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1 Mio. car2go Nutzer, Abgang bei MyTaxi, Baidu will bei Uber rein

Eine Übersicht an Kurznachrichten der letzten Woche: Das Carsharing Unternehmen car2go heißt seinen millionsten Kunden willkommen, der Chinesische Such-Riese Baidu will in Uber investieren. Sven Külpers nimmt bei MyTaxi seinen Hut und Sidecar führt Sicherheitsgebühr ein.

Car2Go mit 1 Mio. Nutzern

Das Carsharing Unternehmen car2go aus dem Daimler Konzern hat am Mittwoch den millionsten Nutzer begrüßt.  Insgesamt sind um die 12.500 Smarts weltweit an 30 Standorten unterwegs. Seit beginn wurden etwa 32 Millionen Mietvorgänge absolviert, aktuell sind es 400.000 Mietvorgänge die Woche. Auch wenn die Zahlen nichg ganz realistisch erscheinen, ist das eine ordentliche Leistung. Car2go will auch im kommenden Jahr stark wachsen, um sein Marktführerschaft auszubauen. (Via Mittelstand Nachrichten)

Sven Külpers geht bei MyTaxi

Der MyTaxi Mitgründer Sven Külpers verlässt das Unternehmen nach der Übernahme durch Daimler. Sven Külpers hat zusammen mit Nicolaus Mewes MyTaxi gegründet, Mewes gilt als starker Mann im Hintergrund, Külpers hat das Unternehmen nach außen vertreten. Ob die Idee mit dem Preiskampf mit Uber in Hamburg noch unter seiner Verantwortung entstanden ist oder schon durch Daimler bzw. Moovel initiiert wurde und ob sein Abgang damit etwas zu tun hat, ist unklar. Insider sagen, dass private Gründe für den Abgang verantwortlich sind. Külpers soll das Unternehmen weiterhin beraten. (via Manager Magazin)

Baidu will 600 Mio. US$ in Uber investieren

Der Chinesische Internetriese Baidu will einen hohen Betrag in Uber investieren, im Raum stehen 600 Mio. US$. Bereits in der Ankündigung zur letzten Finanzierung wurde von Uber bekräftigt, dass die Runde von den kommunizierten 1.2 Milliarden US$ auf 1.8 Milliarden US$ anwachsen könnte. Nun scheint klar zu sein, von dem die zusätzlichen 600 Mio. US$ kommen sollen. Das Geld soll für den Ausbau in China verwendet werden. Die Allianz wäre für beide Unternehmen mit Vorteilen verbunden. Uber hätte einen starken Partner im Land. Baidu könnte Uber helfen, den lokalen Markt besser zu verstehen, damit sich das Unternehmen schneller ausbreiten kann. Baidu würde im Vergleich mit Alibaba und Tencent an Boden gewinnen. Beide Unternehmen haben in letzten Zeit hohe Summen in Mobilitäts-Startups investiert. Die Tencent Gruppe ist unter anderem an Lyft beteiligt, Alibaba an Kuaidi Dache. Interessanterweise hat Qunar, eine Reise-Suchmaschine aus dem Baidu Konzern, vor wenigen Tagen eine Kooperation mit der Buchungsplattform für Limousinenfahrten Blacklane bekannt gegeben. Bleibt abzuwarten, ob Baidu auch bei Blacklane einsteigt, oder ob diese Kooperation nach dem Einstieg bei Uber vorzeitig beendet wird. Die Seite für Fahrzeugbuchungen auf Qunar sieht bereits heute dem Design der Uber-Seite ähnlich. (via Bloomberg)

Sidecar verlangt 1 US$ pro Fahrt für Sicherheit

Das amerikanische Ridesharing-Startup Sidecar zieht nach und verlangt eine Sicherheits-Gebühr von 1 US$ pro Fahrt. Die Konkurrenten Uber und Lyft verlangen schon seit einer geraumen Zeit eine „Safe Ride“ oder „Trust and safety“ Gebühr, um die Kosten für die Versicherung und die Überprüfung der Fahrer und Fahrzeuge zu decken. Sidecar zieht jetzt mit der „RideSafe“ Gebühr nach. Laut Sidecar sollen damit die Versicherungspolice (1 Mio. US$ Deckungsbeitrag pro Vorfall), die Überprüfung der Fahrer (Background checks) und die Überprüfung der Fahrzeuge finanziert werden. Sidecar unterscheidet sich von Uber und Lyft dahingehend, dass der Fahrer den Fahrpreis festsetzt. Der Fahrgast kann dann den Fahrer nach unterschiedlichen Kriterien auswählen, z.B. dem günstigsten Fahrpreis, dem Fahrzeug oder der Ankunftszeit. (via Techcrunch)

Bild: Car2Go Austin 2011 von Denis Bocquet (bestimmte Rechte vorbehalten)

Kurznachrichten: GrabTaxi erhält 250 Mio. $, Kampf zwischen MyTaxi und Uber, DriveNow geht nach London

Neben der Nachricht über die neue Finanzierung für Uber gab es weitere interessante Neuigkeiten aus dem Mobiliätsbereich. Das Carsharing Unternehmen DriveNow geht nach London, in Hamburg können bis zu 60% der Taxikosten gespart werden und das asiatische MyTaxi mit den Namen GrabTaxi sammelt 250 Mio. US$ ein.

GrabTaxi mit 250 Mio. US$ Finanzierung

Die in Asien verbreitete Taxi-App GrabTaxi hat eine Finanzierung in höhe von 250 Mio. US$ bekannt gegeben, das Geld stammt unter anderem vom japanischen Telefonkonzern SoftBank. Die Bewertung des Taxi-Startups soll bei mehr als einer Milliarde US$ gelegen haben. GrabTaxi hat in diesem Jahr schon zum vierten Mal eine Finanzierungsrunde bekannt gegeben, in der letzten Runde im Oktober wurden 65 Mio. US$ eingesammelt, in den Runden davor sind auch Millionenbeträge geflossen. Das Unternehmen verkündet, dass es 500.000 aktive Nutzer im Monat hat und dass die App 2.5 Mio. Downloads verzeichnet. Insgesamt sind 60.000 Fahrer auf der Plattform registriert. (via TechCrunch)

