Archiv der Kategorie: selbstfahrende Autos

Autonome Fahrzeuge: BMW und Baidu beenden Zusammenarbeit

Die beiden Konzerne BMW und Baidu haben sich zusammengetan, um gemeinsam an der Entwicklung von selbstfahrenden Autos zu arbeiten. Damit ist jetzt Schluss. Beide Kooperationspartner haben bekanntgegeben, dass die Zusammenarbeit beendet wird. Der chinesische Technologiekonzern Baidu sucht neue Entwicklungspartner.

BMW 3er als Testträger für Baidu

In den USA testet das chinesische Unternehmen seine Technology nun mit Lincoln Fahrzeugen. Die Marke Lincoln gehört zum Ford-Konzern. Bisher wurden dafür 3er BMWs genutzt. Nach Aussagen von Baidu ist das Unternehmen für verschiedene Partner offen und spricht mit einigen Automobilkonzernen über die Zusammenarbeit. In China arbeitet das Unternehmen mit dem lokalen Herstellern Chery und BAIC zusammen. Auf einer Konferenz in China wurden erste Prototypen der selbstfahrenden Chery Autos präsentiert und konnten auf einem abgesperrten Gelände getestet werden.

Unterschiedlich Ansichten bei Ausrichtung

BMW und Baidu haben die Zusammenarbeit auf Grund von Meinungsverschiedenheiten beendet. Eigentlich wollen  beide Unternehmen zusammen die Technologien für die Fahrzeuge der Zukunft entwickeln und in den USA und China testen. Die Kooperationspartner waren über die Ausrichtung der Forschungsschwerpunkte und die Geschwindigkeit uneinig. Bei der Entwicklung von hochauflösendem Kartenmaterial wollen beide Unternehmen weiterhin zusammenarbeiten. BMW will auch weiterhin in die Entwicklung von autonome Fahrzeugen in China investieren.

Serienreife bis 2021

Baidu und BMW erachten es für realistisch, dass vollautonome Fahrzeuge bis 2021 serienreif sind. Auch andere Konzerne planen einen ähnlichen Zeitraum für die Einführung. Weitere Technologie- und Autokonzerne und auch einige Startups sind davon überzeugt, dass in selbstfahrenden Autos die Zukunft liegt. Autonome Fahrzeuge werden die bisherige Automobilindustrie und das Mobilitätsverhalten der Menschen revolutionieren. Etablierte Konzerne, wie Google, Daimler, General Motors investieren hohe Summen in Forschung und Entwicklung von autonomen Fahrzeugen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Baidu hat sich auch an Zulieferern beteiligt, die sich mit der Entwicklung von Technologien und Komponenten für autonome Fahrzeuge befassen.

Bild: RoadOver (bestimmte Rechte vorbehalten)

Connected Cars: Samsung kauft Harman

Der Technologiekonzern Samsung hat bekanntgegeben, dass der Hersteller von Infotainment und Audiokomponenten Harman für 8 Milliarden US$ übernommen wird. Harman ist einer der führenden Zulieferer von Infotainment und Audio-Komponenten für die Automobilindustrie.

Größte Übernahme für Samsung

Für Samsung ist es die bisher größte Übernahme im Ausland. Bisher ist der Konzern vor allem für seine Smartphones und Elektronikprodukte bekannt. Der südkoreanische Konzern ist auch ein führender Zulieferer von anderen Technologiekonzernen, wie Apple.

Immer mehr Elektronik in Fahrzeugen

Die on-board Elektronik und Infotainment-Ausstattung in Fahrzeugen hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und somit auch das Interesse von Technologiekonzernen geweckt. Samsung möchte mit den Kauf von Harman einen Fuß in die Automobilindustrie bekommen. Für das übernommene Unternehmen sollen sich durch die Expertise von Samsung neue Wachstumsmöglichkeiten ergeben. Samsung verfügt über wertvolle Erfahrungen bei Displays, Benutzeroberflächen und Halbleitern. All diese Bereiche spielen in den aktuellen und auch zukünftigen Fahrzeuggeneration eine immer wichtigere Rolle.

Umsatz soll verdoppelt werden

Harman will in den nächsten fünf Jahren seinen Umsatz verdoppeln. Zu dem Konzern gehören auch die Marken AKG und JBL und die high-end Marke Harman Karton. Zu den Kunden von Harman gehören fast alle Automobilkonzerne, vor kurzem wurden neue Deals mit Fiat Chrysler und General Motors abgeschlossen.

