, was zu einer hohen Arbeitsbelastung führt. Mit der GoOpti Lösung erhalten die Betreiber der Minivans Zugang zu einer neuen Kundengruppe, die in der Vergangenheit auf Individualverkehr gesetzt hat aber an Kostenersparnissen interessiert ist. Durch die Automatisierung wird sich auch die Arbeitsbelastung reduzieren.

Der Marktplatz von GoOpti scheint auf den ersten Blick viele Vorteile für Fahrer und Fahrgäste zu bieten, in dem auf beiden Seiten der Aufwand reduziert wird.

Das Startup ist bisher in einigen europäischen Ländern aktiv, darunter Deutschland, Italien, Österreich, Ungarn und Slovenien. Ein Teil des Investments kommt von einem Fond der Europäischen Union. Auch der Berliner Geldgeber Point Nine Capital hat sich an dem Fahrdienst beteiligt. Die Finanzierung soll für die weitere Expansion genutzt werden.

Einige Startups beschäftigen sich mit dynamischen Shuttle Lösungen. Allygator Shuttle aus Berlin will einen dynamischen Shuttle für innerstädtischen Verkehr etablieren. Flinc hat vor kurzem seine Pläne für flott Bekanntgegeben.

Bild: GoOpti (alle Rechte vorbehalten)

Connected Cars: Samsung kauft Harman

Der Technologiekonzern Samsung hat bekanntgegeben, dass der Hersteller von Infotainment und Audiokomponenten Harman für 8 Milliarden US$ übernommen wird. Harman ist einer der führenden Zulieferer von Infotainment und Audio-Komponenten für die Automobilindustrie.

Größte Übernahme für Samsung

Für Samsung ist es die bisher größte Übernahme im Ausland. Bisher ist der Konzern vor allem für seine Smartphones und Elektronikprodukte bekannt. Der südkoreanische Konzern ist auch ein führender Zulieferer von anderen Technologiekonzernen, wie Apple.

Immer mehr Elektronik in Fahrzeugen

Die on-board Elektronik und Infotainment-Ausstattung in Fahrzeugen hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und somit auch das Interesse von Technologiekonzernen geweckt. Samsung möchte mit den Kauf von Harman einen Fuß in die Automobilindustrie bekommen. Für das übernommene Unternehmen sollen sich durch die Expertise von Samsung neue Wachstumsmöglichkeiten ergeben. Samsung verfügt über wertvolle Erfahrungen bei Displays, Benutzeroberflächen und Halbleitern. All diese Bereiche spielen in den aktuellen und auch zukünftigen Fahrzeuggeneration eine immer wichtigere Rolle.

Umsatz soll verdoppelt werden

Harman will in den nächsten fünf Jahren seinen Umsatz verdoppeln. Zu dem Konzern gehören auch die Marken AKG und JBL und die high-end Marke Harman Karton. Zu den Kunden von Harman gehören fast alle Automobilkonzerne, vor kurzem wurden neue Deals mit Fiat Chrysler und General Motors abgeschlossen.

Die Autos der nächsten Generation werden noch mehr auf Digitalisierung setzen, als bestehende Modelle. Dafür werden noch mehr Bildschirme, Software und Prozessoren benötigt. Das sind alles Bereiche, in denen Samsung eine starke Position vorweisen kann. Harman hat eine starke Marktposition unter den Infotainment-Zulieferern in der Automobilindustrie. Somit passt die Übernahme gut in das Portfolio des Technologiekonzerns und Samsung erhält sofort eine starke Basis in der Automobilindustrie, die in den nächsten Jahren ausgebaut werden soll. Bis zum Jahr 2025 soll der Markt für Autoelektronik auf mehr als 100 Milliarden US$ anwachsen. Trends wie Connected Cars und autonomes Fahren werden dabei entscheidende Rollen spielen. Auch Apple will dabei eine Rolle spielen.

