Archiv der Kategorie: Regulierung

U.S. Bericht: Automated Vehicles 3.0

Das US-Verkehrsministerium (Department of Transport, DOT) hat seine neuesten freiwilligen Richtlinien für automatisierte Fahrsysteme veröffentlicht. Dabei handelt es sich um einen Bericht, der auf früheren Versionen der letzten zwei Jahre aufbaut. Mit Vorbereitungen auf die Zukunft des Verkehrs umreißt das 80-seitige Dokument “Automated Vehicles 3.0” zusätzliche Sicherheitsprinzipien, aktualisiert Richtlinien und bietet Leitlinien für staatliche und lokale Regierungen.

„Die Integration der Automatisierung in unser Transportsystem hat das Potenzial, die Produktivität zu steigern und den Güterverkehr zu erleichtern“, sagte DOT-Sekretärin Elaine Chao. „Aber vor allem hat die Automatisierung das Potenzial, die Sicherheit auf den Straßen erheblich zu steigern – durch die Reduzierung von Unfällen, die durch menschliches Versagen verursacht werden, einschließlich Unfälle mit beeinträchtigten oder abgelenkten Fahrern, und die Rettung von Menschenleben.”

Aktuell müssen amerikanische Automobilhersteller fast 75 Normen für die Fahrzeugsicherheit erfüllen. Grundlegend ist dabei die Regel, dass ein autonomes Fahrzeug von einem zugelassenen Fahrer kontrolliert werden muss. Erst Anfang des Jahres reichte General Motors eine Petition ein, um eine Freistellung für die derzeitigen Vorschriften zum Einsatz von Fahrzeugen ohne Lenkräder und andere menschliche Kontrollen als Teil einer Mitfahrflotte zu beantragen.

Im Bericht Automated Vehicles 3.0 heißt es, dass der richtige Ansatz zur Verbesserung von Sicherheitssystemen mit der Beseitigung unnötiger Hindernisse und die Herausgabe freiwilliger Leitlinien beginnt und nicht mit Vorschriften, die Innovationen verhindern könnten.

Neben diesem neuen nationalen Ansatz fordert der Bericht auch die staatlichen und lokalen Behörden auf, Hindernisse für fahrerlose Technologien – wie „unnötige und inkompatible Vorschriften“ – zu beseitigen und die Interoperabilität zu unterstützen. Das Verkehrsministerium ist der Ansicht, dass die Entwicklung freiwilliger technischer Normen ein wirksames, nicht regulierendes Mittel ist, um die Integration von Automatisierungstechnologien in das Verkehrssystem voranzutreiben.

Bild (alle Rechte vorbehalten): transportation.gov

Uber goes green

Uber plant in den nächsten drei Jahren zehn Millionen US-Dollar in den Ausbau nachhaltiger Verkehrssysteme zu stecken. Als Teil des Fonds spendet Uber 250.000 US-Dollar an SharedStreets, eine gemeinnützige Organisation, die sich auf die Erstellung von Standards für öffentliche Straßen und den Austausch von Daten konzentriert.

Das Unternehmen investiert unter anderem eine Millionen US-Dollar in eine Kampagne für Straßennutzungsgebühren in New York City, um Druck auf die hiesige Politik auszuüben, “die uns in eine nachhaltigere Zukunft führt“, sagte Uber Head of Transportation Policy Andrew Salzberg gegenüber TechCrunch.

Eines  der größten Shared Mobility Prinzipien von Uber konzentriert sich auf die produktivere Nutzung von Bordsteinkanten. Das Ziel ist, diese so zu verwenden, dass eine flexiblere Fahrzeug- und Parkplatznutzung möglich ist.

Für dieses Projekt arbeitet Uber mit dem Verkehrsberater Fehr & Peers zusammen. Das Unternehmen entwickelte einen „Bordsteinproduktivitätsindex”, der die Anzahl der Passanten berechnet, die einen Bordstein pro Stunde und pro 20 Fuß (etwa 6m) betreten (entspricht etwa der Größe eines Parkplatzes).

Die Unternehmungen von Uber ebnen auch den Weg für ein effizienteres Ridehailing. Durch die Einführung von Straßennutzungsgebühren werden die Straßen geleert, so dass sich die Fahrzeuge von Uber freier und effizienter bewegen können.

Weitere Prinzipien zur Gestaltung eines nachhaltigen Verkehrs, wie der Ausbau von Fahrradwegen und der Infrastruktur von E-Bike-Ladestationen, kommen dem Unternehmen ebenfalls, insbesondere Jump, zu Gute. Gleichzeitig besteht das Potenzial durch die Umsetzung der Maßnahmen, den Städten und den Menschen, die in ihnen leben, einen breiten Nutzen zu stiften.

