Archiv der Kategorie: Taxi App

Taxi-App Flywheel sammelt weitere 12 Mio. US$ ein, um Taxis gegen Uber zu helfen

Flywheel, eine Art amerikanisches MyTaxi erhält weitere 12 Mio. US$ Finanzierung, außerdem übernimmt laut Forbes ein neuer CEO die Führung des Unternehmens.

Die Führung von Flywheel übernimmt in Zukunft Rakesh Mathur, der davor unter anderem Vice President by Amazon gewesen ist und weitere Unternehmen aufgebaut hat. Mit ihm kommen einige Top-Manager zum Unternehmen und 12 Mio. US$ an Finanzierung. Die Summe kommt nicht von ihm selber, sondern von den Investoren TCW/Craton, Rockport Capital und Shasta Ventures. Insgesamt hat FlyWheel bisher 35 Mio. US$ eingesammelt. Von dem Investor TCW/Craton wechselt ein bisheriger Partner als CFO zum Unternehmen, der neue CTO kommt von Humin.

Das eingesammelte Geld soll für die weitere Expansion genutzt werden, dabei fokussiert sich das Unternehmen ausschließlich auf den US Markt. Im Gegensatz zu Uber vermittelt das Unternehmen nicht Privatfahrer oder teurere Limousinenfahrten, sondern konzentriert sich ausschließlich auf Taxis. Der CEO von FlyWheel, Rakesh Mathur ist der Meinung, dass Unternehmen eine Chance gegen die beiden Riesen Uber und Lyft hat. Seine Begründung ist, dass das Transport-Business kein „the Winner takes it all“ Markt ist, letztendlich kommt es darauf an, dass die Kunden ein Fahrzeug finden, wenn sie von A nach B kommen möchten. Wenn ein Kunde von A nach B möchte, ist seiner Meinung nach der Preis auch nicht ausschlaggebend und deshalb würde es genügend Kunden geben, die auch ein Taxi buchen würden, auch wenn es teurer als Lyft und Uber ist.

Bisher war das Startup unter anderem in San Francisco vertreten, dort setzen bereits 80% der Taxifahrer die App ein. Flywheel verlangt vom Taxifahrer 10% des Fahrpreises, der Kunde zahlt eine Gebühr von 1 US$ pro Fahrt. Die Bezahlung läuft wie bei den anderen Startups über die App. Zusätzlich zu San Francisco kann mit Flywheel in Los Angeles und Seattle ein Taxi über die App bestellt werden. Mathur will die Chance nutzen und das Unternehmen schnell skalieren.

 

#ubergate Shitstorm nach nicht akzeptablen Äußerungen (gegen)über Journalisten

Das Unternehmen Uber, das über eine Smartphone App taxiähnliche Beförderungsdienstleistungen mit Limousinen, Taxis und Privatfahrzeugen vermittelt, ist im Moment einem Shitstorm ausgesetzt. Auf der einen Seite sorgen nicht akzeptable Äußerungen eines hohen Uber Managers für Aufsehen. Auf der anderen Seite steht der General Manager von Uber in New York City in der Kritik, interne Tracking-Tools genutzt zu haben, um eine Journalistin zu verfolgen.

Im Dreck wühlen, um Journalisten zu schädigen

Ausgelöst wurde der auf Twitter mit dem Hashtag #ubgergate betitelte Shitstorm nach den Äußerungen von Emil Michael. Emil Michael ist aktuell Senior Vice President bei Uber und gehört somit zur obersten Führungsebene des Startups.

Emil Michael hat während eines Abendessen in dem New Yorker Hotel Waverly Inn die Idee geäußert, ein Team an „Opposite Researchers“ zu engagieren, um ungemütliche Details aus dem Privatleben von Journalisten zu recherchieren, die sich gegenüber Uber kritisch äußern. Laut BuzzFeed hat er die Idee geäußert, einen Millionen-Betrag zu investieren, um vier hochkarätige Forscher und vier Journalisten einzustellen, die sich z.B. die Familien und das Privatleben von Journalisten genau ansehen und unangenehme Details in den Medien verbreiten. Kritische Journalisten sollen so ruhig gestellt werden.

Die Maßnahme hat er konkret mit der PandoDaily Herausgeberin Sarah Lacy in Verbindung gebracht, die sich schon mehrmals negativ über Uber in einigen Artikeln geäußert hat. Emil Michael hat sich bei Sarah Lacy entschuldigt und der Uber CEO Travis Kalanick hat sich auf Twitter von den Aussagen seines Managers distanziert. Michael soll nicht gefeuert werden, da Kalanick der Meinung ist, dass jeder der Fehler macht, daraus lernt. Das Mitarbeiter nicht gefeuert werden, ist wohl den oberen Management Ebenen vorbehalten, Mitarbeiter auf unteren Ebenen werden schneller mal ausgetauscht und genießen weniger Kredit.

Verfolgung von Uber-Fahrten einer Journalisten in New York

In den letzten Tagen hat sich auch eine Geschichte aus New York City an die Oberfläche gespült, die für viel negative Presse für Uber sorgt. Wie das online Magazin The Verge schreibt, soll der dortige General Manager Josh Mohrer die Journalistin Johana Bhuiyan mit dem internen Tracking-Tool mit dem überheblichen Namen „GodView“ ohne deren Einverständnis verfolgt haben. Als sie zu einem Termin ins Büro von Uber New York kam, hat Josh Mohrer auf sie gewartet und zur Begrüßung gesagt, dass er sie verfolgt hat.

Mit dem Tracking Tool können die meisten Uber-Mitarbeiter Fahrzeuge und Fahrgäste, die bei Uber online sind, live verfolgen. Den Partnern wird eine abgespeckte Version zur Verfügung gestellt, auf der sie ihre Fahrer und den Status verfolgen können, aber keine Kundendaten sehen können.

godview für Partner von Uber
Uber GodView für Partner heißt Live View

Mohrer hat mit der Überwachung der Journalistin gegen Ubers Datenschutz Richtlinien verstoßen, die es den Mitarbeitern untersagen, die Fahrtverläufe der Kunden zu verfolgen.