Die Autos der nächsten Generation werden noch mehr auf Digitalisierung setzen, als bestehende Modelle. Dafür werden noch mehr Bildschirme, Software und Prozessoren benötigt. Das sind alles Bereiche, in denen Samsung eine starke Position vorweisen kann. Harman hat eine starke Marktposition unter den Infotainment-Zulieferern in der Automobilindustrie. Somit passt die Übernahme gut in das Portfolio des Technologiekonzerns und Samsung erhält sofort eine starke Basis in der Automobilindustrie, die in den nächsten Jahren ausgebaut werden soll. Bis zum Jahr 2025 soll der Markt für Autoelektronik auf mehr als 100 Milliarden US$ anwachsen. Trends wie Connected Cars und autonomes Fahren werden dabei entscheidende Rollen spielen. Auch Apple will dabei eine Rolle spielen.

Bild: Harman (alle Rechte vorbehalten)

Autonome Autos: Zoox jetzt 1.5 Milliarden US$ wert

Das Startup Zoox arbeitet im Stealth Mode an einem selbstfahrendem Auto, das in den nächsten fünf Jahren zur Marktreife entwickelt werden soll. Bisher ist noch nicht viel über das Fahrzeug an die Öffentlichkeit gelangt, trotzdem scheint das Interesse von Investoren an dem Startup groß zu sein. In einer letzten Finanzierungsrunde sind weitere 50 Mio. US$ in Zoox geflossen, die Bewertung stieg auf 1.55 Milliarden US$. Das Geld kommt diesmal von Composite Capital, einem Fond aus Hongkong.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2014 von dem Australier Tim Kentley-Klay und Jesse Levinson. Tim Kentley-Klay ist Unternehmer und Designer. Jesse Levinson war zuvor an der Stanford University. Dort war er Teil der Forschungsgruppe, die sich mit selbstfahrenden Autos beschäftigt hat. Insgesamt sind zuvor 240 Mio. US$ in Zoox investiert worden, die Bewertung lag dabei bei einer Milliarde US$.

Mehr als ein Roboter Taxi

Das Startup möchte viel mehr entwickeln, als ein selbstfahrendes Auto, das auf Vermittlungsnplattfomen eingesetzt wird. Um dieses Ziel zu erfüllen, wurden Experten von Tesla, Apple, Alphabet und weiteren Technologie- und Autokonzernen abgeworben. Das Fahrzeug soll die Umgebung verstehen und von sich aus wissen, wohin der Fahrgast möchte, was er während der Fahrt machen möchte und wie er sich durch die Stadt bewegen will.

Starke Konkurrenz für Zoox

Zoox ist nicht das einzige gut finanzierte Unternehmen, dass sich mit selbstfahrenden Autos entwickelt. Google beschäftigt sich mit der Entwicklung von selbstfahrenden Fahrzeugen. General Motors hat Cruise übernommen, um schneller in der Entwicklung zu sein. Uber hat erkannt, dass autonome Fahrzeuge eine Bedrohung für das jetzige Geschäftsmodell darstellen und investiert deshalb selbst kräftig. Seit kurzem werden die ersten autonomen Fahrzeuge in Pittsburgh getestet. Nutonomy ist in Singapur mit einem Pilotprojekt gestartet. In den nächsten fünf Jahren werden wir die ersten Flotten vollautonomer Fahrzeuge auf den Straßen sehen, Zoox will mit dabei sein.

Bild: Zoox (alle Rechte vorbehalten)

Selbstfahrendes Auto in Großbritannien getestet

Zum ersten mal wurde in den vergangenen Wochen ein selbstfahrendes Auto in Großbritannien getestet. Das selbstfahrende Gefährt wurde von dem Oxford Robotics Institut und dem Spinout Oxbotica entwickelt. Bei dem Test war das Fahrzeug eher gemächlich unterwegs, mit weniger als 10 Km/h is es auf einer abgesperrten Strecke unterwegs gewesen. Das Fahrzeug wird von einem Elektromotor angetrieben und verfügt über zwei Sitzplätze. Die Form erinnert an einen Kabinenroller mit Glastüren. Das selbstfahrende Auto basiert auf dem Elektroauto Renault Twizy.

Der Prototyp verfügt noch über ein Lenkrad, damit die Insassen im Notfall eingreifen können. Um autonom fahren zu können, ist das Auto mit Radar und Lidar-Systemen ausgestattet und verfügt über mehrere Kamerasysteme, um eine vollumfassende Überwachung der Fahrzeugumgebung zu gewährleisten. Im kommenden Jahr sollen bis zu 40 autonome Fahrzeuge zu dem Pilotprojekt hinzugefügt werden, um genügend Daten zu sammeln und um die Technologien weiterzuentwickeln. Zu einem späteren Zeitpunkt können die Komponenten dann auch mit anderen Fahrzeugen verknüpft werden, zum Beispiel Shuttle-Busse.