Bild: uber.com (alle Rechte vorbehalten)

„A Matter of Trust“: Ford über autonomes Fahren

Der Automobilhersteller Ford steckt aktuell mitten in der Entwicklung eines autonom fahrenden Fahrzeugs, das 2021 lanciert werden soll. Letzte Woche wurde ein Bericht veröffentlicht, der den Ansatz des Unternehmens zur autonomen Fahrzeugentwicklung skizziert. Das 44-seitige Dokument mit dem Titel „A Matter of Trust“ beschreibt, wie Ford die Sicherheit bei der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge in den Vordergrund stellt. Darüber hinaus werden auch Themen über partnerschaftliche Kooperationen in Feldern der Industrie und Verwaltung sowie Themen über die lösungsorientierte Nutzung von Technologie behandelt.

Vertrauen aufbauen

“A Matter of Trust” verdeutliche, dass es Ford bei der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge nicht nur um die Technologie gehe. Sherif Marakby, CEO des Unternehmens sagt: „Es geht darum, das Vertrauen unserer Kunden und jener Städte und Unternehmen zu gewinnen, die sie letztendlich nutzen werden“. Er betont außerdem, dass Sicherheit, Zuverlässigkeit und die Erfahrung, die die Technologie ermöglicht, die wichtigsten Säulen für die Entwicklung von Vertrauen seien.

Das Dokument greift diesen Aspekt auf. Ford verdeutlicht seinen langsamen und stetigen Ansatz mit der Aussage: „Wir sind nicht in einem Wettlauf, um der Öffentlichkeit selbstfahrende Fahrzeuge anzubieten. Wir konzentrieren uns darauf, es richtig zu machen.“

Technologie verstehen

Ford macht ebenfalls darauf aufmerksam, dass sich eine Vielzahl von Technologien, die für autonome Fahrzeuge benötigt werden, noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Ford „arbeitet hart daran, das transformative Potenzial der selbstfahrenden Technologie zu verstehen, um sie bestmöglich einzusetzen und um das Leben der Kunden, den Betrieb in den Städten und die Wirtschaft der großen und kleinen Unternehmen positiv zu verändern“.

Nach Waymo und General Motors, ist Ford der dritte Automobilhersteller, der einen Bericht in Form von “A Matter of Trust“ verfasst. Dabei handelt es sich um eine Idee der US-amerikanischen Regierung, dass Technologieunternehmen und Autobauer freiwillig eine Art Checkliste zur Verfügung stellen, um die schnelllebige Technologie rund um autonomes Fahren im Blick zu behalten.

Das komplette Dokument “A Matter of Trust” könnt ihr über diesen Link abrufen.

 

Bild: https://media.ford.com/content/fordmedia/fna/us/en/news/2018/08/16/a-matter-of-trust-ford-releases-safety-assessment-report.html

Aktuelle Diskussion: Regulierung von Ridesharing?

Der Verkehr in Städten nimmt zu – Staus, Umweltverschmutzungen und Parkplatzprobleme sind die Folge. Doch Städte wollen grüner werden. Ökologische Nachhaltigkeit, flexible Mobilität und die Nachfrage nach Sicherheit wird lauter. All das bei ständig steigender Mobilität der Menschen, steigenden Bevölkerungszahlen in den Städten sowie steigenden Zulassungszahlen von PKWs und Pendlerzahlen. Auch die ständigen Überschreitungen von Umweltgrenzwerten, die bereits in einigen Städten zu (Diesel-)Fahrverboten führten, verschärfen die Problematik. Viele Akteure fordern seit einiger Zeit die Beschleunigung einer sogenannte Verkehrswende. Entsprechend verbreiten sich neue Mobilitätsangebote und entfachen offene Diskussionen rund um das Thema.
Der Ansatz neuer Konzepte ist dabei ähnlich: Mit On-Demand-Technologien sollen Menschen von der Nutzung ihres privaten PKWs abgebracht werden und so die Straßen entleeren. Die Ridesharing-Unternehmen ermöglichen dabei die Abholung an einem Wunschort und den Transport zu einem gewünschten Ziel per Smartphone-App. Dabei bündeln sie ähnliche Fahrtanfragen von Kunden.

Doch inwiefern fördern die Services den nachhaltigen Ansatz der Städte und verringern die Anzahl von Fahrzeugen und tragen zur Umweltentlastung bei?

