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Interview mit Maxim Nohroudi: Wer kontrolliert die Mobilitätsplattform? Das ist die zentrale Frage!

Maxim Nohroudi, Gründer und Managing Director des Technologieunternehmens door2door, spricht über die Stärken eines on-demand ÖPNVs, und über door2doors Mobilitätsplattform, mit der die Städte Freyung und in Duisburg ab September den Bürgern neue Mobilität anbieten werden.

Maxim, Stadt oder Land? Wo ist ein on-demand ÖPNV eigentlich sinnvoller?

Genau das wollen wir ja zeigen: In beiden Umgebungen ist ein on-demand ÖPNV absolut sinnvoll. Unser Ziel war es bis zum Spätsommer, sowohl in einer ländliche Stadt als auch in einer Metropole, die positiven Effekte sichtbar zu machen. Wir freuen uns sehr dass wir die ersten sind, denen das gelungen ist.

Gibt es denn Unterschiede?

Auf dem Land erhöhen wir damit die Mobilität der Bürger ganz erheblich. Plötzlich macht ÖPNV die Menschen wieder mobil – unabhängig vom eigenen Auto. Wir schaffen damit einen Nahverkehr, der für alle jederzeit zugänglich und kostengünstig ist. Busse, die dann nur dreimal am Tag halten und Sonntags gar nicht verkehren sind Geschichte. Die Kreisstadt Freyung in Niederbayern macht mit dem “Freyung-Shuttle” seine Bürger flexibler und unabhängiger.

In der Stadt hingegen wird ein on-demand ÖPNV die Straßen massiv entlasten und durch wegfallende Parkplätze Platz für nachhaltige Stadtentwicklungen schaffen. Eine Studie der OECD über die Stadt Lissabon ergab, dass mit nur 3% shared, on-demand Shuttles insgesamt 97% der privaten Fahrzeuge auf den Straßen ersetzt werden können. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Shuttles in den bestehenden ÖPNV eingebettet sind. Gemeinsam mit der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) werden wir in der Ruhrmetropole die positiven Effekte Schritt für Schritt erfahrbar machen.

Die Basis für das on-demand Ridesharing – in Freyung und in Duisburg – ist die Mobilitätsplattform von door2door. Was genau unterscheidet diese von anderen Rideshare-Anbietern?

Unsere Wette war: Städte wollen eigene Mobilitätsplattformen haben, die sie autonom, unabhängig und autark betreiben. Sie wollen selber entscheiden, wie die Mobilität in ihrer Stadt funktioniert, zu welchem Preis, mit welchen Angeboten und vor allem: verbunden mit existierenden Angeboten des ÖPNV – also Bus, Tram oder U-Bahn. Sie wollen letztlich die Hoheit über die Plattform haben und das finde ich auch richtig so. Genau das machen wir. Door2Door stellt Städten und Verkehrsunternehmen genau so eine Lösung zur Verfügung. Dadurch können die Städte neue Mobilitätsprodukte einführen – wie in Freyung oder Duisburg – oder aber auch andere Player in die Plattform integrieren – bspw. Car- oder Bikesharing.

Andere Rideshare-Anbieter wollen gleichzeitig auch innerhalb der Plattform Mobilitätsprodukte anbieten und vor Ort selber betreiben. Damit entsteht ein gefährlicher Interessenkonflikt, denn keiner wird dadurch den ÖPNV stärken, sondern im Zweifel sein eigenes Mobilitätsprodukt nach vorne pushen, um mehr Geld zu verdienen. Das haben die Städte erkannt. In Manhattan haben wir durch solche Mobilitätsservices mittlerweile 50.000 Fahrzeuge mehr auf der Straße. Also mehr Staus, mehr CO2 und noch weniger Parkplatzraum. Das ist dann eben das Ergebnis, wenn die Stadt nicht die Hoheit über die Plattform hat und intelligent steuert.

Wir sehen uns als ‘Enabler’ unserer Partner und befähigen Kommunen und öffentliche Verkehrsbetriebe, selber – also eigenständig und unabhängig – Ridesharing Angebote einfach zu implementieren und zu betreiben. In Freyung werden die lokalen Beförderungsunternehmen und in Duisburg die Duisburger Verkehrsgesellschaft den Service betreiben.

Die Stadt, die Kommune und der ÖPNV Anbieter sind also gemeinschaftlich Betreiber der Mobilitätsplattform und stehen im Mittelpunkt der neuen Angebote. Sie kontrollieren die Plattform selber. Kein Dritter, mit eigenen Mobilitätsinteressen. Genau das bieten wir und unterscheidet uns von allen anderen Anbietern. Wir legen großen Wert auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Dann ist door2door also gar nicht interessiert daran, irgendwann mal eigene Fahrzeuge zu besitzen und zu betreiben?

Nein, das ist nicht unsere Absicht. Wir verfolgen die Vision einer Welt ohne private PKWs und sind uns bewusst, dass Städte, Kommunen und Verkehrsträger auf wichtige Erfahrungswerte zurückgreifen können. Als Technologieunternehmen können wir aber digitale Lösungen anbieten, die das bestehende Angebot optimieren und den Betrieb vereinfachen. Das ist unser Beitrag zum großen Ganzen.

Zurück zu Freyung: Warum macht eine ländliche Kommune sowas?