Im letzten Jahr ist es noch möglich gewesen, dass alle Fahrten und die meisten Kundendaten für Uber-Mitarbeiter einsehbar gewesen sind. Es kann natürlich sein, dass diese Daten mittlerweile unter Verschluss sind und nur von ausgewählten Mitarbeitern einzusehen sind. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass ein General Manager wie Josh Mohrer keinen Zugriff darauf haben sollte. Während meiner Zeit bei Uber ist mir öfters zu hören gekommen, dass die Fahrtverläufe von einigen Kunden verfolgt und getrackt wurden. Besonders interessant waren Journalisten und Prominenten, die als solche erkannt wurden.

Für ein Unternehmen macht es Sinn, die Fahrer und Fahrgäste zu tracken, gerade im Anfangsstadium in neuen Städten. Dieses System dazu zu nutzen, Journalisten zu bedrohen und die Konkurrenz zu sabotieren, geht eindeutig zu weit.

Bild: IMG_3696 von TechCrunch (via flickr), Lizenz: CC BY 2.0

Kurznachrichten: Aus für Hailo in USA/Kanada, Geld für Blacklane, Aus für Interconnex

Heute gibt es drei kurze Neuigkeiten zu Entwicklungen im Mobilitäts-Bereich. Hailo schließt Geschäft in USA und Kanada, Blacklane erhält Finanzierung von Recruit aus Tokio und Veolia stellt Interconnex Strecke Leipzig Berlin Rostock ein.

Hailo zieht sich aus Nordamerika zurück

Die Taxivermittlungs-App Hailo stellt den Betrieb in Nordamerika ein. Als Begründung führt der Hailo CEO den starken Konkurrenzkampf mit Lyft und Uber an. Das Unternehmen, das Anfang des Jahres mehr als 30 Mio. US$ Finanzierung aufgenommen hat, will sich weiter auf Asien und Europa konzentrieren. Hallo müsste zu viel ins Marketing investieren, um mit Uber und Lyft mithalten zu können. Diese hohen Investitionen ermöglichen langfristig keinen wirtschaftlichen Betrieb für Hailo in USA und Kanada. In Deutschland ist Hailo nicht aktiv, hier ist myTaxi mit einem ähnlichen Angebot unterwegs. (via Venturebeat)

Finanzierung für Blacklane

Wie das Handelsblatt (Ausgabe 15. Oktober) berichtet, investiert das japanische Unternehmen Recruit einen niedrigen Betrag in Limousinendienstvermittler Blacklane. Blacklane wird in der aktuellen Runde auf 140 Mio. Euro, durch den neuen Investor soll das Geschäft in Asien ausgebaut werden. Blacklane hat bisher keine rechtlichen Probleme mit dem Taxigewerbe, da Fahrer über Genehmigungen zur gewerblichen Personenbeförderung verfügen und sich an rechtlichen Rahmen halten. Größter Anteilseigner ist laut Handelsblatt immer noch Carsten Maschmeyer mit seiner Alstin Beteiligungsgesellschaft. Dahinter folgen die beiden Gründer und der Automobilkonzern Daimler.

Bahn Konkurrent Interconnex gibt auf

Inteconnex, einer der wenigen Konkurrenten zur Bahn im Fernverkehr, gibt Mitte Dezember den Betrieb auf. Die Verbindungen zwischen Leipzig, Berlin und Rostock werden eingestellt. Als Gründe werden der boomende Wettbewerb durch Fernbusverbindungen und die ungleichen Wettbewerbsbedingungen genannt. Laut Interconnex fallen pro einfache Fahrt zwischen Rostock und Leipzig 1700 Euro Streckengebühr an, Fernbusse zahlen keine Maut. Interconnex gehört zum Französischen Veolia Konzern. Veolia betreibt weiterhin Bahnangebote im Nahverkehr in Deutschland. Im Busbereich hat Veolia auch Erfahrung, vielleicht kommt ja ein Fernbusangebot hinzu. (Via Spiegel Online)

Bild: Relaxed urban mobility on Sunday von Armando G Alonso, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Wer verdient im Taximarkt

Der Prozess des Erwerbs der Berechtigung ein Taxi zu führen und zu betreiben, wird von mehreren teilnehmenden Organisationen geprägt. Jede Prozessteilnehmer möchte seinen Teil vom Kuchen abhaben und teilweise fallen dafür Beträge im vierstelligen Bereich an. Eine erste Auflistung der Organisationen, die bestimmt nicht vollständig ist, ist im folgenden zu finden. Bei den hohen Summen, ist es nicht verwunderlich, dass sich Organisationen wie Taxi Innung, Verband oder Funkzentralen gegen mehr Wettbewerb wehren. Die Leittragenden sind meistens die Taxifahrern und vor allem die Fahrgäste.

Funkgesellschaften

Taxi-Funkgesellschaften wie TaxiFunk verlang bis zu 103 € netto pro Monat und Fahrzeug für die Nutzung des Funk-Services, egal ob das Fahrzeug eingesetzt wird oder nicht. Die meisten Taxiunternehmer werden auf mehrere Taxifunkzentralen setzen und somit werden die monatlichen Kosten pro Fahrzeug höher sein. Bei c.a. 5.500 angeschlossenen Taxen entsteht ein Jährlicher Umsatz von bis zu 7 Mio. €. Bevor ein Fahrer die Funktechnik nutzen kann, müssen zwei Kurse belegt werden, die insgesamt 35 € pro Fahrer kosten. Für die Bearbeitung von EC-Zahlungen kommen noch mal 42 ct. netto pro Fahrt hinzu.