Unterstützt wird das Projekt von der Regierung, die Technologieunternehmen und Autohersteller dazu ermutigen möchte, selbstfahrende Autos in Großbritannien zu entwickeln und zu testen. Damit will das europäische Land den Zug nicht verpassen und an der Marktentwicklung partizipieren. Um eine entscheidende Rolle in diesem neuen Markt einnehmen zu können, hat die britische Regierung eine Initiative gestartet um möglichst schnell einen legalen Rahmen für selbstfahrende Autos zu schaffen. Bis Ende des Jahrzehnts sollen die Änderungen umgesetzt sein, im kommenden Jahr sollen die Tests auf den britischen Autobahnen beginnen.

Neben den Universitäten beschäftigen sich auch die Hersteller Jaguar Landrover und Ford mit der Entwicklung von selbstfahrenden Autos in Großbritannien. Weltweit sind Autohersteller, Technologiekonzerne und Startups auf den Zug aufgesprungen, um möglichst schnell ein selbstfahrendes Auto auf den Markt zu bringen. Es wir erwartet, dass selbstfahrende Fahrzeuge in den nächsten 20 Jahren einen Milliardenmarkt erschließen werden.

Uber hat im vergangenen Monat die erste Version der selbstfahrenden Autos vorgestellt, die in Pittsburgh getestet werden. Das Startup Nutomoy aus Besten testet erste selbstfahrende Taxis zusammen mit Grab in Singapur. In dem Londoner Stadtteil Greenwich wurden bisher schon selbstfahrende Lieferroboter von Starship Technologies getestet.

Bild: Oxbotica (alle Rechte vorbehalten)

Berliner Startup German Autolabs entwickelt digitalen Beifahrer

Das Berliner Startup  German Autolabs will einen digitalen Beifahrer auf den Markt bringen, der das Autofahren in Zeiten von Smartphones sicherer macht. Gegründet wurde das Unternehmen von Holger G. Weiss und Patrick Weissert. Target Partners und einige Business Angels haben sich kürzlich mit einer Summe von zwei Mio. Euro an dem Unternehmen beteiligt.

Der intelligente Beifahrer von German Autolabs soll das Autofahren sicherer machen, bis in einigen Jahren autonome Fahrzeuge zum Standard geworden sind und sich die Mitfahrer entspannt zurück lehnen können, um Inhalte auf den digitalen Geräten zu konsumieren. Heute greifen die Autofahrer während der Fahrt häufig verbotenerweise zum Smartphone, um Emails zu lesen oder um schnell eine WhatsApp Nachricht zu verschicken. Den dadurch entstehenden Sicherheitsrisiken will das Startup mit seinem intelligenten Beifahrer entgegenwirken.

Herzstück ist eine spezielle fürs Autofahren entwickelte Künstliche Intelligenz

Herzstück ist eine spezielle fürs Autofahren entwickelte Künstliche Intelligenz, die Dienste auf dem Smartphone sinnvoll verbindet und über Sprache und Gestik gesteuert wird. Das Telefon bleibt dabei in der Hosentasche. German Autolabs entwickelt eine Lösung, mit der Autofahrer wichtige Apps und Dienste intuitiv nutzen und steuern können – und zwar in jedem Fahrzeug, unabhängig von Alter und Marke. Dieser digitale Beifahrer erledigt alle Aufgaben auf Zuruf, informiert und spricht situationsabhängig mit dem Fahrer, so dass seine Hände zu jeder Zeit da bleiben können, wo sie für die größte Sicherheit sorgen – am Steuer. Die Vision des Auto-Start-ups ist ein digitaler Assistent, der dem Fahrer genau zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Informationen zur Verfügung stellt und die richtigen Angebote macht.

Der Markt dafür scheint riesig zu sein. Allein in Europa und Nordamerika sind Laut Berthold von Freyberg, Partner bei Target Partners, mehr als 500 Mio. Fahrzeuge unterwegs, die mit der Technologie ausgestattet werden können. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden 2015 über 360.000 Verstöße gegen das Handy-Verbot am Steuer in Deutschland gezählt. Dabei handelt es sich nur um die geahndeten Fälle, die Dunkelziffer liegt weitaus höher.

Konkurrenz durch Apple, Google und co.