“Mit Vollgas in den Verkehrskollaps”

Während Ridesharing Anbieter damit werben, dass das intelligente Teilen von Fahrten die Lösung der Verkehrsbelastung sei, kommt die ARD in ihrer neuesten Reportage “Mit Vollgas in den Verkehrskollaps” zu einem anderen Schluss. Viele der neuen Mobilitätsangebote wie free-floating Carsharing oder vom ÖPNV losgelöste neue Ridesharing Angebote würden die Probleme nicht lösen, sondern den “Verkehrskollaps” weiter verschärfen. Die ARD beruft sich dabei auf aktuelle Kundenbefragungen von Nutzern der neuen Angebote in Deutschland. Als weitere Quelle dienen Ergebnisse aus Nordamerika, wo Anbieter wie Uber und Lyft seit vielen Jahren weitgehend ohne Regulierung ihr Angebot auf die Straße gebracht haben. Die ARD kritisiert primär, dass sich durch die vielfache Nutzung von Ridesharing Angeboten durch frühere ÖPNV Nutzer die bestehenden Verkehrsprobleme weiter potenzieren. Grund dafür sei, dass der Flächenverbrauch der ÖPNV-Angebote im Vergleich zu Ridesharing Angeboten deutlich geringer und damit eine nachhaltigere Fortbewegungsform sei. Die Schlußfolgerung des Beitrags ist, dass die Bundesregierung sich überlegen solle, inwieweit eine Öffnung des bestehenden Personenbeförderungsgesetzes und damit eine Öffnung des Marktes wie in Nordamerika tatsächlich eine Verbesserung der Verkehrssituation bewirken würde. Oder, im Falle eines Rebound Effekts, das Gegenteil eintreten könne und damit noch mehr Verkehr auf Deutschlands Straßen verursachen würde.

Studie: The New Automobility

Eine wichtige Fragestellung, mit der sich auch die kürzlich erschienene Studie von Bruce Schaller intensiv beschäftigt. Anhand von veröffentlichten Forschungsergebnisse und neuen

verfügbare Daten aus einer nationalen Erhebung diskutiert Schaller, inwiefern die Dienstleistungen dem städtischen Verkehr zugute kommen.

Die Fahrdienstvermittler Uber und Lyft sind dabei prominente Beispiele. Ihr Serviceangebot wird in der Studie näher beleuchtet.

Folgende Punkte fassen die Hauptergebnisse der Studie zusammen:

  • Die On-Demand-Services konzentrieren sich hauptsächlich auf wenige Großstädte

70% der Trips mit Uber und Lyft  finden in neun großen, dicht besiedelten Ballungsräumen statt.

  • Schaller kritisiert, dass die Ridesharing-Anbieter mit dem öffentlichen Nahverkehr konkurrieren, nicht mit dem privaten Pkw

Etwa 60% der Nutzer in städtischen Gebieten hätten die Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt, wäre der Fahrdienstvermittler nicht verfügbar gewesen.

  • Schaller kommt zu dem Schluss, dass Lyft und Uber mehr Staus verursachen

Für jede private Meile, die durch den Service eingespart werden kann, wird eine Distanz von 2,8 Meilen verursacht. Dadurch wächst der Verkehr insgesamt auf 180 % an.

  • Selbstfahrende Autos wären am nützlichsten in Form von Shuttle-ähnlichen Gruppenfahrten

Das Mobilitätsmodell für Lissabon zum Beispiel sagt aus, dass der Verkehr um etwa 50 Prozent zunehmen könnte, wenn Reisende autonome „reguläre Taxis“ bevorzugen, die nicht geteilt werden. Andererseits zeigte das Modell einen Rückgang der Fahrzeugkilometer um 37% und die vollständige Beseitigung von Staus im Rahmen eines Shared-taxi-Szenarios.

Neue Mobilität habe den Städten viel zu bieten: Komfort, Flexibilität und On-Demand-Technologie. Aber eine Entlastung der Straßen könne dadurch dauerhaft nicht erreicht werden. Viele Ansätze werden derzeit diskutiert. Die Städte sind zerrissen zwischen einem flexiblen Angebot auf der einen und fehlender Sicherheit und Umweltfreundlichkeit auf der anderen Seite. Eine Lösung tritt aktuell verstärkt hervor: Die Entwicklung der Fahrdienste müsse in einem öffentlichen politischen Rahmen abgesteckt werden, um ihr Potenzial zu nutzen und den Interessen der Städte gerecht zu werden.