Bis sich Uber über Provisionen im siebenstelligen Bereich freuen kann, wird es noch einige Zeit dauern. Dafür müssen Fahrten im mittleren fünfstelligen Bereich pro Woche in Berlin vermittelt werden, im Moment sind es schätzungsweise Fahrern im unteren vierstelligen Bereich.

Taxiinnung

Die Taxiinnung verdient zur Zeit an der Durchführung der Ortskundeprüfung für den Personenbeförderungsschein. Für die Prüfung, die 15-30 Minuten dauert, muss der Prüfling 55 € bezahlen. Es kann davon ausgegangen werden, dass mehrere 1000 Ortskundeprüfungen pro Jahr durchgeführt werden und somit leicht ein mittlerer sechsstelliger Betrag entsteht, der an die Innung fließt.

Außerdem Erhebt die Taxiinnung Mitgliedsgebühren von 92€ für das erste Fahrzeug und 49€ für jedes weitere Fahrzeug. Es sind leider keine Angaben zu finden, wie viele Mitglieder der Taxiinnung beigetreten sind. Wenn man davon ausgeht, dass die Hälfte der ca. 3.000 Berliner Taxiunternehmer Mitglied der Innung ist, dann fallen Mitgliedsbeiträge bis zu 250.000 € an.

Verband, Innung und Taxi-Zentrale zusammen

Alle drei Organisationen bieten zusammen eine Service-Schulung für Taxifahrer an. Für die zweitägige Schulung fallen Gebühren von 40 € pro Teilnehmer an. Bei 18.000 Taxifahrern in Berlin und bei einer Erfolgsquote von 80% ergibt sich ein möglicher Umsatz im hohen sechsstelligen Bereich. Das Vermitteln von Selbstverständlichkeiten, wie Türe aufhalten, Auto sauber halten oder bargeldlose Zahlungen akzeptieren zum Geschäft zu machen, ist eine interessante Methode. Bei Unternehmen, wie Blacklane und Uber gehört diese Schulung zum Standardprozess, es werden keine Kosten erhoben.

Taxischulen

Die Taxischulen bieten Kurse für die Vorbereitung auf die Ortskundeprüfung an. Für die Mehrwöchigen Kurse fallen Kursgebühren von bis zu 2.000 € an, hinzu kommen noch Kosten für Schulungsunterlagen. Bei mehreren tausend „Taxischülern“ pro Jahr fließt schätzungsweise ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag pro Jahr an die Taxischulen. Teilweise werden die Kosten vom Staat übernommen, wenn die Schulung mit einem Bildungsgutschein erfolgt.

Taxischulen bieten häufig auch Kurse für die Fach- und Sachkundeprüfung für Taxi- und Mietwagenunternehmer an, dafür können Kosten von bis zu 300 € pro Teilnehmer anfallen. Bei mehreren tausend „Schülern“ pro Jahr fließen pro Jahr Beträge im mittleren sechsstelligen Bereich.

Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten

Das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten ist für die Ausstellung des Personenbeförderungsscheins zuständig. Für die Erstausstellung werden 220 € fällig, für die Erweiterung und Verlängerung 42.60 €. Außerdem ist das LABO für die Vergabe der Konzessionen für Taxis und Mietwagen zuständig, für die Erteilung, Änderung oder Verlängerung der Konzessionen fallen ebenfalls Gebühren an.

Ein zukünftiger Taxifahrer muss also im schlimmsten Fall mit mehreren tausend Euro in Vorleistung gehen, bevor er das erste mal Fahrgäste befördern darf. Das Risiko, dass man mit Personenbeförderungsschein trotzdem kein Taxi zur Verfügung gestellt bekommt, ist auch gegeben. Wenn man alle einmaligen und laufenden Kosten addiert, die ein Taxifahrer für die Vermittlung pro Fahrt vom Fahrpreis abziehen muss, wird man auf eine ähnlich hohe Abgabe wie bei Uber und Blacklane kommen.

Bild: Taxi! von GörlitzPhotography via Flickr.com, Lizenz: CC-BY-2.0

Daimler Tochter Moovel übernimmt MyTaxi komplett und kauf auch RideScout

Die Taxivermittlungs-App MyTaxi wird komplett von Daimler übernommen (Blogbeitrag von MyTaxi). Daimler ist seit 2012 Gesellschafter von MyTaxi und hat damals 10 Millionen € für 15 % bezahlt, was einer Bewertung 2012 von ca. 63 Mio. € entspricht. Über den Verkaufspreis wurde noch nichts bekannt, aber es ist davon auszugehen, dass der Verkaufspreis im zweistelligen Millionenbereich liegen dürfte. Das Unternehmen hinter MyTaxi hat auch die mobile Apps für car2go, moovel selbst und car2go black entwickelt.

Moovel-CEO Robert Henrich wird vom Manager Magazin mit den Worten zitiert man wolle „das Taxigewerbe einladen, mit Moovel und MyTaxi eng und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, um gemeinsam die Chance des mobilen Internets zu nutzen“. Daimler wird auch einen Einfluss darauf gehabt habe, dass sich MyTaxi zum Verfechter der Taxiindustrie entwickelt hat, was das internationale Wachstum und die Einführung weiterer Produkte gebremst haben könnte. Bleibt abzuwarten, was der Aufkauf von MyTaxi für Blacklane zu bedeuten hat, die sich in manchen Märkten als Taxi-Alternative positionieren möchten.

Neben MyTaxi übernimmt Moovle auch das amerikanische Startup RideScout. RideScout wurde im November 2013 gelauncht und verknüpft ähnlich wie auch Moovel unterschiedliche Verkehrsmitte in einer Smartphone-App. RideScout hat laut Angel List im Juni 2014 einen Betrag von 2.8 Mio. US$ in einer Seed-Finanzierung eingesammelt. Der Kaufpreis für RideScout wurde auch nicht kommuniziert.