Die Entwicklung und Produktion des digitalen Beifahrers findet in Deutschland statt, der Unternehmenssitz ist in Berlin. Das erste Produkt für den Endkunden soll bereits im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Das Unternehmen konkurriert unter anderem mit den Systemen von Apple (CarPlay mit Siri Unterstützung), Google (Android Auto mit Google Assistent) und den Systemen der Autohersteller. Autokonzerne von BMW, über Daimler, bis hin zu Tesla entwickeln ihre eigenen Assistenten. German Autolabs kann sich auch vorstellen, die Technologie an Autokonzerne zu lizenzieren.

Erfahrenes German Autolabs Gründerteam

Beide Gründer verfügen über langjährige Erfahrung im Mobility und Digital-Bereich. Holger G. Weiss war bei gate5 mit dabei. Gate5 hat eine Navigationssoftware entwickelt, das Unternehmen wurde 2006 von Nokia aufgekauft. Gate5 hat den Grundstein für HERE gelegt, der digitale Karten- und Navigationssystemanbieter wurde 2015 von drei deutschen Automobilherstellern für fast 3 Milliarden Euro von Nokia übernommen. Nach gate5 hat Weiss den Musik-Streaming Dienst Aupeo gegründet und aufgebaut und schließlich an Panasonic Automotive North America verkauft. Patrick Weigert verantwortete zuletzt beim digitalen Karten- und Navigationssystemanbieter HERE als Consumer Director das gesamte digitale Endverbrauchergeschäft mit mehr als 25 Millionen Nutzern pro Monat, von der Produktentwicklung bis zu Vertrieb, Partnering und Monetarisierung, inklusive der Wachstums- und Umsatzziele für das Geschäftsfeld. Dabei führte er ein 100-köpfiges Team von Entwicklern, Produktmanagern, Designern, Marketing-, Partnering- und Monetarisierungs-Experten. Vor den Stationen bei HERE arbeitete Weissert in unterschiedlichen Führungspositionen in der globalen Produktentwicklung und Konzernstrategie von Vodafone.

Bild: German Autolabs (alle Rechte vorbehalten)

Selbstfahrender LKW von Otto liefert Budweiser Bier in Colorado

Das von Uber übernommene Startup Otto hat Ende Oktober gezeigt, wie weit das eigene System für selbstfahrende Lastwagen schon entwickelt ist. Ein mit dem Technologie-Kit von Otto ausgestatteter 40-Tonner LKW hat in Colorado eine Bier-Lieferung von der Brauerei Anheuser-Busch über eine Strecke von ca. 200 Kilometern ohne Fahrer transportiert.

Autonom auf der Autobahn

Der Lastwagen war im autonomen Modus auf der Autobahn unterwegs. Ein Fahrer war zwar in der Kabine, um im Notfall eingreifen zu könne, saß aber nicht direkt hinter dem Steuer. Begleitet wurde der LKW von einem Polizeifahrzeug.

Die Fahrt war eine erste Demonstration, um zu zeigen, wie weit die Technologie für autonome Lastwagen heute ist. Eine erste funktionsfähige basis Version der Technologie ist bereits entwickelt, weitere Iterationen auf Hardware und Software-Seite sind notwendig, um das System bis zur Serienreife zu entwickeln. Bis die Serienreife erreicht ist, wird es noch einige Jahre dauern.

Einige Voraussetzungen mussten für die Testfahrt erfüllt sein: Die Fahrt fand bei schönen Wetter statt und in den Morgenstunden, bei geringem Verkehr. Das Team von Otto hat zwei Wochen dafür benötigt, um die Route zu definieren und um das Kartenmaterial mit dem benötigten Detaillierungsgrad zu erstellen.

Kostenersparnis in Millionenhöhe möglich

Der Brauerei-Riese Anheuser-Busch geht davon aus, dass pro Jahr 50 Mio. US$ an Kosten eigespart werden können, wenn die autonomen LKWs eingesetzt werden können. Der Konzern geht davon aus, dass zuerst weiterhin ein Fahrer an Board der LKWs sein wird. Die Einsparungen kommen durch geringeren Benzinverbrauch und bessere Auslastung der Fahrzeuge. Mit den autonomen Eigenschaften können die LKWs länger unterwegs sein, da die LKWs auch während potentieller Ruhezeiten der Fahrer weiterfahren können.

Erstes Szenario wird sein, dass die Lastwagen auf den Autobahnen autonom fahren und der Fahrer kurz vor der Autobahn-Abfahrt übernimmt. Langfristiges Ziel wird es sein, den Fahrer komplett zu ersetzten, was weitere Kostenersparnisse mit sich bringen wird.