Aktuelle Beispiele zu Regulierungsgesetzen in Städten

So hat London dem Fahrdienstvermittler Uber nach einem Lizenzentzug nun einer Verlängerung für 15 Monate zugestimmt. Dies gestand ein Londoner Gericht dem US-Unternehmen Ende Juni zu. Die Lizenz ist mit Auflagen verbunden. Uber erklärt sich bereit, sich alle 6 Monate einer unabhängigen Untersuchung zu unterziehen und lückenlos über Beschwerden zu informieren.

Auch in New York wurden neue Bestimmungen für Ridesharing Unternehmen erlassen. Das Gesetz limitiert die Anzahl der Fahrzeuge, indem Lizenzen für neue Modelle vorerst nicht ausgestellt werden. Am Mittwoch stimmte der Stadtrat der Stadt gegen eine Lizenzierung der Zulassung. Aufgrund des starken Überangebots auf dem Taximarkt der Stadt New York, schreibt das neue Gesetzespaket zudem einen Mindestlohn für die Fahrer von Uber und Co. vor.

Zuvor boten Uber, Lyft und Via der Stadt New York City 100 Millionen Dollar in Form eines Hilfsfonds für Taxifahrer an. Als Gegenleistung fordern sie das Fallenlassen einer vorgeschlagenen Obergrenze für Lizenzen für Ridesharing-Fahrzeuge. Das Angebot wurde von staatlichen Behörden jedoch abgelehnt.

Hierzulande möchte die lokale Verkehrspolitik zunächst gesetzliche Regulierungen aktualisieren und sie auf das neue Angebot anpassen. Grund für die Überarbeitung der Anforderungen ist auch, Sicherheiten für die Taxibranche zu schaffen. Der Einsatz von Ridesharing Fahrzeugen im städtischen Kontext stehe in direktem Wettbewerb mit Taxi-Diensten und öffentlichen Verkehrsmitteln. Damit Ridesharing-Angebote zu einer neuen Form des öffentlichen Verkehrs mit geringer Kapazität und hoher Qualität werden, müsse die Verwaltung der Verkehrsdienste, einschließlich der Konzessionsregeln und -vereinbarungen, angepasst werden. Bisher fahren Unternehmen wie Moia und Allygator in Deutschland nur mit behördlichen Ausnahmeregelungen.

Multimodal: Lyft arbeitet in den USA mit der Bahn zusammen

In den USA wachsen Bahn und Ride-Sharing Dienste weiter zusammen, um ein multimodales Mobilitätsangebot zu schaffen. Die Ride-Sharing Plattform Lyft arbeitet mit der privaten Bahnlinie Brightline zusammen, die mehrere Städte in Florida verbindet. Die Strategie von Lyft sieht die Kooperation mit anderen Transportmitteln und -unternehmen vor, um die unterschiedlichen Verkehrsangebote besser zu vernetzten.

Multimodal unterwegs

Die Mobilitätsplattform Lyft wird exklusiver Partner von Brightline. Die Kooperation startet zeitlich mit der Erweiterung der Brightline Bahn-Linien zwischen Miami, Fort Lauderdale und West Palm Beach. Die Kooperation der beiden Unternehmen ist on- und offline sichtbar. Ziel ist es, das Reiseerlebnis zu verbessern und eine Möglichkeit für die erste und letzte Meile zu bieten.

Offline und in App integriert

Im Rahmen der Partnerschaft werden die drei Bahnhöfe mit Lyft Werbung gebrandet. Außerdem werden Hinweisschilder zu den Bereichen angebracht, in denen Lyft Ride-Sharing Fahrer die Passagiere abholen oder aussteigen lassen dürfen. Die Brightline Fahrgäste können die Lounges an den Bahnhöfen nutzen, wenn sie auf ihren Fahrer warten müssen. In den kommenden Wochen wird Lyft auch in die Smartphone App von Brightline integriert. Die Fahrgäste sehen in der App die zu erwartende Anfahrtszeit der Lyft-Fahrzeuge, sowie den zu erwartenden Fahrpreis. Bei der Buchung werden die Brightline Kunden dann zur Lyft-App weiter geleitet.

Vernetzung zwischen Ride-Sharing und ÖV

Auch Konkurrent Uber möchte seine Ride-Sharing Plattform in den USA mit dem öffentlichen Verkehr vernetzten. Kürzlich wurde eine Kooperation mit Masabi verkündet, gemeinsam wollen beide Unternehmen Ride-Sharing und ÖPNV vernetzen und ein Ticketing für eine multimodale Reisekette anbieten. Lyft, Uber und auch andere Ride-Sharing Anbieter, wie ioki oder ViaVan wollen mit einem attraktiven und vernetzten Angebot dafür sorgen, dass die Bewohner in Städten ihren Privatwagen abschaffen und auf Alternativen ausweichen.