Bild: „Das letzte Taxi“ von Emanuele Lizenz: CC BY-SA 2.0

Easy Taxi mit weiterer Finanzierung von 40 Mio. US$ – Expansion in Asien

Easy Taxi, Die Taxi App, die auch von Rocket Internet finanziert wurde, hat weitere 40 Mio. US$ Finanzierung eingesammelt und kommt jetzt auf einen Gesamtbetrag von etwa 77 Mio. US$. Das Geld kommt von Phenomen Ventures und von Tengelmann Ventures. Tengelmann Ventures hat schon in mehrere von Rocket Internet unterstützte Startups investiert, unter anderem in Zalando, das bisher bekannteste Rocket Startup.

Weitere Expansion, Festigung der Marktführerschaft

Easy Taxi soll mit dem Betrag weiter in Märkte expandieren, die sich schnell entwickeln. Darunter fallen unter anderem Staaten in Latein-Amerika, Africa, Mittlerer Osten und Asien. Wobei auf Asien besonderer Fokus gelegt werden soll. Außerdem soll die Finanzierung genutzt werden, um die Marktführerschaft in Südamerika zu verteidigen und auszubauen.

Bisher ist Easy Taxi in 160 Städten in 30 Ländern verfügbar und hat mehr als 180.000 Fahrer, die sich angemeldet haben, um Aufträge zu erhalten.

Easy Taxi Konkurrenz

In Africa und im Mittleren Osten hat Easy Taxi bisher wenig Konkurrenz, hier sind vereinzelt Fährtenvermittler, wie Uber und Careem aktiv, die in den Gegenden aber eher noch das Geschäft mit Limousinen forcieren. In Süd-Ost-Asien dagegen muss sich Easy Taxi gegen mehr Konkurrenz durchsetzen. Unter anderem ist in der Region GrabTaxi unterwegs, die vor kurzem auch GrabCar gestartet haben, um eine breitere Produktpalette anbieten zu können. GrabTaxi sagt über sich, dass sie die Taxi-App mit den meisten registrierten Fahrern und Nutzern in der Region sind. Im April wurde eine Finanzierung von 15 Mio. US$ aufgenommen. Uber bietet in Süd-Ost-Asien in den meisten Städten UberBlack an, den luxuriösen Service mit schwarzen Limousinen. Der günstige UberX Service ist in einzelnen Städten, wie Singapur, Taipeh oder Shanghai live.

Über Easy Taxi

Die Easy Taxi App ist von der Funktionsweise mit dem deutschen Anbieter MyTaxi vergleichbar. Taxifahrer registrieren sich und sind in der Smartphone-App eingeloggt und online, um Aufträge zu erhalten. Die registrierten Nutzer buchen über die Kunden-App eine Fahrt, die von einem Taxi-Fahrer, der online ist, angenommen wird. Easy Taxi wurde im Jahr 2012 in Rio de Janeiro gegründet und hat sich schnell zum Marktführer in Latein Amerika entwickelt, von Anfang an ist der deutsche Company Builder Rocket Internet mit an Board.

Bild: Hong Kong Taxi – Tilt-Shift von Kevin Poh (Bestimmte Rechte vorbehalten)

Roland Berger veröffentlicht Shared Mobility Studie und stellt 10 Prinzipien für erfolgreiche Etablierung auf

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat eine Studie mit Handlungsanweisungen über das Theme Shared Mobility veröffentlicht. In der Studie werden unter anderem die Themen Ride- und Carsharing behandelt.

Basierend auf eigenen Berechnungen geht Roland Berger davon aus, dass 2020 der Carsharing-Umsatz weltweit auf 3.7 bis 5.6 Milliarden € Umsatz steigt. Der Umsatz von  Ridesharing Diensten wird weltweit auf 3.5 – 5.2 Milliarden € steigen, bei jährlichen Wachstumsraten von 35%. Uber hat im letzten Jahr mehr als 1 Milliarde US$ umgesetzt und dürfte aktuell bei 45 Millionen US$ Umsatz pro Woche liegen. Basierend auf diesen Zahlen dürfte der von Roland Berger für 2020 prognostizierte Umsatz im Ridesharing Bereich eher konservativ ausgelegt sein.

Für existierende Unternehmen, die bisher in einem anderen Geschäftsbereich unterwegs sind und neu im Shared Mobility Bereich starten möchten, werden in der Studie 10 Prinzipien genannt, die laut Roland Berger befolgt werden sollten, um die größten Herausforderung entlang der erfolgreichen Etablierung eines neuen Mobilitäts-Services zu meistern.

Ein wichtiges Prinzip, das am Anfang stehen sollte und in der Studie nicht genannt wird, ist der Hinweis an die Unternehmen, dass sie von Anfang an mit einer disruptiven Idee starten sollen und nicht mit einem Produkt in einen Seit Jahren bestehenden Markt eintreten sollen. Bei dem Vergleich von Lyft und MyDriver sieht man z.B., dass es viel schwieriger ist, in dem Markt von MyDriver erfolgreich Fuß zufassen, als in dem Markt von Lyft. Das liegt unter anderem daran, dass Lyft Personen an spricht, die sich davor mit anderen Verkehrsmittel fortbewegt haben, z.B. mit öffentlichem Nahverkehr oder eigenem Fahrzeug. Das grundlegende Mobilitäts-Verhalten der Nutzer wird so von Lyft geändert und gemeinsam neu geformt. MyDriver setzt hingegen hauptsächlich auf die Vermittlung von Limousinen an schon bestehende Limousinennutzer, die eine hohe Erwartungshaltung und ein bestehendes Verhalten haben und auf einen ihnen bereits bekannten Service nicht verzichten wollen.

Im Nachfolgenden sind die 10 Prinzipien zusammengefasst und teilweise Ergänzt, die Roland Berger in der Studie „Shared Mobility“ Mitte Juli 2014 veröffentlicht hat.