Otto von Uber übernommen

Otto wurde erste Anfang des Jahres gegründet und im Sommer von Uber für eine Milliarde US$ übernommen. Das Startup arbeitet an der Entwicklung von Systemen, um LKWs mit autonomen Eigenschaften ausstatten zu können. Uber will die Erfahrungen von Otto auch in die eigene Entwicklung von den selbstfahrenden Autos einfließen lassen. Auf der anderen Seite will das amerikanische Transportunternehmen seine Aktivitäten ausweiten. Uber sieht einen weiteren Milliardenmarkt im Bereich des Langstrecken Güterverkehrs mit LKWs. Es sollen keine eigenen LKWs entwickelt werden, das Unternehmen will mit etablierten LKW-Herstellern zusammenarbeiten.

Bild:  ot.to (alle Rechte vorbehalten)

Apple fährt sein Project Titan zurück – keine selbstfahrenden Autos von Apple

Vor ein paar Wochen haben wir schon einmal über die Änderungen bei Project Titan von Apple berichtet. Project Titan wurde ins Leben gerufen, um ein selbstfahrendes Elektroauto zu entwickeln und zu produzieren. Jetzt wurden weitere Informationen bekannt, was sich bei der Ausrichtung des Projekts verändert hat. Hunderte Angestellte vom Projekt abgezogen und die Ausrichtung wurde geändert. Die Entwicklung von kompletten Fahrzeugen steht nicht mehr im Vordergrund.

Project Titan Mitarbeiter auf andere Projekte verteilt

Entweder wurden die Mitarbeiter auf andere Projekte verteilt, gekündigt oder sind von selber gegangen. Schätzungsweise arbeiten mehr als 1000 Mitarbeiter an dem Projekt für das selbstfahrende Elektroauto, auch nach der Umstrukturierung. Es hat ein Austausch durch Mitarbeiter stattgefunden, die besser zu dem neuen Fokus passen.

Fokus auf Systemen für andere Hersteller

Der Fokus liegt jetzt auf der Entwicklung eines Systems, das anderen Fahrzeugen autonome Eigenschaften verleihen kann. Dadurch hat Apple eine höhere Flexibilität und kann entweder mit etablierten Automobilherstellern zusammenarbeiten oder später zu dem Plan zurückkehren, sein eigenes Auto zu entwickeln.

Apple Manager sollen sich anscheinend eine Dead Line für Ende kommenden Jahres gesetzt haben. Bis dahin muss erwiesen sein, dass das System für selbstfahrende Autos realisierbar ist. Anschließend wird eine finale Entscheidung getroffen. Apple wollte sich nicht zu den Gerüchten äußern.

In den letzten Monaten scheint es bei Apple einige Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten im Bezug auf das Projekt gegeben zu haben. Dabei ist Apple nicht der einzige Technologiekonzern, der die Herausforderungen unterschätzt haben dürfte, ein eigenes Auto zu entwickeln und zu produzieren. Auch um das von Google entwickelte Projekt ist es ruhiger geworden. Bisher konnten keine Partner gefunden werden, die das Fahrzeug bauen und führende Angestellte haben das Unternehmen verlassen. Eine neue Herausforderung für die Technologiekonzerne ist auch die Kette der Zulieferer. Bei den Elektronikgeräten, wie iPhone oder MacBooks kann Apple seine extreme Marktposition ausspielen, um gute Preise und individuelle Bauteile zu bekommen. Für das Projekt Titan müsste sich Apple diese Postion erst erarbeiten, was länger dauert.

Investoren dürften die Bestrebungen der Technologieunternehmen auch kritisch sehen. Auf der einen Seite aufgrund der hohen Investitionen, die nötig sind und auf der anderen Seite aufgrund der niedrigen Margen der Automobilhersteller, die auf eine Marge von etwa 10% kommen. Der Wandel in der Automobilindustrie dürfte aber dafür sorgen, dass Apple eher daran interessiert ist, einen Mobilitätsservice mit den selbstfahrenden Autos anzubieten. Da würde dann die Marge durch den Verkauf nicht mehr so relevant sein, da das Geld mit der Auslastung der Fahrzeuge verdient wird.

Apple hat das Projekt im Jahr 2014 gestartet, um ein Apple Auto bis 2020 zu entwickeln. Ende 2015 kam es zu ersten Unstimmigkeiten, Anfang 2016 wurde der Projektleiter ausgetauscht und durch den erfahreneren Apple-Manager Bob Mansfield ersetzt. Unter Mansfield wurde der Strategieschwenk ausgearbeitet und verkündet. Daraufhin startete die Umstrukturierung. Entweder haben Mitarbeiter das Projekt von sich aus verlassen oder mussten in einer der beiden Runden gehen. Vor allem Mitarbeiter, die für Fahrzeugkomponenten, wie Karosserie, Federung usw. verantwortlich waren, mussten gehen.