DriveNow geht nach London

Wie das Tochterunternehmen von BMW und Sixt mitteilt, ist der Carsharing Service in London gestartet. Car2go, das Konkurrenzunternehmen aus dem Daimler-Konzern hat sich vor ein paar Monaten aus dem englischen Markt zurückgezogen. Die Begründung hieß damals, dass es nicht möglich war, eine übergreifende Regelung für die Parkraumnutzung zu schaffen. Bleibt abzuwarten, ob DriveNow das gleiche Schicksal ereilen wird, oder ob somit auch ein neuer Versuch für car2go in London geebnet wird. Das Angebot startet mit BMW 1er und Mini Modellen, im nächsten Jahr sollen auch BMW i3 Elektrofahrzeuge hinzu kommen. Zu Beginn wird das Geschäftsgebiet eher eingeschränkt sein. (via DriveNow Pressemitteilung)

MyTaxi und UberTaxi liefern sich einen Preiskampf

Am Wochenende wurde bekannt, dass MyTaxi einen Rabatt von 50% auf den Taxi-Fahrpreis gewährt, wenn per App bezahlt wird. Wie zu erwarten war, hat der Konkurrent Uber schnell reagiert und räumt seinen Nutzern einen Rabatt von 60% bis Weihnachten ein. Wenn man die Marketing-Aktionen von Uber kennt, ist einem klar, dass das Unternehmen sofort reagiert und notfalls sogar alle Kosten für eine Fahrt übernimmt. MyTaxi dürfte im Vorteil sein, was die Anzahl der registrierten Fahrzeuge betrifft. Die Nachfrage war bisher anscheinend geringer als erwartet. UberTaxi wurde in Hamburg in Folge des Verbots von UberBlack und UberPOP eingeführt, mittlerweile wendet das Unternehmen die Taktik mit der Einführung eines Taxi-Services auch in Asien an. (via Die Welt)

Bild: Chaplin on Broadway and the Taxi von drpavloff (bestimmte Rechte vorbehalten)

Kurznachrichten: Drivy startet in Deutschland, UberPop nur noch am Wochenende, car2go mit neuer App

Übersicht: In den letzten Tagen hat es wieder einige interessante Meldungen aus dem Mobilitätsbereich gegeben. Das amerikanische Unternehmen Uber reduziert die Verfügbarkeit von UberPop aufs Wochenende, car2go launcht eine neue Version der Smartphone App mit neuen Funktionen und Peer-to-Peer Marktplatz für Autovermietungen Drivy startet in Berlin.

Drivy startet in Berlin, weitere Städte folgen

Das französische Startup Drivy, das eine Plattform für die Vermietung von Fahrzeugen zwischen Privatpersonen anbietet, ist diese Woche in Berlin gestartet.

Das Unternehmen wurde bereits 2010 gegründet und hat in Frankreich bereits 350.000 Nutzer und 20.000 registrierte Fahrzeuge. Vor ein paar Wochen wurde eine neue Finanzierungsrunde für die bevorstehende Expansion verkündet.

Im Vergleich zum free-floating Carsharing, wie z.B. DriveNow, wird das Angebot von Drivy für längere Strecken, bzw. eine längere Mietdauer genutzt. Laut Angaben des Startups beträgt die durchschnittliche Mietdauer 3-5 Tage. Das Einstellen von Fahrzeugen und die Nutzung der Plattform ist kostenlos, Kosten entstehen erst, wenn ein Mietvertrag zwischen Fahrzeugbesitzer und Mieter zustande kommt. Drivy behält 30% der Umsätze, 70% gehen an den Autobesitzer. Von den 30% Provision wird auch eine Ad-hoc Versicherung bezahlt, damit die Vermietung abgedeckt ist. Drivy arbeitet hier mit der Allianz zusammen. Anfang 2015 sollen weitere deutsche Städte hinzu kommen. Konkurrenten in Deutschland sind unter anderem Tamyca oder Autonetzer, die ähnlich lange aktiv sind. (via Drivy.de)

Uber reduziert Verfügbarkeit von UberPOP aufs Wochenende

Weiterer Rückschlag für Uber, demnächst kann der Ridesharing-Service UberPOP nur noch am Wochenende von Freitag 18 Uhr bis Sonntag 18 Uhr in Berlin und Düsseldorf gebucht werden. Unter der Woche ist der Service nicht oder nur eingeschränkt verfügbar. Laut Aussagen von Fahrern wurden alle sie alle zu einer Versammlung einbestellt, um über die Veränderungen zu sprechen. Angeblich wurde als Begründung für den Schritt, die zu hohen Kosten für die Subvention der Fahrer genannt. Uber sieht wohl, dass die Nachfrage unter der Woche nicht so hoch ist und möchte sich die Subvention für die Fahrer ohne Fahrten sparen. Der Fahrpreis wurde nach den rechtlichen Auseinandersetzungen auf 35 Cent pro Kilometer reduziert, deshalb ist eine Subventionierung der Fahrer nötig, um Fahrzeuge auf der Straße zu haben. Zuletzt wurden die stündlichen Umsätze der Fahrer wohl auf 10 € die Stunde aufgestockt. Uber argumentiert in einer Mail an die Kunden, dass die Nachfrage so gestiegen ist, dass sie nicht hinterherkommen, genügend Fahrer zum System hinzuzufügen. (via Bloomberg)

Car2go mit neuer App

Das Carsharing Unternehmen car2go aus dem Daimler-Konzern hat eine neue Version der Smartphone App veröffentlicht. Mit der aktuellen Version können Fahrzeuge auch per Smartphone geöffnet werden, die bisherige Kundenkarte oder ein Chip auf dem Führerschein ist somit nicht mehr nötig. Das Design wurde überarbeitet und die Bedienung ist intuitiver geworden. Bleibt abzuwarten, ob der App auch eine modernere Website folgt. Zuvor hat bereits der Konkurrent DriveNow eine überarbeitete App mit ähnlichen Features gelauncht. (via Geekwire)

Uber Zahlen geleakt

Auf Business Insider wurde vor kurzem Zahlen und Umsätze von Uber aus Dezember 2013 veröffentlicht. Setzt man das Verhältnis der Umsätze von Uber in London in der Silvesternacht mit den wöchentlichen Umsätzen in Vergleich, wurden etwa 35% der wöchentlichen Umsätze in der Silvesternacht eingefahren. Daraus kann man schließen, dass Uber in der Woche rund um Silvester 2013 ca. 10.000 € Umsatz in Berlin generiert hat, in München müssten es um die 20.000 € pro Woche gewesen sein. In Berlin dürfte das etwa 400 Fahrten pro Woche entsprechen und in München etwa 650 abgeschlossene Fahrten pro Woche.  (via Business Insider)

Bild: Stefan Wieland / Drivy.de (alle Rechte vorbehalten)

Ehemaliger Europcar Chef Roland Keppler geht zu car2go

Wie das Manager Magazin berichtet, geht der frühere Chef der Autovermietung Europcar Roland Keppler zu Daimler und übernimmt die Geschäftsführung des Carsharing-Anbieters car2go. Der neue Geschäftsführer soll das Geschäft mit Unternehmenskunden weiter aufbauen, außerdem soll eine Expansion nach Asien bevorstehen.