1. Prinzip: „First think big, then think profits“

Die Autoren sind der Meinung, dass Startup- und Wachstumsphase von neugegründeten Unternehmen im Shared Mobility Bereich zusammenfallen. Startups, die behutsam daran arbeiten, ein Fundament ihrer Firma aufzubauen, gehen das Risiko ein, abgehängt zu werden. Im Bereich der Shared Mobility können Personen die selben guten Ideen haben und diese schnell umsetzen. Der kritische Faktor ist, sich schnell einen Namen bei den Kunden zu verschaffen, um seinen Bereich abzustecken. Die Finanzierung von Startups im Shared Mobility Bereich wird als einfach angesehen, was zu diskutieren wäre.

Erst später müssen die Firmen die Veränderung von extremen Wachstum zu stetigem Wachstum vollziehen, um dauerhaft Geld zu verdienen.

2. Prinzip: „Push Supply To Pull Demand“

Dieses Prinzip bedeutet nicht, dass neue Services sofort weltweit ausgerollt werden müssen. Es ist sinnvoll den neuen Shared Mobility Service auf regionalen oder lokalen Level zu starten, auch wenn geplant wird den Service weltweit zu skalieren. Es ist wichtig, dass in dem ersten Markt genügend Supply zur Verfügung steht und der Service buchbar ist. Sollte das nicht der Fall sein und Kunden somit Probleme haben, den neuen Service zu buchen, werden sie schnell das Interesse verlieren und den Service als unbrauchbar abstempeln. Es wird schwierig sein, dieses Image wieder los zu werden.

3. Prinzip: „Build Trust in Your Company“

Beim Teilen ist Vertrauen sehr wichtig. Erfolgreiche Shared Mobility Unternehmen haben es geschafft, eine Community um ihr Produkt aufzubauen. Beispiele sind zum Beispiel Lyft und Uber. Außerdem ist es wichtig, dass Shared Mobility Unternehmen transparent darlegen, wie sie arbeiten und was ihre Ziele sind. Hilfreich ist auch, bestimmte Mechanismen einzuführen, um das Vertrauen zu fördern. Dazu gehören z.B. Bewertungsmöglichkeiten von Fahrer und Fahrgast, bei denen die Ergebnisse mit beiden Seiten geteilt werden. So kann der Fahrer den Fahrgast besser einschätzen und der Fahrgast den Fahrer. Von Unternehmensseite ist auch die Überwachung solcher Mechanismen nötig, um Frühzeitig handeln zu können.

4. Prinzip: „Interact, integrate and connect with other mobility modes!“

Das Ziel der meisten Personen ist,  so schnell, einfach und günstig wie möglich von A nach B zu kommen. Das Bedürfnis nach individueller Mobilität steht dabei weiterhin im Vordergrund. Wer auf sein eigenes Fahrzeug verzichtet, möchte am Liebsten keine Einschränkungen bei der Fortbewegung haben. Deswegen ist es wichtig, dass die einzelnen Arten der Fortbewegung intelligent verknüpft werden, so dass ein umfassendes Netz aus Möglichkeiten für Fern- und Nahverkehr entsteht. Shared Mobility Anbieter sollten diese Kette aus verschiedenen Angeboten organisieren und nicht die Nutzer. Das heißt nicht, dass sie alles selber anbieten müssen, viel mehr kommt es darauf an, dass die Verknüpfungen aufgebaut werden.

Einerseits ist hier die technische Verknüpfung entscheidend, damit die Nutzer ohne Probleme die andockten Dienste buchen und bezahlen können. Andererseits ist es wichtig, dass unterschiedliche Arten von Mobilitäts-Services verbunden werden. Zum Beispiel würde es Sinn machen, Services für Langstrecken, wie Fernbusse oder Zugangebote mit Services für die innerstädtische Fortbewegung zu verbinden. Auch die Verknüpfung der Mobility Services im innerstädtischen Bereich würden Sinn machen.

5. Prinzip: „Study Your Customers – Then Study Them Some More!“

Wenn Shared Mobility Unternehmen ihre Kunden nicht kennen und sie nicht wissen, was die Nutzer wollen, dann werden sie es nicht schaffen, erfolgreich zu sein.

Grundsätzlich bringen Shared Mobility Unternehmen Marktteilnehmer mit unterschiedlichen Absichten zusammen. Die eine Seite der Marktteilnehmer will den Service nutzen und dafür bezahlen, die andere Seite der Marktteilnehmer will die Ressourcen, die für die Erfüllung des Services nötig sind, zur Verfügung stellen und daran verdienen. Shared Mobility Unternehmen müssen die Interessen beider Seiten beachten, als Vermittler auftreten und die Kommunikation zwischen beiden Seiten betreuen.

Häufige Nutzer von den neuen Shared Mobility Services sind Personen aus der Generation Y oder Z, mit deren langanhaltender Loyalität nicht gerechnet werden sollte. Kleinste Änderungen im Geschäftsmodell oder verschlafene Weiterentwicklungen führen dazu, dass Nutzer auf nicht mehr wiedersehen verloren sind.

Letztendlich sind Anbieter im Shared Mobility Bereich Technologieunternehmen, die die gesammelten Daten über das Verhalten der Nutzer verwenden sollten, um noch bessere und individuellere Produkte anbieten zu können.

Hierbei ist wichtig, dass Unternehmen ihr Angebot schnell weiterentwickeln, regelmäßig testen und analysieren und laufend sinnvolle Anpassungen vornehmen.