Das verbleibende Team arbeitet an den Sensoren,  der Software und weiteren Komponenten für das System für autonome Autos. Ein Teil des Teams kümmert sich um die nötigen Genehmigungen, die benötigt werden, um die Systeme auf öffentlichen Straßen zu testen.

Bild: allen / flickr (bestimmte Rechte vorbehalten)

Travis Kalanick: Uber mit 40 Mio. aktiven Kunden pro Monat

Auf einer Konferenz in San Francisco hat Uber Chef Travis Kalanick vor Politikern, Medienunternehmern und Geschäftsleiter einen Einblick in die Entwicklung des Unternehmens gegeben. Auf der einen Seite betonte der CEO, dass das Unternehmen an autonomen Fahrzeugen arbeitet. Diese werden neben Pittsburgh nun auch in San Francisco getestet. Auf der anderen Seite hab Kalanick auch einen kleinen Einblick in die Zahlen des Unternehmens.

Milliardenbetrag für die Fahrer

Auf der Konferenz hat Uber CEO Travis Kalanick bekanntgegeben, dass das Unternehmen über 40 Mio. aktive Kunden pro Monat hat. Im Durchschnitt zahlen diese aktiven Kunden um die 50 US$ pro Monat. Die Uber Fahrer generieren somit pro Monat 1.5 – 2 Milliarden US$ an Umsatz.

Kalanick sieht Zukunft bei autonomen Fahrzeugen

Im Moment sind die Umsätze also weiter steigend. Damit Uber seine Erfolgsgeschichte weiterschiebt, ist es entscheidend, dass Uber den Markt bei den selbstfahrenden Autos nicht verpasst. In den nächsten Jahren wird dadurch die komplette Branche der Fahrdienstanbieter und Automobilkonzerne verändert. Uber konkurriert dabei mit etablierten Technologiekonzernen, wie Google oder Apple. Startups und etablierte Automobilkonzerne arbeiten auch mit Hochdruck

Uber entwickelt sich zum Logistik- und Robotik-Unternehmen

Auf der Technologiekonferenz hat Uber Chef Kalanick verkündet, dass sich Uber immer mehr zu einem Robotik-Unternehmen entwickeln wird, je weiter die Entwicklung der selbstfahrenden Autos voranschreitet. Uber will das Verkehrssystem, das die meisten Städte am Leben hält, durch autonome Fahrzeuge effizienter gestalten. Die Bestrebungen des Unternehmens kann man in Pittsburgh verfolgen. Dort betreibt Uber eine Forschungs- und Entwicklungseinrichtung für selbstfahrende Autos. Seit ein paar Wochen werden die ersten Prototypen auf der Fahrdienstplattform getestet.

Keine Infos zu einem möglichen Börsengang

Auf der selben Konferenz hat Kalanick weiterhin bekräftig, dass das Unternehmen in absehbarer Zeit nicht an die Börse gehen will. Nach dem Verkauf von dem verlustreichen Uber China Geschäft an Didi Chuxing kamen die Gerüchte wieder verstärkt auf, dass Uber bald an die Börse gehen könnte. In den letzten Jahren wurden mehreren Milliarden an Finanzierung eingesammelt, sodass das Unternehmen auch ohne Börsengang weiter erfolgreich wachsen kann.

Autopilot 2.0: Teslas neues System für selbstfahrende Autos

Tesla hat angekündigt, dass alle zukünftigen Fahrzeuge mit Hardwarekomponenten ausgestattet sind, die vollautonomes Fahren ermöglichen. Auch alle Fahrzeuge der Model S und Model X Reihe, die sich bereits in der Produktion befinden, werden mit der neuen Autopilot Hardware ausgestattet, das zukünftige günstigere Model 3 auch.

Die Änderungen wurden auf einem Tesla Event am letzten Mittwoch vorgestellt. Tesla Chef Elon Musk ist der Meinung, dass dadurch die Grundlage für vollautonome Teslas gelegt ist, die doppelt so sicher sein werden, wie von Menschen gefahrene Fahrzeuge.

Bis die Teslas autonom fahren können, wird es aber noch etwas dauern. Die nächsten Monate sollen genutzt werden, um Daten zu sammeln. Die Funktionen werden erst nach und nach freigeschalten, wenn die Sicherheit bewiesen ist. Es scheint, als hätte Tesla aus der Vergangenheit gelernt.