Keppler war seit 2009 bei Europcar, zu beginn als Verantwortlicher des Deutschlandgeschäfts, seit 2012 war er Chef des gesamten Europcar-Konzerns. Im Sommer diesen Jahres ist Roland Keppler im „gegenseitigen Einvernehmen“ als Chef von Europcar abgetreten. In unterschiedlichen Medien wurde daraufhin über unterschiedliche strategische Auffassungen zwischen Keppler und dem Eurocar-Eigentümer Eurazeo spekuliert.

Markt der Autovermieter unter Druck

Der Markt der Autovermieter ist in letzter Zeit unter Druck geraten, da neue kundenfokussierte Konzepte, wie Carsharing oder Mobilitätsplattformen für ein Stagnieren, wenn nicht sogar einen Rückgang der Umsätze sorgen. Neben traditionellen Carsharing Anbieter, wie stadtmobil oder flinkster sorgen die free-flaoting Anbieter, wie car2go und DriveNow für weniger Fahrzeugvermietungen der etablierten Autovermietungen. Hinzu kommt noch die neue Konkurrenz durch Peer-to-Peer Carsharing Plattformen, über die Privatpersonen ihre Fahrzeuge vermieten und Taxi-Apps, wie MyTaxi, Uber, Blacklane und co.

Keppler auch in der Geschäftsführung von Moovel

In seiner Zeit als Deutschland-Chef ist auch das car2go Joint-Venture von Daimler und Europcar entstanden. Von den Erfahrungen Kepplers im klassischen Mietwagen-Geschäft können car2go und andere Unternehmen aus dem Moovel-Umfeld profitieren. Car2go steht wohl kurz davor, nach China zu expandieren, evtl. steht auch Singapur auf der Liste. Neben dem klassischen car2go mit Smart-Fahrzeugen soll das car2go Black Angebot mit B-Klassen und stationsbasierten Vermietung ausgebaut werden.

Keppler soll Anfang Dezember bei car2go starten. Zusätzlich zur Geschäftsführung von car2go wird Keppler auch Mitglied der Geschäftsführung der Moovel GmbH. Car2go ist mittlerweile in 7 Ländern aktiv und soll fast 900.000 Kunden haben. Vor kurzem hat das Unternehmen angekündigt, das Carsharing-Angebot in der „Geburtsstadt“ Ulm einzustellen.

Bild: Happy Birthday car2go von MotorBlog.com, Lizenz: CC BY 2.0

car2go zieht sich aus Ulm zurück – Stadt zu klein, Angebot zu teuer

Das Carsharing Unternehmen car2go zieht sich aus Ulm zurück. Ulm war die erste Stadt, in der car2go getestet wurde. Grund für das Ende von car2go in Ulm ist die fehlende Perspektive, das Carsharing System in Ulm wirtschaftlich erfolgreich betreiben zu können. Die Stadt ist zu klein, um dein Free-Floating System betreiben zu können.

Laut Südwest Presse wurde die Entscheidung kurzfristig getroffen. Das Problem in Ulm ist wohl die geringe Aktivität der registrierten Nutzer. Es gibt zwar um die 20.000 registrierte car2go Nutzer in Ulm, davon seien lediglich etwa 33% aktiv. In anderen Städten sind 80% normal. Diese etwa 6.500 Nutzer reichen nicht, um die 200 Smarts wirtschaftlich auszulasten, die von car2go und Europcar im Stadtbereich positioniert wurden. Ein Smart muss etwa 7-8 mal am Tag gebucht werden, damit die Kosten gedeckt und Gewinne erzielt werden.

Zweite Stadt in diesem Jahr

Ulm ist bereits die zweite Stadt in diesem Jahr, aus der sich car2go zurück zieht. Vor ein paar Monate wurde das Carsharing Angebot in London gestoppt. Grund hier war die schwierige Zusammenarbeit mit den Behörden. Car2go hat es nicht geschafft, Stadtteil übergreifende Vereinbarungen für die Nutzung des öffentlichen Parkraums zu erlangen. Als Folge haben sich weniger Nutzer registriert, als gedacht. Letztendlich wurde die Reißleine gezogen.

Stadt zu klein, nicht genügend car2go Nutzer

In dem Artikel auf Südwest Presse wird angeführt, dass normalerweise 500.000 Einwohner und mehr notwendig sind und die Bevölkerungsdichte bei etwa 3.000 Einwohner pro Quadratkilometern liegen müsste, damit ein wirtschaftlich sinnvoller Betrieb möglich ist. In Ulm leben etwa 120.000 Einwohner und die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa 1.000 Einwohnern pro Quadratkilometer. Um unter diesen Voraussetzungen trotzdem wirtschaftlich arbeiten zu können, wurden die Preise erhöht und Extra-Gebühren für ein erweitertes Betriebsgebiet eingeführt. Beides anscheinend nicht mit dem gewünschten Erfolg.

Das Angebot von car2go wurde nach der Pilotphase in Ulm schnell auf andere Städte ausgeweitet. Mittlerweile ist das Angebot neben Ulm in weiteren 28 Städten verfügbar und es sind etwa 12.000 Smart-Fahrzeuge unterwegs, davon 1.250 als Elektroversion. Weltweit sind etwa 900.000 Nutzer bei car2go registriert.

Bild: Car2Go von Ryan Joy via flickr.com, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Carsharing Anbieter Autonetzer und Nachbarschaftsauto schliessen sich zusammen

Nachbarschaftsauto und Autonetzer, die beiden Communities für privates Carsharing schließen sich zusammen. Die Plattform Nachbarschaftsauto wird in Autonetzer aufgehen. Somit entsteht nach eigenen Angaben die größte private Carsharing-Community in Deutschland.