6. Prinzip: „Keep It Simple And Convenient“

Nutzer wollen ein Produkt, dass einfach zu nutzen ist, keine Zeit bei Anmeldung und Nutzung verschwendet und bei dem sofort klar ist, was die Vorteile sind. Transparenz und Klarheit auf allen Ebenen sorgt für einen erfolgreichen Start. Die Hürden für Kunden, um sich für den Service zu registrieren und um den Service zu nutzen, müssen so minimal wie möglich sein. Der Buchungsprozess muss Transparent sein und alle Kosten sollten offen kommuniziert und ersichtlich sein. Zusätzlich sollten im Buchungsprozess keine Fehler möglich sein und die Anzahl an notwendigen Buchungsschritte sollte so gering wie möglich sein. Neben der Buchung ist auch die Abrechnung entscheidend, diese muss auch transparent sein und automatisch stattfinden.

7. Prinzip: „Build Your Own Ecosystem“

Für Shared Mobility Anbieter ist es wichtig, dass sie ein Ökosystem bestehend aus weiteren Services, Produkten und Funktionen rund um das eigene Produkt aufbauen und eine starke Marke entwickeln. Kunden freuen sich über gut integrierte Angebote, die häufig durch strategische Partnerschaften geschaffen werden können. Diese strategischen Partnerschaften finden häufig auf lokaler Ebene statt. Ein funktionierendes Ökosystem, von dem die Nutzer profitieren und an dem die Nutzer Spaß haben, steigert die Loyalität und erhöht die Hürden, dass ein Nutzer zur Konkurrenz wechselt.

8. Prinzip: „Lobby The Authorities Right From The Start“

Die existierenden Gesetze im Transportbereich wurde in den meisten Fällen verabschiedet oder zuletzt angepasst, als es die neuen Shared Mobility Services noch nicht geben hat. Häufig sind bestehende Mobilitäts-Angebote, wie der Taximarkt oder bis vor ein paar Jahren auch noch der Fernstrecken-Markt durch gesetzliche Regelungen geschützt. Hier ist es hilfreich, früh den Kontakt zu den regulierenden Behörden und Entscheidern zu suchen, um eine Anpassung der Regulierungen frühzeitig anzustreben.

Hinzu kommt, dass die bestehenden Mobilitätsangebote häufig von der öffentlichen Hand betrieben oder von öffentlicher Hand unterstützt werden. Hier sollten neue Anbieter versuchen, sich mit den lokalen Entscheidern an einen Tisch zu setzen, um sie auf ihre Seite zu bringen. In Deutschland ist das den Carsharing Anbietern gut gelungen, z.B. was das Parken im Free Floating Modell betrifft oder was durch Partnerschaften mit dem öffentlichen Nahverkehr in manchen Städten sichtbar wird.

9. Prinzip: „Think, Act And Recruit Like A Startup“

Dieses Prinzip spricht eingesessene Unternehmen an, die im Shared Mobility Bereich mit einem Produkt oder einem Unternehmen starten wollen. Wichtig ist, dass Personen an Board geholt werden, die für die Idee brennen und gemeinsam für die Idee kämpfen. Kreative Freiräume sind vorhanden und werden von den Mitarbeitern auch genutzt, Hierarchien sind flach und der Wille einen Markt aufzurollen, ist vorhanden.
Entscheidend ist, dass Unternehmen beweglich bleiben und wachsen aber gleichzeitig einen  Halt durch Struktur und Prozesse bieten.

10. Prinzip: „Harness A Jaw-Dropping Look And Feel“

Anbieter im Shared Mobility Bereich werben damit, dass ihre Angebote effizienter, Ressourcen schonender und vernetzter sind und die Gemeinschaft mehr betonen. Gemeinsam kreieren sie eine neue Era in der Personenbeförderung. Dieses Ambitionen sollten sich im jedem Aspekt des Images und der Marktpräsenz reflektieren. Wichtig ist, dass die Unternehmen auf neuste Technologien setzten, die auch fehlerlos umgesetzt werden und nutzbar sind. Neben den technologischen Aspekten spielt auch ein herausragendes und ansprechendes Design eine entscheidende Rolle, um den Unterschied zu den bestehenden Anbietern zu verdeutlichen.  Nutzer müssen begeistert und süchtig den neuen Shared Mobility Services sein.

Die Begeisterung darf nicht nur durch Design und Technik hervorgerufen werden, erfolgsentscheidend ist auch ein herausragender Kundenservice und ein super Erlebnis während der Benutzung des Services. Bei Carsharing-Anbietern wäre das die Begeisterung, die durch die Ausstattung, den Zustand und die Fahreigenschaften des Fahrzeugs erzeugt wird. Bei Ridesharing-Angeboten wird die Begeisterung auch durch den Service und das Auftreten des Fahrers erzeugt, sowie durch den Zustand des Fahrzeugs.  Hier kann durch standardisierte Schulungen und einheitliche Vorgaben eine Kontinuität erreicht werden.

Insgesamt gibt die Studie einen guten Überblick über die Erfolgsfaktoren bei der Etablierung von Shared Mobility Angeboten, entscheidend ist aber die Umsetzung. Hier liegen im Moment die Anbieter wir Uber, Lyft oder BlaBlaCar vorne. Deutsche Anbieter, wie Mitfahrgelegenheit oder myTaxi haben gefühlt den Anschluss verpasst. Auf dem Roland Berger Blog Think-Act wurde zum Theme Shared Mobility eine Beitragsreihe gestartet.

Photo: mobility von Martin Abegglen, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Lyft verschiebt Launch in New York City

Der amerikanische Ridesharing Service Lyft, wollte am Freitag in New York City starten, um Uber Konkurrenz zu machen. Nach dem die Auseinandersetzung mit der TLC eskalierte, hat Lyft nun angekündigt, den Start zu verschieben.


UPDATE (25.7.2014): Lyft hat sich mit den New Yorker Behörden verständigt und die Erlaubnis von der TLC erhalten, den Ridesharing Service auszurollen. Heute um 19 Uhr New Yorker Zeit, geht der Service in online. Lyft wird nur Fahrzeuge akzeptieren, die von der TLC lizensiert sind. 