Bild: Brightline (alle Rechte vorbehalten)

Eilmeldung: Personenbeförderungsgesetz (PBefG) wurde überarbeitet

Berlin, 1. April 2018: Lange wurde es diskutiert, nur kann Vollzug gemeldet werden. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde ein Durchbruch bei der Modernisierung des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) abgeschlossen. Das ist ein erfreuliches Ergebnis, das vor allem den Bürgern zugute kommt. Die beteiligten Parteien wollten eigentlich schon viel früher mit einem Ergebnis an die Öffentlichkeit gehen, die Komplexität des Themas führte aber zu einer Marathon-Sitzung. Folgende Änderungen wurden beschlossen: 

Ride-Pooling offiziell im Personenbeförderungsgesetz vertreten

Für das aufstrebende Segment “Ride-Pooling” werden neue Vorschriften in das PBefG mit aufgenommen. Ride-Pooling ist nach der Novellierung ein Teil des öffentlichen Nahverkehrs und genießt gegenüber dem Linienverkehr folgende Vorteile. Die Linienpflicht entfällt, Ride-Pooling Fahrzeuge müssen keine festen Haltestellen anfahren und auch keinen Fahrplantakt einhalten. Wie bei Busfahrten ist Pooling von Fahrgästen ausdrücklich erlaubt. Die intelligente und bedarfsgerechte Bündelung von Fahrten sorgt dafür, dass ressourcenschonende und kostenfreundlichere Personenbeförderung möglich wird.

Rückkehrpflicht wird angepasst aber nicht abgeschafft

Die Rückkehrpflicht gilt zukünftig nur noch für Taxen. Mietwagen und Ride-Pooling Anbieter sind davon befreit. Zur Begründung dazu heißt es, dass das Taxigewerbe die letzten 50 Jahre geschützt wurde, jetzt sollen Ride-Pooling und Mietwagen in den Genuss kommen. Der Forderung, die Rückkehrpflicht für alle abzuschaffen, um Leerfahrten und schädliche Emissionen zu vermeiden, wurde nicht entsprochen

Einführung neuer Fahrzeugkategorien

Eine Änderung sieht vor, dass nur noch Fahrzeuge mit umweltfreundlichen Antrieben zugelassen werden. Es werden nur noch Fahrzeuge mit Elektroantrieb oder Wasserstoffantrieb für Fahrten im Ride-Pooling, Linien-, Mietwagen-, oder Taxi-Verkehr zugelassen. Um für weitere Verkehrsentlastung zu sorgen, werden ab 2021 nur noch Flugtaxen in der Kategorie Taxi zugelassen. Als Linienfahrzeuge, Mietwagen und Ride-Pooling Fahrzeuge werden nur noch autonome Fahrzeuge genehmigt. Damit wird eine große Wette auf die Technik eingegangen, die in den kommenden Jahren erst noch zur Serienreife entwickelt werden muss.

Zusätzlich zu den genannten Punkten wird die Tarifpflicht gelockert, der Fokus liegt auf Transparenz durch Anzeige von Bewertungen und Preisangaben vor der Fahrt. Außerdem wird die IHK Fach- und Sachkundeprüfung gelockert, um mehr Gelegenheitsangebote im Rahmen der Shared Economy zu ermöglichen.

Gleichzeitig sollen in den kommenden Wochen Maßnahmen beschlossen werden, die den privaten Fahrzeugbesitz so unattraktiv machen, dass mehr und mehr Menschen auf geteilte Mobilität umsteigen. Erste Überlegungen sehen eine Erhöhung der Parkgebühren um ein Vielfaches vor. Das Wachstum der Neuzulassungen soll verhindert werden und teure Lizenzen sollen eingeführt werden.

Frohe Ostern und einen schönen 1. April.

Bild: Busy traffic von dingcarrie (bestimmte Rechte vorbehalten)

Autonome Fahrzeuge: Waymo darf kommerziellen Ride-Sharing Dienst in Arizona anbieten

Die Alphabet Tochter Waymo hat in Arizona die Lizenz für einen kommerziellen Ride-Sharing Dienst mit autonomen Fahrzeugen erhalten. In dem amerikanischen Bundesstaat ist Waymo als Transportation Network Company (TNC) zugelassen. Waymo scheint es ernst zu meinen und will Lyft und andere Anbieter in den USA mit einem eigenen Ride-Sharing Dienst herausfordern.