Durch die Fusion soll die Vision, dass in jedem Straßenzug ein privates Carsharing Fahrzeug stehen soll, das über Autonetzer gebucht werden kann, erreicht werden. Autonetzer ist seit 2010 aktiv und hatte vor der Fusion mit Nachbarschaftsauto etwa 5.000 Fahrzeug und 35.000 Nutzer. Die gleiche Anzahl an Fahrzeugen und Nutzern kam durch die Fusion hinzu. Autonetzer spricht nun von 10.000 verfügbaren Fahrzeugen und 70.000 Nutzern. Interessant zu wissen wäre, wie groß die Schnittmenge der Fahrzeuge und Nutzer beider Plattformen ist.

Fahrzeuganzahl als Erfolgsfaktor

Entscheidend für den Erfolg von Carsharing Netzwerken dürfte sein, dass der Nutzer direkt vor der Tür ein Carsharing-Fahrzeug stehen hat, das er anmieten kann. Mit 10.000 Fahrzeugen in ganz Deutschland wird das noch nicht der Fall sein, aber es geht in die richtige Richtung. Ausserdem ist entscheidend, dass die Fahrzeuge einfach und schnell übernommen und übergeben werden können. Bei den privaten Carsharing Anbietern muss meistens noch ein persönliches Treffen zwischen Nutzer und Autobesitzer arrangiert werden, um das Fahrzeug samt Übergabeprotokoll zu übergeben. Die gewerblichen Anbieter, wie Car2Go und DriveNow bieten hier mit ihrer Schlüssellosen Fahrzeugöffnung und -verriegelung per Handy oder RFID-Karte eine bessere Alternative.

Wettbewerb

Neben Autonetzer und Nachbarschaftsauto ist auch noch das Startup Tamyca in Deutschland aktiv. Das französische Startup Drivy steht auch kurz davor, in Deutschland zu starten. Drivy wurde vor kurzem mit weiteren Millionen finanziert. In Frankreich scheint das private Carsharing besser angenommen zu werden. Das ebenfalls 2010 gegründete Unternehmen hat bereits 250.000 Nutzer und 17.000 registrierte Fahrzeuge. Für Kurzstrecken und spontane Fahrten sind die kommerziellen Anbieter, wie DriveNow und Car2Go die bessere Wahl. Auf Grund des komplexen Mietprozesses für private Carsharing Fahrzeuge, ist das Anbot eher als Ersatz für einen gewerblichen Mietwagen zu sehen.

Über Autonetzer und Nachbarschaftsauto

Die Carsharging Netzwerke Autonetzer und Nachbarschaftsauto wurden 2010 in Stuttgart und Berlin gegründet. Autonetzer ist von Business Angels mit einer sechsstelligen Summe finanziert. Das Prinzip und Geschäftsmodell der beiden Plattformen ist das gleiche: Privatpersonen stellen ihr Fahrzeug auf der Plattform ein und reduzieren mit jeder Vermietung die Unterhaltskosten. Potenziellen Mieter haben unterschiedliche Fahrzeuge in der direkten Nachbarschaft zur Verfügung, die sie günstiger als bei gewerblichen Autovermietern anmieten können. Während der Vermietung greift eine Zusatzversicherung, die eventuelle Schadensfälle abdeckt. Nach dem Zusammenschluss ist das Netzwerk in 800 deutschen Städten verfügbar.

Bild: Screenshot Autonetzer.de

FlightCar, Anbieter für Peer-to-Peer Carsharing & kostenloses Parken an Flughäfen sammelt 13.5 Mio. US$ ein

Das amerikanische Mobilitäts-Startup FlightCar hat eine Finanzierungsrunde in Höhe von 13.5 Mio. US$ (ca. 10 Mio. €) eingesammelt. Über FlightCar können Autobesitzer ihre Fahrzeuge an Flughäfen vermieten, solange sie unterwegs sind. Dadurch sparen sie sich die Parkgebühren und verdienen sogar noch dabei, wenn sie verreist sind. Die Finanzierung kommt von GGV Capital.

Die Fahrzeuge können auf den Parkplätzen von FlightCar, die sich in der Nähe von Flughäfen befinden, umsonst abgestellt werden. Die Fahrzeuge können dann von Besuchern gemietet werden, dabei ist der Mietpreis für die Fahrzeuge wesentlich geringer, als für einen Mietwagen, der bei den traditionellen Autovermietern, wie Sixt oder Europcar angemietet wird.

Die Fahrzeuge werden vor und nach der Vermietung gereinigt und die Autobesitzer und Fahrzeugmieter werden zwischen den Flughäfen und den Parkplätzen ohne Mehrkosten hin und her gefahren.

Bisher haben sich in den letzten 18 Monaten seit Start 30.000 Nutzer angemeldet und 10.000 Fahrzeuge befinden sich auf der Plattform. Bisher ist FlightCar in San Francisco International Airport, Boston Logan Airport, Los Angeles International Airport verfügbar und bald wird der Service am Seattle-Tacoma International Airport gestartet.

Die Preiste starten bei 25 US$ (ca. 19 €), wenn der Wagen für einen Tag gemietet wird und reduziert sich auf 19 US$ (ca. 14 €) pro Tag, wenn das Fahrzeug für fünf oder mehr Tage gemietet wird. Inklusive sind 100 Meilen am Tag, jede weitere Meile kostet 0.45 US$ (ca. 0.34 €).

Der Fahrzeugbesitzer erhält je nach Fahrzeug und Alter des Fahrzeugs einen Betrag von 0.05 bis 0.20 US$ (ca. 0.04 bis 0.15 €) pro Meile bis 75 Meilen und 40 ct. pro Meile, für jede Meile darüber. Außerdem wird sein Fahrzeug gereinigt und er wird kostenlos zwischen Flughafen und Parkplatz hin und her gefahren. Mit den meisten Fahrzeugen werden weniger als 40 Meilen pro Tag gefahren. Die Fahrzeuge und Fahrten sind mit einer Versicherungssumme von 1 Mio. US$ (ca. 760.000 €) abgedeckt.

GGV hat bereits in GrabTaxi investiert und verfügt über Erfahrung mit Logistikunternehmen, FlighCar hofft, dass das Unternehmen bei der weiteren Expansion davon profitiert. Bisher hat FlighCar 6.5 Mio. US$ (ca. 4.9 Mio. €) eingesammelt, unter anderem von General Catalyst, SoftBank Capital oder First Round Capital. Neben GGV und den genannten VCs sind auch Comcast Ventures und Eduardo Severin, Co-Founder von Facebook, Ashton Kutcher und Brian Chesky mit an Board. FlightCar wurde von Kevin Petrovic und Rujul Zaparde gegründet, Petrovic ist 20 Jahre alt, Zaparde erst 19.