Bild: Harman (alle Rechte vorbehalten)

Autonome Autos: Zoox jetzt 1.5 Milliarden US$ wert

Das Startup Zoox arbeitet im Stealth Mode an einem selbstfahrendem Auto, das in den nächsten fünf Jahren zur Marktreife entwickelt werden soll. Bisher ist noch nicht viel über das Fahrzeug an die Öffentlichkeit gelangt, trotzdem scheint das Interesse von Investoren an dem Startup groß zu sein. In einer letzten Finanzierungsrunde sind weitere 50 Mio. US$ in Zoox geflossen, die Bewertung stieg auf 1.55 Milliarden US$. Das Geld kommt diesmal von Composite Capital, einem Fond aus Hongkong.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2014 von dem Australier Tim Kentley-Klay und Jesse Levinson. Tim Kentley-Klay ist Unternehmer und Designer. Jesse Levinson war zuvor an der Stanford University. Dort war er Teil der Forschungsgruppe, die sich mit selbstfahrenden Autos beschäftigt hat. Insgesamt sind zuvor 240 Mio. US$ in Zoox investiert worden, die Bewertung lag dabei bei einer Milliarde US$.

Mehr als ein Roboter Taxi

Das Startup möchte viel mehr entwickeln, als ein selbstfahrendes Auto, das auf Vermittlungsnplattfomen eingesetzt wird. Um dieses Ziel zu erfüllen, wurden Experten von Tesla, Apple, Alphabet und weiteren Technologie- und Autokonzernen abgeworben. Das Fahrzeug soll die Umgebung verstehen und von sich aus wissen, wohin der Fahrgast möchte, was er während der Fahrt machen möchte und wie er sich durch die Stadt bewegen will.

Starke Konkurrenz für Zoox

Zoox ist nicht das einzige gut finanzierte Unternehmen, dass sich mit selbstfahrenden Autos entwickelt. Google beschäftigt sich mit der Entwicklung von selbstfahrenden Fahrzeugen. General Motors hat Cruise übernommen, um schneller in der Entwicklung zu sein. Uber hat erkannt, dass autonome Fahrzeuge eine Bedrohung für das jetzige Geschäftsmodell darstellen und investiert deshalb selbst kräftig. Seit kurzem werden die ersten autonomen Fahrzeuge in Pittsburgh getestet. Nutonomy ist in Singapur mit einem Pilotprojekt gestartet. In den nächsten fünf Jahren werden wir die ersten Flotten vollautonomer Fahrzeuge auf den Straßen sehen, Zoox will mit dabei sein.

Bild: Zoox (alle Rechte vorbehalten)

Transportvermittlung Uber Freight geht an den Start

Fast unbemerkt ist Uber Freight an den Start gegangen. Mit dem neuen Angebot will das Ridesharing-Unternehmen in den Markt der Transportvermittler und Speditionen einsteigen. Über eine neue Plattform sollen Speditionen und Warenversender vernetzt werden.

Auf der einen Seite hat Uber das Startup Otto übernommen. Otto entwickelt selbstfahrende LKWs. In der letzten Woche fand eine erste Demonstration statt. Ein von Otto umgerüsteter Truck hat eine Ladung Budweiser Bier über eine Strecke von ca. 200 Kilometern autonom transportiert. Uber will nicht nur selbstfahrende LKWs entwickeln, sondern auch eine Plattform starten, auf der Speditionen und Versender verknüpft werden.

Die Plattform heißt Uber Freight, der Soft-Lauch fand mit der ersten Fahrt des Otto LKWs statt.

Der Markt der Frachtvermittlung ist im Moment noch wenig digitalisiert und langsam. Genau hier will Uber Freight ansetzten. Das Ziel von Uber wird sein, die Vernetzung der Unternehmen so einfach zu gestalten, wie es mit der Uber App für Fahrer und Passagiere vorgemacht wurde. Bisher stellt eine Vermittler den Auftrag zwischen dem Versender und den Transportunternehmen her. Die Vermittler verlangen eine Gebühr für ihre Arbeit und nutzen meistens veraltete Technologien. Uber will die Vermittler ersetzen und die Vermittlung schneller und günstiger durchführen.

Neben Uber sind auch weitere Startups an dem Markt interessiert. In Deutschland sind die beiden Startups FreightHub  und Instafreight vor kurzem mit einem ähnlichen Ziel gestartet. Sie wollen sich aber nicht nur auf den Güterverkehr mit LKWs beschränken. Auch See- und Luftfracht soll mit dem Angebot von FreightHub und Instafreight digitalisiert werden. Instafreight wird von Rocket Internet unterstützt.