Gestern hat Lyft co-founder John Zummer angekündigt, dass der Ridesharing Service den Start in New York City verschiebt. Zuvor hat der Generalstaatsanwalt von New York und das Department of Financial Services Klage gegen Lyft eingereicht. In der Klage geht es darum, dass Lyft bereits in Rochester und Buffalo ohne Genehmigung aktiv ist und dass der Service im offenen Widerspruch zu den lokalen Regulierungen steht.

In dem Statement, das Lyft veröffentlicht hat, heißt es, dass sich Lyft ab Montag mit der TLC zusammensetzt, um an einer neuen Version von Lyft zu arbeiten, die von der TLC akzeptiert wird. Der Start soll dann sofort danach erfolgen.

Der Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman hofft, dass sich Lyft an die Gesetze anpassen kann und bald in New York starten kann. Scheidermann erwähnt auch, dass die Behörden eine gute Beziehung zum Lyft-Konkurrenten Uber haben. Uber hat sich kooperativ gezeigt und es wurde eine Lösung gefunden, die für alle Seiten funktioniert. Darunter zählt, dass alle Fahrzeuge lizenziert und versichert sind. Kürzlich hat sich der Staat New York und Uber auch darauf geeinigt, die Fahrpreise bei Notständen und Naturkatastrophen nicht zu erhöhen.

Photo: 2013.21.09_17.52_2858.jpg von Raido, Lizenz: CC BY 2.0

Die scheinheiligen Taxifahrer – Beanstandete Fahrzeuge, Drogen und Steuerhinterziehung

Die Debatte um neue Ridesharing-Dienste, wie Uber, Wundercar und co. wurde von von der Taxiindustrie angestoßen. Ohne die erreichte einstweilige Verfügung, die aber nicht vollstreckt wurde und ohne den europaweiten Taxiprotest wäre das Thema bei der breiten Bevölkerung mehr oder weniger unbekannt.

Die Taxiindustrie bekräftigt in ihren Argumenten immer wieder, dass eine Taxifahrt sicherer sei, da die Autos jährlich kontrolliert werden und die Taxifahrer einen Überprüfungsprozess durchlaufen. Des weiteren werfen sie den Fahrern der Ridesharing-Dienste Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung vor.

Es mag sein, dass für Taxis, Taxifahrer und Taxiunternehmer  eine Reihe von Regeln gelten, die Fahrgäste schützen und die Zuverlässigkeit der Dienstleistung garantieren sollen. Häufig werden die Regeln aber umgangen, wie im folgenden verdeutlicht werden. Daneben gibt es einige Vorteile für Taxifahrer und Taxiunternehmer, die den Wettbewerb verziehen.

Schwarzarbeit bei Taxifahrern

Durch meine eigene Tätigkeit für Transport Networks wie Uber und Blacklane weiß ich, dass es genügend Taxifahrer in Berlin gibt, die über keinen Personenbeförderungsschein verfügen. Viele Taxifahrer, mit denen ich mich seit Anfang 2013 unterhalten habe, geben auch offen zu, dass sie die meisten Umsätze am Finanzamt vorbei führen und keine Steuern zahlen. Ein Modell ist z.B., dass ein Fahrer offiziell 800 – 1000 € im Monat bekommt und das 2-3 fache dann noch mal schwarz ausbezahlt wird. So werden Steuern hinterzogen und bei den Sozialabgaben betrogen. Ein anderes Modell ist, dass nur so viel offiziell ausgezahlt wird, dass die Sozialbehörden eine weitere Unterstützung zuschießen.

Bei einer Taxikontrolle im letzten August am Flughafen Tegel war der Warteplatz, auf dem sonst häufig mehrere hundert Taxis warten, innerhalb von Minuten leer. Nach dem die Taxifahrer von der bevorstehenden Kontrolle erfahren hatten, haben sie fluchtartig den Flughafen verlassen. Diese Verhalten der Taxifahrer legt nahe, dass der Großteil der Taxifahrer und Unternehmer etwas zu verbergen hat.  Boto Töpfer vom Taxiverband Berlin-Brandenburg e.V. schätzt sogar, dass 70 Prozent der Taxifahrer in irgendeiner Form betrügen, das sie wie oben keine Steuern abführen oder Sozialabgaben kürzen.

Taxifahrer auf Drogen in Hamburg

In Hamburg wurde in den letzten Tagen von der Polizei eine Taxikontrolle durchgeführt. Von 40 Fahrzeugen wurden 20% beanstandet, fast 50% von den beanstandeten Fahrzeugen wurde auf Grund von technischen Mängeln sofort stillgelegt. Ein Fahrer mit Fahrgästen an Board hat sogar Ausfallerscheinungen gezeigt, ein Drogentest ist positiv ausgefallen.

Die Verkehrsuntersuchung in Hamburg zeigt also, dass die bestehenden Gesetze nicht viel bringen. Wäre so ein Ergebnis bei der Überprüfung von Wundercar oder Uber Fahrer zustande gekommen, wäre der Aufschrei in den Medien wahrscheinlich wieder entsprechend groß.

Geschäft mit dem Personenbeförderungsschein

In Berlin gibt es einige Taxischulen, die meistens auch einen angeschlossenen Taxi-Betrieb haben, die gute Geschäfte dank der Unterstützung der Arbeitsagenturen machen. Einige zukünftige Taxifahrer lassen sich ihren Personenbeförderungsschein inklusive Schulung über einen Bildungsgutschein finanzieren. Für die Schulung und die Prüfung fallen schon mal gerne Gebühren von 2-3.000 € an. Wenn die Taxischule auch dafür sorgt, dass der bereits geförderte Neu-Taxifahrer noch eine Anstellung als Taxifahrer erhält, fließt weitere finanzielle Unterstützung. Es ist also nicht verwunderlich, dass einige Taxiunternehmer ein Interesse daran haben, dass jeder Fahrer über einen Personenbeförderungsschein verfügt, da sich damit gute Geschäfte machen lassen.