Was genau hat sich geändert?

Das neue Angebot von Tesla wird zwei unterschiedliche Modi beinhalten. Kunden können später zwischen einem erweiterten Autopiloten oder einem vollautonomen System wählen. Der verbesserte Autopilot fügt weitere Eigenschaften zu dem besehenen Autopiloten hinzu. Mit der neuen Version können die Fahrzeuge automatisch die Autobahn verlassen, die Geschwindigkeit an die Verkehrsbedingungen anpassen und die Fahrspuren ohne Eingreifen wechseln.

Das vollautonome System soll der Stufe 5 entsprechen. Das heißt, dass kein menschlicher Fahrer mehr eingreifen muss, sobald die Software fertig entwickelt ist und das System von den Behörden abgesegnet ist.

Was sind die Unterschiede der beiden Varianten?

Alle Tesla Fahrzeuge, die ab jetzt produziert werden, werden mit der Hardware ausgestattet sein, die vollautonomes Fahren ermöglicht. Dieses Set beinhaltet acht Kameras, 12 Ultraschall-Sensoren, ein vorwärtsgerichtetes Radar-System und einen onboard Computer, der 40 mal so schnell ist, wie der Computer, der bei der ersten Generation verbaut wurde. Die Sensoren und Kameras ermöglichen es, dass eine Distanz von 250 Metern überwacht und analysiert werden kann. Nach hinten kann nur eine Distanz von 100 Metern überwacht werden, was auf deutschen Autobahnen zu wenig sein dürfte. Schließlich muss das System in der Lage sein, ein Fahrzeug zu erkennen, das mit einer Geschwindigkeiten von bis zu 300 Km/h überholt. Die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den unterschiedlichen Fahrspuren können in Deutschland verhältnismäßig hoch sein.

Die Kunden können entscheiden, ob sie nur den Preis für den verbesserten  Autopiloten bezahlen oder ob sie für die vollautonomen Eigenschaften tiefer in die Tasche greifen. Je nach bezahlten Paket werden dann die unterschiedlichen Eigenschaften freigeschalten.

Für den Fahrgast hört sich die Nutzung des Autopiloten mit vollautonomen Eigenschaften einfach an. Entweder gibt man bei Fahrtantritt das Ziel ein oder das Fahrzeug fragt den Kalender des Nutzers ab und navigiert zur hinterlegen Adresse des nächsten Termins. Nach dem Aussteigen park der Tesla mit vollautonomen System selbstständig und lässt sich per Knopfdruck wieder vorfahren.

Was kostet der neue Autopilot? 

Tesla hat bereits bekanntgegeben, was das neue System kostet. Findet die Aktivierung beim Kauf statt, kostet der erweiterte Autopilot 5000 US$ und das System für vollautonomes Fahren 8000 US$. Beide Systeme können auch zu einem späteren Zeitpunkt aktiviert werden, aber zu erhöhten Kosten. Bei einer nachträglichen Aktivierung werden 6000 US$ bzw. 10000 US$ fällig.

Auch wenn die Hardware schon in jedem neuen Tesla verbaut wird, können die neuen Funktionen noch nicht sofort genutzt werden. Es wird erwartet, dass die Funktionen des erweiterten Autopiloten im Dezember verfügbar sind. Die Käufer des Pakets für vollautonomes Fahren müssen sich zuerst auch mit den Features des verbesserten Autopiloten zufriedengeben. Bisher ist noch völlig unklar, wann das System für vollautonomes Fahren freigeschalten wird. Zuerst müssen noch Hürden in der Entwicklung und Zulassung überwunden werden. Es ist davon auszugehen, dass es noch mehrere Jahre dauern wird, bis das vollautonome System genutzt wird.

Teslas Carsharing Plattform

Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Käufer des vollautonomen Systems ihre Fahrzeuge auch anderen Fahrgästen mittels geplantem Carsharing-Service von Tesla zur Verfügung stellen können.

Tesla wird eine Fahrdienst-Plattform starten, wenn die selbstfahrenden Autos auf der Straße unterwegs sind. Tesla Käufer können dann mit ihren Fahrzeugen auf dieser Plattform Geld verdienen, wenn sie ihr Fahrzeug nicht benötigen.

Mit der Ankündigung am Mittwoch hat Tesla verkündet, dass die selbstfahrenden Fahrzeuge nur auf der eigenen Plattform Tesla-Network vermittelt werden können. Vermittlungen von Fahrten auf externen Ridesharing-Plattformen, wie Uber und Lyft sollen nicht möglich sein. Tesla wird im kommenden Jahr weitere Informationen über den eigenen Carsharing-Dienst veröffentlichen.