Erster Anbieter, der voll auf autonome Fahrzeuge setzt

Damit ist das Unternehmen einer der ersten Anbieter, die ausschließlich auf autonome Fahrzeuge bei der Beförderung von Passagieren setzten. Der jetzige Schritt bestätigt die Befürchtungen von Uber und anderen Anbieter, dass Waymo nicht nur Systeme für autonome Fahrzeuge entwicklen und produzieren will, sondern auch einen kommerziellen Fahrdienst aufbauen will.

Kommerzieller Betrieb noch in diesem Jahr geplant

Bisher hat Waymo den Dienst kostenlos angeboten. Seit letztem April können Nutzer in Phoenix im Rahmen eines Tests die Fahrzeuge per App buchen und werden ohne Endgeld von A nach B befördert. Mehr als 6 Mio. Kilometer hat die Flotte in Phoenix abgespult, einen Großteil davon autonom. Sie Fahrzeuge verfügen über Fähigkeiten auf Level 4 von 5 auf Skala der National Highway Traffic Safety Administration.

Die jetzt erhaltene TNC Lizenz erlaubt Waymo, dass Fahrpreise für die Beförderung von A nach B erhoben werden. Der kommerzielle Dienst soll später im Jahr gestartet werden, nachdem alle Tests abgeschlossen sind. Wie teuer der Dienst sein soll, wurde noch nicht kommuniziert. Es ist davon auszugehen, dass das Angebot günstiger als die Pooling Dienste von Uber, Lyft und Co. Sein wird. Dank der autonomen Systeme wird kein Fahrer mehr benötigt, was die Betriebskosten erheblich senken dürfte.

Arizona besonders gut für empfindliche Systeme geeignet

In Arizona ist das Klima besonders trocken, deswegen sind Städte wie Phoenix bestens für die Erprobung der Systeme für autonomes Fahren geeignet. Bisher sind Sensoren und Elektronik noch stark anfällig für Regen, Nebel und co. Phoenix kommt pro Jahr auf 312 Sonnentage, was die Tests und Weiterentwicklung vereinfacht.

Obwohl Google an Uber beteiligt ist, hat sich das Verhältnis der beiden Unternehmen in den letzten Jahren stark verschlechtert. Unter anderem hat Waymo Uber vorgeworfen, Geschäftsgeheimnisse gestohlen zu haben. Nach einer Schlammschlacht und mehreren Gerichtsverhandlungen wurde der Fall in den vergangenen Wochen mit einem Vergleich beigelegt. Während den Verhandlungen vor Gericht wurde auch bekannt, dass Google gar nicht begeistert davon war, dass Uber eigene Systeme für autonomes Fahren entwickelt.

Bild: Waymo (alle Rechte vorbehalten)

EuGH entscheidet: Uber ist ein Taxi-Unternehmen

Der amerikanische Fahrdienst Uber hat lange Zeit auf die Europäische Union gehofft, um ein grünes Licht für den Dienst mit Privatfahrern zu bekommen. Der Europäische Gerichtshof macht die Ambitionen von Uber zunichte und stuft die Ride-Sharing Plattform wie ein Taxi-Unternehmen ein. In den USA und in anderen Teilen der Welt ist der Dienst mit Privatfahrern sehr erfolgreich und schafft auch jede Menge neue Möglichkeiten, um Einnahmen zu erzielen.

Uber wird als Taxi-Unternehmen eingestuft

Der EuGH kam zu der Entscheidung, dass der Uber Dienst eine Verkehrsdienstleistung ist und deswegen entsprechend reguliert werden muss. Für die Uber-Fahrer gelten damit die gleichen Regeln wie für Taxi- oder Mietwagen-Fahrer. Die Regeln sind pro Land unterschiedlich, meistens wird aber eine Lizenz zur kommerziellen Beförderung benötigt und ein konzessioniertes und speziell versichertes Fahrzeug.

UberPop war Stein des Anstoßes

Uber hat vor etwa drei Jahren damit begonnen, unter dem Namen UberPop einen Dienst in Europa aufzubauen, der auf Privatfahrer mit Privatfahrzeug aufbaut. Recht schnell hat dieser Ansatz die Behörden und Taxi-Verbände auf den Plan gerufen. In unterschiedlichen Gerichtsverfahren, z.B. in Deutschland oder Frankreich wurde der Dienst daraufhin verboten. Auf der einen Seite hat Uber eine Beschwerde bei der EU eingereicht und gleichzeitig sein Geschäft den lokalen Regeln angepasst. Die jetzige Entscheidung geht auf die Klage eines spanischen Taxi-Verbandes zurück.