Wettbewerbsverzug durch 12% weniger Mehrwertsteuer

Für Taxifahrer gilt der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7%, Mietwagen-Unternehmer und Ridesharing Dienste müssen den vollen Satz von 19% bezahlen. Aufs Jahr hochgerechnet ergibt das einen Vorteil für die Taxifahrer von mehreren tausend Euro.

Wettbewerbsverzug durch Rückkehrpflicht

Sofern Mietwagenunternehmer, also Chauffeure, keinen schon vor Abfahrt aus dem Betriebssitz festgelegten Auftrag haben, müssen sie zu ihrem Betriebssitz zurück kehren und schriftlich auf den nächsten Auftrag warten. Diese Regelung ist aus ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten sinnlos und begünstigt ganz klar die Taxiindustrie.

Die Liste über die Wettbewerbsvorteile der Taxifahrer und die Verstöße der Taxifahrer lässt sich beliebig erweitern. Die Taxiindustrie ist aber bei weitem nicht so sauber, wie in den letzten Wochen immer im Kampf gegen die neuen Anbieter betont wurde.

Photo: Name: Taxi by night von Gary Tube Lizenz: CC BY-SA 2.0

WunderCar mit weiterer Finanzierung – Expansion deutschlandweit

Wundercar hat angekündigt, dass weitere Finanzierung aufgenommen wurden. Die Abgeschlossene Finanzierungsrunde war bereits die zweite Runde seit Start im Herbst 2013. Damals wurde eine siebenstellige Summe aufgenommen, unter anderem von Partech Ventures, Michael Brehm, dem ehemaligen Geschäftsführer von Studi-VZ und weiteren Investoren. Laut Handelsregister Eintrag wurde schon am 12. Mai 2014 eine Anpassung der Gesellschafterliste eingereicht, gut möglich also, dass die Finanzierung schon vor einem Monat abgeschlossen wurde, aber erst jetzt publik gemacht wurde.

Bei der aktuellen rechtlichen Situation und der geplanten Expansion kann es nicht schaden, über ein dickeres Finanzierungspolster zu verfügen. Nach dem Taxiprotest, der Wundercar viele neue Nutzer und Fahrer zugespielt hat, werden in den kommenden zwei Wochen weitere Städte hinzu kommen. Zur Zeit können sich Fahrer anmelden, sobald der Registrierungsprozess mit Backgound-Check durchlaufen ist und genügend Fahrer in einer Stadt gefunden wurden, kann es los gehen.
Hamburg pocht weiter auf Einstellung des Betriebs

Die Hamburger Behörden pochen weiter darauf, dass Wundercar den Betrieb in Hamburg einstellt, obwohl das vorgegeben Trinkgeld pro Kilometer auf 35 ct. gesenkt wurde. Die Hamburger Behörden bezeichnen diese Anpassung als Kosmetik und haben nach einem Bericht des NDRs höhere Bußgelder in Höhe von 20.000 € für jeden Fahrer angedroht. Jedem Verstoß soll nachgegangen werden und ein Strafgeld in Höhe von 1.000 € gegen Wundercar verhängt werden.  Eine Sprecherin kündigte an, dass Wundercar die Möglichkeit hat, Widerspruch innerhalb von 4 Wochen einzulegen. Letztendlich muss ein Gericht entscheiden, ob das Angebot legal ist oder nicht und unter welchen Voraussetzungen.

Gemietete Fahrzeuge und für Verfügbarkeit bezahlen

In Berlin sind laut Wundercar-Fahrer angemietete Fahrzeuge von Enterprise unterwegs und die Fahrer erhalten einen fixen Betrag pro Stunde, um für Verfügbarkeit zu sorgen. Vorteil bei Mietwagen wird sein, dass die Fahrzeuge bereits gewerblich versichert sind, evtl. auch für die gewerblichen Personenbeförderung. Somit wird ein Kritikpunkt der Behörden und Taxiverbände ausgehebelt.

Die Fahrer für die Verfügbarkeit zu bezahlen, also für die Zeit, während der sie ohne Fahrauftrag im Fahrzeug sitzen und nicht für die Fahrten, könnte auch ein Weg sein, um das Personenbeförderungsgesetz zu umgehen, wenn auch ein kostspieliger. Nicht bekannt ist, wie viel die Fahrer erhalten, bei Konkurrent Uber erhalten die UberPOP Fahrer anscheinend 15 € pro Stunde Verfügbarkeit.

Geschäftsmodell von WunderCar

Wundercar ist seit Anfang des Jahres in Berlin, Hamburg und seit ein paar Tagen auch in Dublin aktiv. Das Unternehmen hat das Geschäftsmodell des amerikanischen Unternehmens Lyft kopiert. Mit Hilfe einer Smartphone-App bringt Wundercar registrierte Nutzer und private Fahrer ohne P-Schein und Konzession zusammen. Um das Personenbeförderungsgesetz zu umgehen, sind alle Fahrten kostenlos, es gibt aber die Möglichkeit ein Trinkgeld per App in beliebiger Höhe zu zahlen, Wundercar behält davon 20%, der Rest wird an die Fahrer ausbezahlt. Die Taxiunternehmer laufen Sturm gegen Wundercar, da die Fahrer sich nicht an das von der Taxi-Lobby mit verfasste Personenbeförderungsgesetz halten.

Vorbild Lyft, das mittlerweile mehr als 350 Mio. US $ Finanzierung eingesammelt hat, ist ebenfalls mit dem Trinkgeld oder Spendenmodell gestartet, nach dem die Behörden von dem Ridesharing Modell überzeugt waren oder nicht dagegen vorgegangen sind, wurde auf ein System mit einheitlichen Tarifen pro Stadt umgestellt.

Photo: Name: Taxi Driver von Daniele Zanni, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0