Anders als Volvo will Tesla keine Haftung dafür übernehmen, wenn ein vollautonomes Fahrzeug in einen Unfall verwickelt ist. Dafür ist die individuelle Versicherung eines jeden Fahrzeugbesitzers zuständig.

Bild: Tesla Motors (alle Rechte vorbehalten)

Flinc startet mit flott eine neue Shuttle-Plattform

Das Startup Flinc aus Darmstadt hat heute angekündigt, dass es eine Software für dynamische Shuttle-Lösungen auf den Markt bringen will. Bisher ist flinc mit einem Mitfahrservice auf dem Markt, der Pendler mit Mitfahrern verbindet. Das neue Produkt heißt flott und soll vor allem Nahverkehrsbetriebe ansprechen, die eine dynamische Mobilitätsdienstleistung planen.

Heute startet mit flott eine Shuttle-Plattform, die den Grundstein für individuellen Nahverkehr legt – abseits von fixen Routen und starren Fahrplänen. Die von der flinc GmbH entwickelte Technologie bildet die ideale Ausgangsbasis für ein flexibles Verkehrsmittel. Flinc will sich mit dem neuen Produkt eine gute Ausgangsposition im Wettbewerb um dynamische Shuttle Dienste sichern und sich für den Einsatz autonomer Fahrzeuge vorbereiten.

Der Stadtverkehr wird in Zukunft weitaus effizienter und dynamischer ablaufen. Das zeigen auch Fahrdienste wie Uber oder allygator shuttle, die in Deutschland bereits erste Erfahrungen gesammelt haben. “Mobilität befindet sich in einem massiven Wandel. Der Kunde von heute verlangt nach einem digitalen und individuellen Beförderungsmittel. Mit flott bieten wir eine Plattform, welche die Flexibilität des eigenen Autos mit den Vorzügen des ÖPNV vereint. Das Ziel: Ohne Umsteigen von A nach B bei gleichzeitig höherer Auslastung der Fahrzeuge“, sagt Dr. Klaus Dibbern, CEO der flinc GmbH.

flott für Verkehrsbetriebe

Das Produkt soll vor allem für Verkehrsunternehmen interessant sein. “Für die Etablierung dieses neuen Verkehrsmittels sind wir im Dialog mit der Automobilindustrie, Verkehrsunternehmen, Städten und der Politik.”, so Dibbern. Bei der Generierung von Partnern werden die Kontakte von flinc zur Deutschen Bahn und zu Opel hilfreich sein. Beide Unternehmen sind an flinc seit einiger Zeit beteiligt.

Die Shuttle-Plattform bietet eine umfassende Lösung, um On-Demand Mobilität in bestehende Strukturen zu integrieren und damit individueller auf Kundenbedürfnisse einzugehen. Per intelligentem Algorithmus be- rechnet flott auf Basis der Nachfrage die günstigste Route, um mehrere Passagiere schnell und bequem zu ihren Zielorten zu bringen. Es werden zudem automatisch die Anzahl der benötigten Shuttles sowie die Betriebszeiten ermittelt. Dies führt zu einer drastischen Reduktion von Leerfahrten und benötigten Fahrzeugen auf der Straße, einer direkten Kostenoptimierung und einer geringeren CO2-Belastung.

Fokus auf Technologie

Die Vision ist, dass Passagiere via App ihr Shuttle bestellen können und von professionellen Fahrern zum Ziel gebracht werden. Der Kunde kann nach Bestellung live sehen, wo sich sein Shuttle gerade befindet und wie dessen Ankunfts- zeit ist. Die Shuttle-Plattform ermöglicht dabei ständig den Eingriff eines Operators, der den Betriebsablauf überwacht.

Flott will sich dabei auf die Technologie für den Shuttle-Dienst fokussieren, der Betrieb wird von den lokalen Verkehrsbetrieben oder Franchisepartnern komplett übernommen. Damit geht das Unternehmen einen anderen Weg, als z.B. allygator Shuttle. Allygator Shuttle will zumindest vorerst den Betrieb der Fahrzeuge steuern und auch beim Marketing involviert sein wollen.

Basis für Mobilitätsdienste mit autonomen Fahrzeugen

flott soll in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden um später einmal als Basis für eine zukünftige Einführung vollautonomer Fahrzeuge bilden zu können, die das Mobilitätsverhalten der Menschen und traditionelle Geschäftsmodelle grundlegend verändern werden.

Bild: flott-shuttle.de (alle Rechte vorbehalten)