Einen ähnlichen Service in Deutschland bietet Tamyca, das französische Startup Drivy ist ebenfalls mit einem ähnlichen Konzept vor kurzem in Deutschland gestartet. In den USA ist außerdem noch RelayRides aktiv, das Startup hat vor kurzem eine Finanzierung in Höhe von 10 Mio. US$ abgeschlossen.

Entwicklung des Carsharings in Deutschland: DriveNow und Car2Go haben die Nase vorn

Das Magazin WirtschaftsWoche (WiWo) hat in der aktuellen Ausgabe (34/2014) einen Bericht über die Entwicklung des Carsharings veröffentlicht.

Der Bericht beschäftigt sich mit folgenden Fragen:

  • Ist das neue Carsharing, bei dem das Auto überall abgestellt werden kann, überhaupt ein Geschäft?
  • Lässt sich damit Geld verdienen?
  • Und wie geht es weiter?

Für die Beantwortung der Fragen wurde eine Studie der Strategieberatung Civity herangezogen, die leider noch nicht veröffentlicht wurde. Die Unternehmensberatung Roland Berger hat vor kurzem ebenfalls eine Studie zum Thema Shared Mobility veröffentlicht, die ähnliche Punkte behandelt und zu vergleichbaren Ansichten kommt.

Welche Konzerne kämpfen um die Marktführerschaft?

In Deutschland sind das vor allem Daimler/Europcar mit Car2Go und BMW/Sixt mit DriveNow.

Wie lange dauert es, bis die Anbieter Geld verdienen?

Car2Go Manager Beermann erklärt, dass in einer Stadt nach 24-36 Monaten Break Even erreicht wird. Auch DriveNow gibt an, dass  auf Monatsbasis die Gewinnschwelle überschritten wurde.

Wie wird sich der Markt entwickeln?

Stefan Weigele, Autor der Studie und Partner bei Civity geht davon aus, dass sich der Markt bis 2020 weltweit auf 1.4 Milliarden Euro Umsatz vergrößern wird. Um diese Zahl zu erreichen, müsste sich die Anzahl der Carsharing Systeme von heute etwa 30 auf rund 140 steigern. Carsharing wird sich als Alternative zum eigenen Auto und Taxi weiter etablieren. Die Beratung Roland Berger geht in einer aktuellen Studie davon aus, dass der Carsharing bis 2020 auf 3.7 bis 5.6 Milliarden €  Umsatz kommen wird.

Wer hat die Nase vorn?

Anzahl der Städte: Bei der Anzahl der Städte hat Daimler mit Car2Go die Nase vorn, BMW beschränkt sich mit DriveNow im Moment auf 6 Städte.

Gewinne: Hier sieht Civity das Angebot von DriveNow vorne. Die geringe Anzahl an Städten wirkt sich hier vorteilhaft aus, da weniger investiert werden muss.

Auslastung: Die Fahrzeuge von DriveNow sind besser ausgelastet. Das hat zum einen mit der geringeren Fahrzeuganzahl zu tun, zum anderen sind auch die Betriebsgebiete kleiner. Laut Civity ist das Betriebsgebiet von DriveNow im Schnitt 88 Quadratkilometer groß, das von Car2Go liegt bei etwa 130 Quadratkilomtern im Schnitt.

Fahrzeuge: BMW und Sixt setzen bei DriveNow hochwertige Fahrzeuge ein, hautsächlich sind Minis (Mini, Mini Cabrio, Mini Countryman) unterwegs. Außerdem werden Fahrzeuge der BMW 1er Serie eingesetzt (BMW 1er Fünftürer,  X1, BMW Active E).  Bei Car2Go kommen vorwiegend minimalistisch ausgestattete Smart ForTwo zum Einsatz, in manchen Städten auch als elektrische Version. DriveNow bietet also die geräumigeren und besser ausgestatteten Fahrzeuge und den Kunden scheint es zu gefallen, das sie im Sommer auch mit dem Cabrio cruisen können.

Die Fahrzeuge von DriveNow werden auch öfters ausgetauscht, was auch besser bei den Kunden ankommt. Die Fahrzeuge gehen spätestens nach 12 Monaten zurück und werden wahrscheinlich auf dem Gebrauchtwagenmarkt angeboten. Die Car2Go Smarts sind etwa drei Jahre im Einsatz und danach reif für den Schrottplatz.

Im welchen Städten kommt Carsharing am besten an?

In Berlin wird laut Civity 25% des Umsatzes in Deutschland erwirtschaftet. Mehr als 2000 Fahrzeuge werden hier für Carsharing angeboten, die meisten Fahrten finden in den Bezirken im Zentrum der Stadt statt (Mitte, Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg)

Wie viele Minuten sind die Fahrzeuge ausgelastet?

Die DriveNow Fahrzeuge kommen auf etwa 78 Minuten Auslastung am Tag. Die Car2Go Fahrzeuge sind am Tag 62 Minuten ausgelastet. Die Fahrzeuge von Multicity sind nur 26 Minuten unterwegs. Bei DriveNow ist etwa 650 Fahrzeuge in Berlin unterwegs, bei Car2Go etwa die doppelte Anzahl.

Sind die Angebote Kostendeckend?

Daimler und BMW behaupten, dass die Angebote  kostendeckend wirtschaften. Bei DriveNow werden etwa 24 € pro Fahrzeug und Tag umgesetzt, bei Car2Go sind es 18 €. Um mit diesen Beträgen kostendeckend arbeiten zu können,  ist davon auszugehen, dass die Carsharing Anbieter hohe Rabatte auf die Fahrzeuge erhalten.

Zu welchen Konditionen werden die Fahrzeuge vom Hersteller angeboten?

Es wird angenommen, dass DriveNow mehr als 40% Rabatt auf den Listenpreis der BMW Fahrzeuge erhält (Quelle: GetMobility.de)
Es wird angenommen, dass DriveNow mehr als 40% Rabatt auf den Listenpreis der BMW Fahrzeuge erhält (Quelle: GetMobility.de)

Darüber gibt es keine genaueren Infos. Um bei der geringen Auslastung profitabel wirtschaften zu können, müssten die Hersteller einen großzügigen Rabatt gewähren. Damit DriveNow allein ein Auto mit einem positiven Deckungsbeitrag betreiben kann, müssten die Auto mit einem Rabatt von ca. 30% zum Listenpreis angeboten werden. Da aber auch noch Ausgaben für Angestellte, Werbung und Wartung anfallen, ist anzunehmen, dass der Rabatt weit höher ausfällt, um einen Gewinn zu erwirtschaften.