Kompliziertes Setup für UberX in Deutschland

In Deutschland hat das dazu geführt, dass Städte wie Hamburg, Frankfurt oder Düsseldorf wieder geschlossen wurden. In den Märkten Berlin und München wurde zunächst mit einem Taxi-Dienst a la myTaxi weitergemacht. Einige Zeit später kam ein angepasstes UberX Angebot mit lizensierten Fahrern und festen Rückkehr-Stützpunkten hinzu.

Uber hatte vor den EuGH damit argumentiert, dass die Vermittlung von Fahrtaufträgen zwischen Nutzer und Fahrer keine Verkehrsdienstleistung ist und der Service so unter die Regeln für den allgemeinen Dienstleistungsverkehr fällt. Der EuGH entschied jetzt aber, dass die Vermittlung untrennbar mit der Verkehrsdienstleistung verbunden ist und deshalb die für Taxis geltenden Regulierungen anzuwenden sind.

Entscheidung wurde erwartet

Es wurde mit einer Entscheidung in diese Richtung gerechnet, da sich der zuständige Generalanwalt kürzlich mit einer solchen Position zu Wort gemeldet hat. Uber wird sich darüber ärgern, dass der EuGH einen Riegel vorgeschoben hat, da UperPop sehr gut von den Nutzern und Fahrern angenommen wurde. Letztendlich hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren an die Gesetze angepasst, so dass  das Geschäft wie gewohnt weiter gehen wird.

Die Fahrer und Kunden sind im Grunde die Leittragenden, da die Option nach günstiger Mobilität und leichtem Arbeitseinstieg verbaut wurde.

Bild: Rock Cohen (bestimmte Rechte vorbehalten)

Konferenz Rückblick: Transformation der Automobilindustrie

Anfang Dezember fand in Frankfurt die Konferenz „Transformation der Automobilindustrie“ statt, organisiert vom Handelsblatt Verlag.

Grundsätzlich ging es bei der Veranstaltung darum, wie Zulieferer und Automobilhersteller die Digitalisierung und Transformation schaffen können. Die vier Trends Connectivity, Elektrifizierung, Shared Mobility und autonomes Fahren werden die Branche umkrempeln.

Hochkarätige Redner waren vor Ort. Von Volkswagen, Google und anderen Rednern kam Input, wie das Unternehmen aufgestellt sein soll, um Innovationen hervorzubringen. Google wird die Kultur tatsächlich leben, bei Volkswagen wird das nicht mehr als ein Lippenbekenntnis sein. Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter haben einen Einblick in die Risiken und Optionen bei einer Restrukturierungen bzw. Insolvenz dargelegt. Vertreter von der IG Metall haben die Arbeitnehmer vertreten. Praxisberichte von Startups und mutigen Zulieferern rundeten die gelungene Konferenz ab.

Was diskutiert wurde

Grundsätzlich haben sich die Diskussionen und Beiträge um folgende Bereiche bewegt.

  1. Den meisten Unternehmen im Automotive Bereich geht es im Moment so gut, dass sie die Digitalisierung ignorieren. Die Auftragsbücher sind voll und die Beschäftigten sind mit Mehrarbeit gut ausgelastet. Trotzdem sollten etwa 30 Prozent der Gewinne in innovative Ideen oder sogenannten Moonshots investiert werden. Den Mitarbeitern müssen die Freiräume geschaffen werden, damit sie an neuen kundennahen Ideen arbeiten können.
  2. Das Thema Digitalisierung ist eine große Unbekannte, bei der das nötige Wissen in den meisten Unternehmen fehlt. Eigene Mitarbeiter werden nicht in den wichtigen Feldern weitergebildet. Die Unternehmenskultur lässt meistens keinen Raum für die Entwicklung von innovativen Ideen. Externe Kandidaten, die einen Lebenslauf mit einigen Stationen in Startups und so auch wertvolles Wissen haben, werden erst garnicht zum Interview eingeladen. Die Kreativität, um Digitalisierungs-Experten aus den Hot-Spots wie Berlin in die Provinz zu locken, fehlt.
  3. Deutsche Unternehmen im Automotive-Bereich sind die Getriebenen. Die disruptiven Mobility Ideen werden im Silicon Valley oder in Israel generiert und mit globalen Ambitionen umgesetzt. Deutsche Unternehmen aus der Automobilindustrie haben früher die Impulse gesetzt, heute laufen sie eher hinterher.
  4. Deutsche Unternehmen denken bei neuen Geschäftsideen nicht global, sondern eher an den Binnenmarkt. Zusätzlich werden die neuen Ideen zu langsam ausgerollt oder weiterentwickelt. Viele Unternehmen entwickeln Einzellösungen am Kunden vorbei, anstatt Partnerschaften einzugehen.

