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Ride-Pooling: Unpassende Argumente in der Diskussion um neue Mobilitätsangebote

Am Sonntag haben wir uns den Aprilscherz erlaubt und darüber berichtet, dass das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) angepasst wurde. Heute wollen wir darlegen, warum Argumente, die in der Diskussion über Ride-Pooling und -Sharing genutzt werden, nicht immer passend sind.

In den Diskussionen der letzten Tagen und Wochen, die sich mit dem Thema Ride-Sharing und anderen innovativen Mobilitätsangeboten auseinandergesetzt haben, wurden teilweise Argumente in den Raum gestellt, die für fälschlicherweise zu Verunsicherung, Angst und Missverständnissen geführt haben.

Amerikanische Studien als Diskussionsgrundlage

Amerikanische Studie, über das Verhalten in Manhattan, werden in Diskussionen häufig genutzt und es wird versucht, die Erkenntnisse auch auf die hiesigen Städte anzuwenden. Dabei sind die Voraussetzungen deutlich anders und nicht auf lokale Großstädte wie Berlin oder Hamburg zu übertragen. Manhattan, bzw. New York City ist eine Stadt, in der das ÖPNV System veraltet und enorm ausgelastet ist. Die Zahl der Taxen ist limitiert und die Qualität der Fahrzeuge und Fahrer könnte besser sein. Da liegt es auf der Hand, dass die Bewohner auf Ride-Sharing Dienste ausweichen.

Anstatt auf Basis von nicht passenden Studien zu argumentieren, sollte aus Kundensicht gedacht und argumentiert werden. Wer ohne eigenes Auto in Großstädten wohnt, muss immer noch Komforteinbußen in Kauf nehmen, diese Lücke gilt es zu schließen. Eigene Daten müssen erhoben und ausgewertet werden.

Ride-Pooling soll Taxifahrern das Geschäft wegnehmen

Es wird darauf rumgeritten, dass Ride-Sharing Dienste zu Dumpingpreisen angeboten werden und so die Geschäftsgrundlage der Taxifahrer zerstören. Dass es sich bei den aktuellen Ride-Sharing Angeboten Moia in Hannover, Allygator Shuttle in Berlin oder ioki in Frankfurt um Testfelder handelte, um Technologie und Setup zu erproben, geht dabei unter. Sogar renommierte Medien, wie der NDR blenden aus, dass es sich dabei um Test-Angebote handelt, die im limitierten Umfang angeboten werden. Im Realbetrieb werden die Kosten für eine Ride-Sharing Fahrt nah an den Kosten eine Taxifahrt liegen und deutlich über den ÖPNV, siehe CleverShuttle in Berlin oder ViaVan in Amsterdam.

Und das Geschäft wird nicht weniger, sondern tendenziell mehr. Vielmehr ergeben sich durch eine komfortable Mobilitätslandschaft enorme Möglichkeiten für alle. Sollte auch nur ein kleiner Prozentsatz der Autofahrer in einer Stadt wie Berlin auf andere Verkehrsmittel wechseln, werden die bestehende Ressourcen an ÖPNV und Taxen nicht ausreichen. In einer Stadt wie Berlin werden pro Tag etwa 4 Mio. Fahrten mit dem motorisierten Individualverkehr (MIV) zurückgelegt, um die 30% aller zurückgelegter Wege an einem Tag. Die Taxifahrer werden an guten Tagen etwa 100.000 bis 150.000 Fahrten absolvieren, also nur einen kleinen Bruchteil vom Gesamtkuchen (etwa 3-5% aller MIV Fahrten) motorisierter Individualverkehr. Das heißt, dass die meisten MIV Fahrten (mehr als 90%) mit einem Privatfahrzeug zurückgelegt werden. Jede Verschiebung von wenigen Prozentpunkten, würde das System Taxi an die Leistungsgrenze bringen. Sollten 10% der Autofahrer entscheiden, dass sie ihr Fahrzeug stehen lassen, würde das bedeuten, dass etwa 400.000 Fahrten pro Tag mit anderen Verkehrsmitteln abgedeckt werden müssen. Eine riesige Chance für die Taxibranche, den ÖPNV und auch für Ride-Sharing Anbieter.

MOIA, ioki und co. sei alter Wein in neuen Schläuchen

Die neuen Angebote seien nichts anderes, als die bestehende Rufbus und Sammeltaxi Angebote. Vom Prinzip her mag das richtig sein, da sich mehrere Fahrgäste ein Fahrzeug teilen. Der entscheidende Unterschied liegt in der vereinfachten Buchung per App und noch wichtiger, in der bedarfsgerechten Steuerung der Verfügbarkeit. Bestehende Shuttle-Angebote (der sogenannte Rufbus) müssen vorgebucht werden, sind nur per Hotline buchbar und verfügen über eine lange Anfahrtszeit. Damit können Autobesitzer nicht überzeugt werden, ihr eigenes Fahrzeug abzuschaffen. Die Taxi-Branche hat es einfach verschlafen, eine gute Produktidee weiterzuentwickeln.

Die Fahrzeuge der Ride-Pooling Dienste verpesten die Umwelt

Es ist oft zu lesen, dass Ride-Pooling Dienste Fahrzeuge mit Dieselmotor im Einsatz haben und so zur Luftverschmutzung beitragen. Tatsächlich nutzen Anbieter wie Moia, ioki oder door2door auch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Das liegt aber auch daran, dass auf dem Markt keine passenden Fahrzeuge mit Elektroantrieb zeitnah verfügbar sind. Die meisten Anbieter bekräftigen aber, dass sie in Zukunft auf E-Fahrzeuge umstellen werden und entwickeln teils auch aktiv auch passende Fahrzeuge. Dass es aber auch anders geht, zeigt der Anbieter CleverShuttle. Das Unternehmen setzt ausschließlich auf umweltfreundliche Fahrzeuge mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb. Im kleineren Rahmen ist das machbar, ist aber auch mit enormen Kosten für Fahrzeugbeschaffung und Infrastruktur verbunden.

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