Wie geht es weiter?

Car2Go will bis 2020 weltweit in weiteren 40 – 50 Städten aktiv werden, das Umsatzziel lieg bei 1 Milliarde Euro pro Jahr. DriveNow will ebenfalls expandieren, aber langsamer. Bis z 15 europäische und 10 amerikanische Metropolen sollen gestartet werden.

Wie können die Gewinne erhöht werden?

Auslastung: Die Nutzerzahl muss gesteigert werden und die Auslastung der Fahrzeuge.

Extra-Services: Außerdem können durch Extra-Angebote die Umsätze und Gewinne erhöht werden. So verlangen die Carsharing Anbieter einen Aufschlag für Fahrzeuge, die am Flughafen geparkt oder abgeholt werden, in Berlin sind das z.B. 4 € pro Fahrt.

Weitere Kategorien: Car2Go bietet in Berlin und Hamburg unter dem Namen Car2Go Black schwarze Mercedes B-Blassen an. Für 10 € pro Stunde und 49 € am Tag können die Autos gemietet werden. Die Fahrzeuge werden an fixen Punkten abgeholt und abgestellt. Benzin ist inklusive und einfache Fahrten, z.B. von Berlin nach Hamburg sind auch möglich.

Freizeitangebote: Drive Now will die Nutzer motivieren, öfters die Autos zu nutzen, in dem Freizeitangebote mit DriveNow Nutzung verkauft werden. In München kann z.B. ein Paket für die Therme Erding gebucht werden, das die Kosten für das DriveNow Auto enthält und ein 4 Stunden Ticket. Die Pakte können einfach über das Interface im Auto gebucht werden.

Werbung: Car2Go experimentiert mit Werbung auf den Fahrzeugen. Unternehmen können für die Produktionskosten und einem Betrag von 6,50 € pro Tag und Fahrzeug die Heckscheiben bekleben lassen. In Berlin sind z.B. 1/3 der Fahrzeuge mit Werbung beklebt. Bei einer dreimonatigen Laufzeit der Werbung bring das für Car2Go einen Umsatz von etwa 200.000 € ohne große Kosten.

Genehmigung der Behörden

Die Städteverwaltungen sind ebenfalls für den langfristigen Erfolg des Carsharings verantwortlich, in dem Sonderregelungen für Carsharing geschaffen werden. In London hat sich Car2Go nach 1 1/2 Jahren wieder zurückgezogen, das kein einheitlicher Parkraum aufgebaut werden konnte. In München dürfen pro Anbieter maximal 500 Fahrzeuge unterwegs sein, außerdem ist das Parken in Anwohnergebieten eingeschränkt.

Nutzerverhalten

Laut Civity Studie sind 50% der Fahrten kürzer als fünf Kilometer. Carsharing entzieht somit dem Taxigewerbe die Fahrten und teilweise auch dem Öffentlichen Nahverkehr. Radfahrer würden auch plötzlich wieder auf das Auto umsteigen.

Ob die Bewohner der Städte mit einem guten Carsharing Angebot dazu neigen, ihre eigenen Fahrzeuge abzuschaffen und vermehrt Carsharing nutzen, ist noch nicht belegt.

In Mailand hat es Car2Go auch geholfen, dass die Carsharing Fahrzeuge von der Maut in der Innenstadt befreit sind, die von der Stadtverwaltung erhoben wird.

Bild: Michael Andersen/Flickr, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Peer-to-Peer Mietwagenanbieter RelayRides erhält weitere 10 Mio. US$ Finanzierung

Das Peer-to-Peer Mietwagen-Unternehmen RelayRides hat die im Juli angekündigte 25 Mio. US$ Finanzierungsrunde um zusätzliche 10 Mio. US$ erweitert und kommt jetzt auf eine Gesamtfinanzierung von 54 Mio. US$. Die aktuelle Finanzierung von RelayRides kommt von Trinity Ventures.

Die Finanzierungsrunde wurde erweitert, da weiterhin großes Interesse seitens der Investoren zu spüren war und mehr finanzielle Mittel einen größeren Spielraum für die Expansion lässt. RelayRides will das Geld für die Entwicklung einer nativen Android App nutzen, außerdem soll die geografische Expansion des Services an Flughäfen aggressiver vorangetrieben werden. Das Unternehmen hat bisher nur eine Mietstation am Flughafen in San Francisco, weitere sollen an anderen Flughäfen folgen, um einen besseren Service bieten zu können.

Gestartet ist RelayRides mit einem Modell, das sich auf die Peer-to-Peer Vermietung von Fahrzeugen im innerstädtischen Bereich konzentriert hat. Nach dem FlightCar mit der Vermietung an Flughafen geparkten Privat-Fahrzeugen gestartet ist, wurde das Geschäftsmodell anscheinend um einen ähnlichen Service erweitert. Die deutschen Unternehmen Tamyca und Autonetzer bieten ein ähnliches Modell an. Das französische Pendant Drivy hat vor kurzem ebenfalls eine Finanzierung im Millionenbereich abgeschlossen.

Bild: RelayRides iOS app von RelayRides.com

Roland Berger veröffentlicht Shared Mobility Studie und stellt 10 Prinzipien für erfolgreiche Etablierung auf

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat eine Studie mit Handlungsanweisungen über das Theme Shared Mobility veröffentlicht. In der Studie werden unter anderem die Themen Ride- und Carsharing behandelt.

Basierend auf eigenen Berechnungen geht Roland Berger davon aus, dass 2020 der Carsharing-Umsatz weltweit auf 3.7 bis 5.6 Milliarden € Umsatz steigt. Der Umsatz von  Ridesharing Diensten wird weltweit auf 3.5 – 5.2 Milliarden € steigen, bei jährlichen Wachstumsraten von 35%. Uber hat im letzten Jahr mehr als 1 Milliarde US$ umgesetzt und dürfte aktuell bei 45 Millionen US$ Umsatz pro Woche liegen. Basierend auf diesen Zahlen dürfte der von Roland Berger für 2020 prognostizierte Umsatz im Ridesharing Bereich eher konservativ ausgelegt sein.