Digitalisierung im ländlichen Raum bietet enorme Chancen für den öffentlichen Nahverkehr. Ein on-demand-ÖPNV stärkt die öffentliche Daseinsvorsorge mit einer effizienten Verbindung von Angebot und Nachfrage und deutlich geringeren Kosten für Landkreise und Kommunen. Durch das Ridesharing, also das Teilen von Fahrten, wird der Preis des ÖPNV insgesamt kostengünstiger, da er effizienter genutzt wird und so kosteneinsparungen möglich werden. Der Freyung Shuttle wird die eingesetzten Fahrzeuge effizient auslasten und dementsprechend eine höhere Abdeckungsrate erzielen. Weiterhin kommen auf die Stadt Freyung keine zusätzlichen Investitionskosten in Fahrzeuge oder Mitarbeiter zu, da vor Ort bereits alles vorhanden ist und der Betrieb schnell aufgenommen werden kann.

Aber werden die Bürger Freyungs dieses Angebot auch nutzen?

Der Stadtrat hat – einstimmig! – beschlossen das System einzuführen. Darauf ist der Bürgermeister, Dr. Olaf Heinrich, zu Recht sehr stolz. Das zeigt, wie groß die Unterstützung ist, über alle Parteien hinweg. Als ich selbst vor Ort war, konnte ich mir ein Bild von der innovativen Gemeinde machen, die sogar kostenloses Wlan in der ganzen Stadt zur Verfügung stellt – da kann sich Berlin noch eine Scheibe abschneiden. Die Voraussetzungen sind also hervorragend gegeben.

Maxim Nohroudi, kannst du dieses “Große Ganze” einmal weiter beschreiben? Wie sieht die Mobilität der Zukunft für dich aus?

Die Zukunft der Mobilität ist ganz klar von selbstfahrenden Autos bestimmt. Darin besteht kein Zweifel. Der Verkehr wird anhand von künstlicher Intelligenz stetig optimiert und die Menschen werden keine eigenen Autos mehr besitzen – außer vielleicht als Hobby. Aber die Fortbewegung wird insgesamt viel einfacher werden und für die meisten Menschen überhaupt kein Kopfzerbrechen mehr darstellen. Unsere Plattform ist der erste Schritt in diese Richtung, denn sie hilft den öffentlichen Verkehrsträgern, sich zu digitalisieren und sich auf die Anforderungen des “Großen Ganzen” bereits heute einzustellen. Heute fahren die Shuttles noch mit Fahrern, in der Zukunft sind es autonome “People Mover” die uns komfortabel von A nach B bringen. Manche auch in der Luft.

Bild: door2door (alle Rechte vorbehalten)

Allygator Shuttle zieht es nach Bayern: Freyung Shuttle als Ergänzung zum ÖPNV

Bisher hat das Unternehmen door2door in Berlin unter dem Namen Allygator Shuttle einen on-demand Shuttle Dienst angeboten. Mit diesem operativen Show Case wurde jetzt die Bayerische Stadt Freyung überzeugt. Die Kreisstadt unterzeichnet mit dem Berliner Unternehmen door2door eine Vereinbarung zur bundesweit ersten On-Demand-ÖPNV Lösung im ländlichen Raum.

Kleine Shuttle als ÖPNV Lösung im ländlichen Raum

Mitte September soll es mit dem Angebot losgehen. Die Einwohner der Kreisstadt können per App den Shuttle Service flexibel buchen. Über die angepasste White-Label App werden Start und Ziel eingegeben. Die Nutzer erhalten vorab die Information, wie viel die Fahrt kostet, die maximale Fahrzeit und wie lange es braucht bis der Shuttle sie abholen kommt. Danach kann man in der App verfolgen, wie sich das Fahrzeug zum Abholort nähert. Der Algorithmus berechnet im Hintergrund die optimalen Routen und verbindet die Fahrgäste, die in der gleichen Richtung unterwegs sind. Bei etwa 7.300 Einwohnern dürften die Überschneidungen eher gering sein. Ein Fahrplan wird für den Dienst nicht benötigt, da die Fahrten nach Nachfrage stattfinden.

Komfortables Angebot in Freyung zu geringeren Kosten

Die Stadt Freyug will mit dem neuen Service den öffentlichen Nahverkehr verbessern. „Wie an vielen Orten im ländlichen Raum kann der ÖPNV in Freyung die Bedürfnisse der Bürger aktuell nicht optimal bedienen“, betont Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich. Bisher ist vor allem eine flächendeckende Abdeckung mit den herkömmlichen Bussen nicht möglich. „Gemeinsam mit door2door schaffen wir jetzt ein digitales Angebot, mit dem die Menschen ganz einfach und sehr komfortabel von A nach B gelangen. Wir sind davon überzeugt, dass wir dadurch die Qualität der Mobilität enorm verbessern und gleichzeitig die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr reduzieren können.“

Immer mehr Städte starten Überlegungen, einen eigenen on-demand Dienst aufzubauen oder mit bestehenden Anbietern zu kooperieren. Die BVG plant einen intelligenten Shuttle Dienst in Berlin. In den USA und Kanada kooperieren mehrere Städten mit Uber oder Lyft, um so das Mobilitätsangebot der Städte ohne große Investitionen zu verbessern.

door2door Plattform als Grundlage

Grundlage für den neuen Service ist die Mobilitätsplattform von door2door. Damit können Unternehmen und Kommunen eigenständig neue intelligente Mobilitätsangebobte aufbauen und betreiben. Die neuen Dienste lassen sich in die bestehende Verkehrsinfrastruktur integrieren und durch laufende Datenanalyse  können sie laufend optimiert werden. Langfristig sollen vollautomatisierte Fahrzeuge als Shuttles zum Einsatz kommen.

Bild: door2door (alle Rechte vorbehalten)