Uber will damit in den nächsten Milliardenmarkt und sich und den teilnehmen Partner durch Digitalisierung einen Vorteil verschaffen. Die Frachtvermittler dürften über den Vorstoß wenig begeistert sein. Bis die Otto Trucks serienreif sind, wird es noch mehrere Jahre dauern. Die Zeit kann Uber nutzen, um schon mal den Markt für die Frachtvermittlung aufzubauen.

Karhoo verbrennt 250 Mio. US$ und gibt auf

Das Startup Karhoo hat auf seiner Website veröffentlicht, dass der Service eingestellt wird. Karhoo hat versucht, sich als Art Meta-Search für Fahrdienste zu etablieren. Die Angebote konkurrierender Fahrdienste wurden in einer App vereint. In London wurden zum Beispiel die Services von Gett, Addison Lee und anderen Minicabs Unternehmen angeboten. Karhoo gibt auf, da zu viel Geld verbrannt wurde und das Unternehmen nicht in der Lage war, weitere Finanzierung einzusammeln.

Zuerst hieß es, dass sich das Unternehmen neu orientieren will, letztendlich musste aber Insolvenz angemeldet werden. Die Insolvenzverwalter werden jetzt versuchen, Teile des Unternehmens zu retten oder zu verkaufen.

In den letzten Wochen gab es Gerüchte darüber, dass das Unternehmen keine Gehälter mehr zahlen kann und vorübergehend die Entwicklungsabteilung in Israel geschlossen werden musste. Gleichzeitig wurde beteuert, dass das Unternehmen kurz vor dem Abschluss einer Finanzierung mit einem Investor steht, der das Unternehmen bis zur Profitabilität unterstützen wird. Die Finanzierungsrunde scheint es entweder nie gegeben zu haben oder sie ist im letzten Moment geplatzt.

Karhoo hat in den letzten Monaten anscheinend unheimlich viel Geld verbrannt. Im letzten Jahr hat die Financial Times berichtet, dass das Unternehmen eine Summe von 250 Mio. US$ eingesammelt hat und insgesamt auf eine Milliarde kommen wollte. Auch wenn diese Zahlen nie offiziell bestätigt wurden und die Finanzierungssumme geringer gewesen sein könnte, deutet alles auf einen enormen Cash Burn hin. Für das Unternehmen ist es ein dramatisches Ende. Die Frage stellt sich auch, wie Investoren ein wenig nachhaltiges Geschäftsmodell finanzieren konnten und warum es so spät aufgefallen ist, dass das Unternehmen so viel Geld verbrennt.

Karhoo war in London aktiv und hat den Service auch in New York, Tel Aviv und Singapur getestet. In London sollen ca. 200.000 Fahrzeuge auf der Plattform registriert gewesen sein, unter anderem von ComCab oder Addison Lee. In New York sollen es etwa 10.000 Fahrzeuge gewesen sein, die meisten von dem Partner Carmel. Karhoo hat von jeder vermittelten Fahrt einen Anteil von 10% einbehalten. Im Vergleich dazu nehmen die anderen Vermittlungsplattformen, wie Uber und Lyft 20 – 25% Provision pro Fahrt. Bei einer geringeren Marge bleibt viel weniger bei Karhoo pro Fahrt hängen. Das heißt, dass das Unternehmen viel besser skalieren muss, um profitabel arbeiten zu können. Die Ambition, mehr Fahrten als Uber generieren zu können, scheint unrealistisch zu sein. Uber ist anfangs auch mit geringeren Provisionen gestartet, hat dann aber eingesehen, dass es sich nicht rechnet. Karhoo scheint nicht skaliert zu haben und ein Großteil des Fundings dürfte für Freifahrten der Nutzer ausgegeben worden sein. Laut Google Play wurde die App nur 50.000 – 100.000 mal heruntergeladen, die iOS Zahlen sind nicht viel besser.

Europa ist ein schwieriges Pflaster für Mitfahrdienste und Vermittlungsplattformen. MyTaxi wurde vor ein paar Jahren von Daimler geschluckt, in diesem Jahr folgte die Fusion mit Hailo. Die Taxi-App Gett hat sich mit Volkswagen zusammengetan. Die Vermittlungsplattform Blacklane scheint auch Schwierigkeiten bei der letzten Runde gehabt zu haben.

Bild: Karhoo (alle Rechte vorbehalten)