Für existierende Unternehmen, die bisher in einem anderen Geschäftsbereich unterwegs sind und neu im Shared Mobility Bereich starten möchten, werden in der Studie 10 Prinzipien genannt, die laut Roland Berger befolgt werden sollten, um die größten Herausforderung entlang der erfolgreichen Etablierung eines neuen Mobilitäts-Services zu meistern.

Ein wichtiges Prinzip, das am Anfang stehen sollte und in der Studie nicht genannt wird, ist der Hinweis an die Unternehmen, dass sie von Anfang an mit einer disruptiven Idee starten sollen und nicht mit einem Produkt in einen Seit Jahren bestehenden Markt eintreten sollen. Bei dem Vergleich von Lyft und MyDriver sieht man z.B., dass es viel schwieriger ist, in dem Markt von MyDriver erfolgreich Fuß zufassen, als in dem Markt von Lyft. Das liegt unter anderem daran, dass Lyft Personen an spricht, die sich davor mit anderen Verkehrsmittel fortbewegt haben, z.B. mit öffentlichem Nahverkehr oder eigenem Fahrzeug. Das grundlegende Mobilitäts-Verhalten der Nutzer wird so von Lyft geändert und gemeinsam neu geformt. MyDriver setzt hingegen hauptsächlich auf die Vermittlung von Limousinen an schon bestehende Limousinennutzer, die eine hohe Erwartungshaltung und ein bestehendes Verhalten haben und auf einen ihnen bereits bekannten Service nicht verzichten wollen.

Im Nachfolgenden sind die 10 Prinzipien zusammengefasst und teilweise Ergänzt, die Roland Berger in der Studie „Shared Mobility“ Mitte Juli 2014 veröffentlicht hat.

1. Prinzip: „First think big, then think profits“

Die Autoren sind der Meinung, dass Startup- und Wachstumsphase von neugegründeten Unternehmen im Shared Mobility Bereich zusammenfallen. Startups, die behutsam daran arbeiten, ein Fundament ihrer Firma aufzubauen, gehen das Risiko ein, abgehängt zu werden. Im Bereich der Shared Mobility können Personen die selben guten Ideen haben und diese schnell umsetzen. Der kritische Faktor ist, sich schnell einen Namen bei den Kunden zu verschaffen, um seinen Bereich abzustecken. Die Finanzierung von Startups im Shared Mobility Bereich wird als einfach angesehen, was zu diskutieren wäre.

Erst später müssen die Firmen die Veränderung von extremen Wachstum zu stetigem Wachstum vollziehen, um dauerhaft Geld zu verdienen.

2. Prinzip: „Push Supply To Pull Demand“

Dieses Prinzip bedeutet nicht, dass neue Services sofort weltweit ausgerollt werden müssen. Es ist sinnvoll den neuen Shared Mobility Service auf regionalen oder lokalen Level zu starten, auch wenn geplant wird den Service weltweit zu skalieren. Es ist wichtig, dass in dem ersten Markt genügend Supply zur Verfügung steht und der Service buchbar ist. Sollte das nicht der Fall sein und Kunden somit Probleme haben, den neuen Service zu buchen, werden sie schnell das Interesse verlieren und den Service als unbrauchbar abstempeln. Es wird schwierig sein, dieses Image wieder los zu werden.

3. Prinzip: „Build Trust in Your Company“

Beim Teilen ist Vertrauen sehr wichtig. Erfolgreiche Shared Mobility Unternehmen haben es geschafft, eine Community um ihr Produkt aufzubauen. Beispiele sind zum Beispiel Lyft und Uber. Außerdem ist es wichtig, dass Shared Mobility Unternehmen transparent darlegen, wie sie arbeiten und was ihre Ziele sind. Hilfreich ist auch, bestimmte Mechanismen einzuführen, um das Vertrauen zu fördern. Dazu gehören z.B. Bewertungsmöglichkeiten von Fahrer und Fahrgast, bei denen die Ergebnisse mit beiden Seiten geteilt werden. So kann der Fahrer den Fahrgast besser einschätzen und der Fahrgast den Fahrer. Von Unternehmensseite ist auch die Überwachung solcher Mechanismen nötig, um Frühzeitig handeln zu können.

4. Prinzip: „Interact, integrate and connect with other mobility modes!“

Das Ziel der meisten Personen ist,  so schnell, einfach und günstig wie möglich von A nach B zu kommen. Das Bedürfnis nach individueller Mobilität steht dabei weiterhin im Vordergrund. Wer auf sein eigenes Fahrzeug verzichtet, möchte am Liebsten keine Einschränkungen bei der Fortbewegung haben. Deswegen ist es wichtig, dass die einzelnen Arten der Fortbewegung intelligent verknüpft werden, so dass ein umfassendes Netz aus Möglichkeiten für Fern- und Nahverkehr entsteht. Shared Mobility Anbieter sollten diese Kette aus verschiedenen Angeboten organisieren und nicht die Nutzer. Das heißt nicht, dass sie alles selber anbieten müssen, viel mehr kommt es darauf an, dass die Verknüpfungen aufgebaut werden.

Einerseits ist hier die technische Verknüpfung entscheidend, damit die Nutzer ohne Probleme die andockten Dienste buchen und bezahlen können. Andererseits ist es wichtig, dass unterschiedliche Arten von Mobilitäts-Services verbunden werden. Zum Beispiel würde es Sinn machen, Services für Langstrecken, wie Fernbusse oder Zugangebote mit Services für die innerstädtische Fortbewegung zu verbinden. Auch die Verknüpfung der Mobility Services im innerstädtischen Bereich würden Sinn machen.

5. Prinzip: „Study Your Customers – Then Study Them Some More!“

Wenn Shared Mobility Unternehmen ihre Kunden nicht kennen und sie nicht wissen, was die Nutzer wollen, dann werden sie es nicht schaffen, erfolgreich zu sein.

Grundsätzlich bringen Shared Mobility Unternehmen Marktteilnehmer mit unterschiedlichen Absichten zusammen. Die eine Seite der Marktteilnehmer will den Service nutzen und dafür bezahlen, die andere Seite der Marktteilnehmer will die Ressourcen, die für die Erfüllung des Services nötig sind, zur Verfügung stellen und daran verdienen. Shared Mobility Unternehmen müssen die Interessen beider Seiten beachten, als Vermittler auftreten und die Kommunikation zwischen beiden Seiten betreuen.