Deutschland kann die Transformation der Automobilindustrie anführen

Das wir es besser können, haben wir bewiesen. Sonst wäre in Deutschland keine Automobilindustrie entstanden, die weltweit führend ist. Für alle weiter oben genannten Bereiche müssen Lösungen möglichst schnell gefunden werden, damit die Automobilindustrie auch noch die nächsten Jahre erfolgreich überlebt. Amerikanische oder asiatische Technologiekonzerne können als Inspiration genutzt werden,

Anwesend war eine Mischung aus unterschiedlichen Berufsgruppen. Zulieferer haben sich für Input interessiert, welche Stellhebel in Angriff genommen werden müssen, um die Transformation zu überstehen und mitzugestalten. Innovationsberater und Startups gaben einen Einblick in die Praxis.

Ein Heer an Anwälten, Beratern und Insolvenzverwaltern war ebenfalls unter den Teilnehmern und Rednern. Sie riechen schon das große Geschäft bei Restrukturierungen oder Abwicklungen von Unternehmen aus dem Automotive Bereich. So weit sollte es nicht kommen.

äBild: Handelsblatt/EuroForum (alle Rechte vorbehalten)

Transformation in der Automobilbranche – Technologiewandel forcierte neue interne Strukturen

In der kommenden Woche findet in Frankfurt die Handelsblatt Konferenz “Transformation in der Automobilbranche – Technologiewandel forciert neue interne Strukturen” mit hochkarätigen Rednern von Facebook, Volkswagen oder der Telekom statt.

Transformation in der Automobilbranche in den kommenden Jahren

Die Automobilbranche steht in den kommenden Jahren vor tiefgreifenden Veränderungen. Die vier technologischen Trends Shared Mobility, Connectivity, Elektrifizierung und autonomes Fahren werden die Branche in den kommenden Jahren verändern.

Wie es der Name der Konferenz schon andeutet, liegt der Fokus darauf, wie die technische Transformation in den kommenden Jahren die traditionellen Unternehmensstrukturen verändern. Wettbewerber werden zukünftig verstärkt zusammenarbeiten, wie man bei dem Thema autonomes Fahren schon beobachten kann. Intern wird eine große Notwendigkeit bestehen, Strukturen den neuen Gegebenheiten anzupassen und Mitarbeiter auf die neuen Anforderungen vorzubereiten.

Technologiewandel forcierte neue interne Strukturen

Um das riesige Themengebiet einzugrenzen, sollen folgende Fragen während der Konferenz diskutiert werden.

  • Wie stellen sich Unternehmen intern neu auf?
  • Wie finanzieren sie diese „Revolution“?
  • Wie bereiten sie Ihre Mitarbeiter auf die Veränderungen vor?
  • Wie arbeiten traditionelle und Start-Up Unternehmen?
  • Was können sie voneinander lernen?

Hochkarätige Referenten  von Volkswagen, Facebook und der IG Metall

Zu den Rednern und Gesprächspartnern gehören unter anderem Johann Jungwirth, Chief Digital Officer der Volkswagen AG. Er wird einen Vortrag über die Herausforderungen der digitalen Transformation der Automobilindustrie halten. Claudia Neman, Vorstandsmitglied Technologie & Innovation bei der Deutschen Telekom, gibt einen Einblick, warum die digitale Gesellschaft die Infrastrukturwende benötigt. Referenten von Facebook, Uber oder IG Metal runden die interessante Mischung an Beiträgen ab. Referenten von Startups sind neben Uber General Manager Weigler auch Lukas Steinhilber, Geschäftsführer des Leasing Startups Vehiculum.

Experten auf der Konferenz Transformation in der Automobilbranche - GetMobility.de
Experten auf der Konferenz Transformation in der Automobilbranche

Letzte Tickets für die Veranstaltung Transformation in der Automobilbranche können auf der Event-Website erworben werden. GetMobility.de wird auch in Frankfurt vertreten sein, sprechen Sie uns an, wenn Sie interessante Themen für das führende Mobility Magazin haben.

Bilder: Euroforum / Handelsblatt (alle Rechte vorbehalten)