Häufige Nutzer von den neuen Shared Mobility Services sind Personen aus der Generation Y oder Z, mit deren langanhaltender Loyalität nicht gerechnet werden sollte. Kleinste Änderungen im Geschäftsmodell oder verschlafene Weiterentwicklungen führen dazu, dass Nutzer auf nicht mehr wiedersehen verloren sind.

Letztendlich sind Anbieter im Shared Mobility Bereich Technologieunternehmen, die die gesammelten Daten über das Verhalten der Nutzer verwenden sollten, um noch bessere und individuellere Produkte anbieten zu können.

Hierbei ist wichtig, dass Unternehmen ihr Angebot schnell weiterentwickeln, regelmäßig testen und analysieren und laufend sinnvolle Anpassungen vornehmen.

6. Prinzip: „Keep It Simple And Convenient“

Nutzer wollen ein Produkt, dass einfach zu nutzen ist, keine Zeit bei Anmeldung und Nutzung verschwendet und bei dem sofort klar ist, was die Vorteile sind. Transparenz und Klarheit auf allen Ebenen sorgt für einen erfolgreichen Start. Die Hürden für Kunden, um sich für den Service zu registrieren und um den Service zu nutzen, müssen so minimal wie möglich sein. Der Buchungsprozess muss Transparent sein und alle Kosten sollten offen kommuniziert und ersichtlich sein. Zusätzlich sollten im Buchungsprozess keine Fehler möglich sein und die Anzahl an notwendigen Buchungsschritte sollte so gering wie möglich sein. Neben der Buchung ist auch die Abrechnung entscheidend, diese muss auch transparent sein und automatisch stattfinden.

7. Prinzip: „Build Your Own Ecosystem“

Für Shared Mobility Anbieter ist es wichtig, dass sie ein Ökosystem bestehend aus weiteren Services, Produkten und Funktionen rund um das eigene Produkt aufbauen und eine starke Marke entwickeln. Kunden freuen sich über gut integrierte Angebote, die häufig durch strategische Partnerschaften geschaffen werden können. Diese strategischen Partnerschaften finden häufig auf lokaler Ebene statt. Ein funktionierendes Ökosystem, von dem die Nutzer profitieren und an dem die Nutzer Spaß haben, steigert die Loyalität und erhöht die Hürden, dass ein Nutzer zur Konkurrenz wechselt.

8. Prinzip: „Lobby The Authorities Right From The Start“

Die existierenden Gesetze im Transportbereich wurde in den meisten Fällen verabschiedet oder zuletzt angepasst, als es die neuen Shared Mobility Services noch nicht geben hat. Häufig sind bestehende Mobilitäts-Angebote, wie der Taximarkt oder bis vor ein paar Jahren auch noch der Fernstrecken-Markt durch gesetzliche Regelungen geschützt. Hier ist es hilfreich, früh den Kontakt zu den regulierenden Behörden und Entscheidern zu suchen, um eine Anpassung der Regulierungen frühzeitig anzustreben.

Hinzu kommt, dass die bestehenden Mobilitätsangebote häufig von der öffentlichen Hand betrieben oder von öffentlicher Hand unterstützt werden. Hier sollten neue Anbieter versuchen, sich mit den lokalen Entscheidern an einen Tisch zu setzen, um sie auf ihre Seite zu bringen. In Deutschland ist das den Carsharing Anbietern gut gelungen, z.B. was das Parken im Free Floating Modell betrifft oder was durch Partnerschaften mit dem öffentlichen Nahverkehr in manchen Städten sichtbar wird.

9. Prinzip: „Think, Act And Recruit Like A Startup“

Dieses Prinzip spricht eingesessene Unternehmen an, die im Shared Mobility Bereich mit einem Produkt oder einem Unternehmen starten wollen. Wichtig ist, dass Personen an Board geholt werden, die für die Idee brennen und gemeinsam für die Idee kämpfen. Kreative Freiräume sind vorhanden und werden von den Mitarbeitern auch genutzt, Hierarchien sind flach und der Wille einen Markt aufzurollen, ist vorhanden.
Entscheidend ist, dass Unternehmen beweglich bleiben und wachsen aber gleichzeitig einen  Halt durch Struktur und Prozesse bieten.

10. Prinzip: „Harness A Jaw-Dropping Look And Feel“

Anbieter im Shared Mobility Bereich werben damit, dass ihre Angebote effizienter, Ressourcen schonender und vernetzter sind und die Gemeinschaft mehr betonen. Gemeinsam kreieren sie eine neue Era in der Personenbeförderung. Dieses Ambitionen sollten sich im jedem Aspekt des Images und der Marktpräsenz reflektieren. Wichtig ist, dass die Unternehmen auf neuste Technologien setzten, die auch fehlerlos umgesetzt werden und nutzbar sind. Neben den technologischen Aspekten spielt auch ein herausragendes und ansprechendes Design eine entscheidende Rolle, um den Unterschied zu den bestehenden Anbietern zu verdeutlichen.  Nutzer müssen begeistert und süchtig den neuen Shared Mobility Services sein.

Die Begeisterung darf nicht nur durch Design und Technik hervorgerufen werden, erfolgsentscheidend ist auch ein herausragender Kundenservice und ein super Erlebnis während der Benutzung des Services. Bei Carsharing-Anbietern wäre das die Begeisterung, die durch die Ausstattung, den Zustand und die Fahreigenschaften des Fahrzeugs erzeugt wird. Bei Ridesharing-Angeboten wird die Begeisterung auch durch den Service und das Auftreten des Fahrers erzeugt, sowie durch den Zustand des Fahrzeugs.  Hier kann durch standardisierte Schulungen und einheitliche Vorgaben eine Kontinuität erreicht werden.

Insgesamt gibt die Studie einen guten Überblick über die Erfolgsfaktoren bei der Etablierung von Shared Mobility Angeboten, entscheidend ist aber die Umsetzung. Hier liegen im Moment die Anbieter wir Uber, Lyft oder BlaBlaCar vorne. Deutsche Anbieter, wie Mitfahrgelegenheit oder myTaxi haben gefühlt den Anschluss verpasst. Auf dem Roland Berger Blog Think-Act wurde zum Theme Shared Mobility eine Beitragsreihe gestartet.

Photo: mobility von Martin Abegglen, Lizenz: CC BY-SA 2.0