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Essenlieferdienst: Munchery streicht Stellen, Gründer gehen

Essenlieferdienste tun sich weiterhin schwer, ein profitables Geschäftsmodell aufzubauen. Im letzten Jahr konnten schon einige Bewegungen identifiziert werden, die diese Entwicklung nahelegen. Entweder mussten Lieferstartups im großen Stil Stellen streichen, die Unternehmensbewertung nach unten korrigieren oder sie waren nicht mehr in der Lage, weitere Finanzierung einzusammeln. Diesem Trend scheint sich jetzt das Unternehmen Munchery anzuschließen. Ein größerer Teil der Angestellten wurde entlassen und die beiden Gründer müssen ebenfalls gehen.

Munchery kocht die Gerichte in eigenen Küchen und lässt sie dann von Kurieren ausliefern. Das Unternehmen ist bisher nur in den USA aktiv, dürfte aber als Vorbild für Pronto und EatFirst gedient haben. Pronto und EatFrist haben versucht, dieses Modell in Europa zu etablieren und sind damit gescheitert. Pronto musste aufgeben und EatFirst hat sein Geschäftsmodell mehrmals geändert.

Das Geschäftsmodel von Munchery und co. wird als komplex angesehen. Auf der einen Seite muss die Lieferkette profitabel ausgerichtet werden, auf der anderen Seite müssen die eigenen Küchen ausgelastet werden. Nicht ausgelastete Fahrer und Köche lassen die Verluste schnell steigen, da keine Skalierungseffekte einsetzen.

Laut einem Report von Bloomberg hat Munchery in der Zeit von September 2014 bis July 2016 um die 650.000 Gerichte produziert, die nicht verkauft wurden. Viele dieser Gerichte sind letztendlich im Müll oder bei Hilfsorganisationen gelandet. Geld verdienen lässt sich mit einer Verschwendung auf diesem Niveau natürlich nicht. Die Verluste des Unternehmens sollen sich auf 5 Mio. US$ pro Monat belaufen. Insgesamt flossen 120 Mio. US$ bisher in das Unternehmen. Die letzte Finanzierung wurde Mitte 2015 abgeschlossen. Demnach ist es möglich, dass das Unternehmen im Moment versucht, weiteres Geld einzusammeln, da von der bisherigen Finanzierung nicht mehr viel übrig sein dürfte.

Investoren haben in den letzten Jahren Milliarden in den Markt der Lieferdienste für Essen investiert. Bisher haben es aber wenige Unternehmen in dem Bereich geschafft, ein profitables und nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen. In Europa tun sich Foodora und Deliveroo schwer, ein nachhaltiges Konzept zu etablieren. Die Anbieter Take Eat Easy, Pronto und Tok Tok Tok mussten bereits aufgeben. In den USA hatte Postmates Probleme, eine neuen Finanzierungsrunde abzuschließen und DoorDash musste seine Bewertung nach unten korrigieren. Gleichzeitig investieren Uber und Amazon aggressiv in ihre Lieferdienste für fertige Gerichte.

Bild: Munchery (alle Rechte vorbehalten)

Amazon Restaurants Lieferservice startet in London

Der Markt für Restaurant-Lieferdienste in Europa wird durch Amazon aufgemischt. Seit Juli wurde vermutet, dass Amazon einen Lieferservice für Gerichte von angesagten Restaurants startet, jetzt ist es soweit. Amazon Prime Nutzer können den Service über die Amazon Prime Now App in einigen Gebieten in London buchen. Mit Amazon Restaurants steigt der amerikanisch E-Commerce Riese in einen Markt ein, der bisher von UberEats und Deliveroo in London dominiert wird. Beide Anbieter erhalten eine ernstzunehmende Konkurrenz.

Im Gegensatz zu Deliveroo verlangt Amazon keine Liefergebühr, dafür liegt der Mindestbestellwert bei 15 GBP. Bei Deliveroo lieg die Liefergebühr bei 2.49 GBP in London, der Mindestbestellwert bei 12.50 GBP. UberEats verlangt keine Liefergebühr und ein Mindestbestellwert fällt auch nicht an. Amazon sagt, dass die Preise für die Gerichte in der App nicht teurer sind, als in den Restaurants. Es soll also keine Aufschläge geben. Sollte ein Kunde im Restaurant einen günstigeren Preis sehen, erstattet Amazon die Kosten dafür.

Wettbewerb um Kunden und Fahrer wird härter

Der Einstieg von Amazon wird den Wettbewerb auf mehreren Fronten anheizen. Auf der einen Seite wird der Druck bei der Kundenakquisition erhöht. Bisher überbieten sich Deliveroo und UberEats bei Rabattaktionen, Amazon hat genügend finanzielle Mittel und Durchhaltevermögen, um diesen Preiskampf über eine lange Zeit mitzugehen. Auf der anderen Seite wird der Kampf um Fahrer härter. Auch hier versuchen die beiden Marktgrößen, sich gegenseitig die Fahrer abzuwerben bzw. zum Einsatz zu bewegen. Die meisten Kuriere sind bei beiden Plattformen registriert und wechseln zwischen beiden Plattformen hin und her. Entscheiden dafür sind die Verdienstmöglichkeiten, also Auftragslage und Bezahlung pro Auftrag.
Amazon Restaurants wird diesen Kampf weiter anheizen, auch wenn davon auszugehen ist, dass Amazon seine Kuriere weiter auslasten wird, die jetzt schon im Einsatz sind um die Prime Now Pakete zuzustellen.

Amazon Restaurants seit 2015 in den USA

Bisher war Amazon Restaurants nur in den USA verfügbar, mit London kommt die erste europäische Stadt dazu. In Seattle ist der Service im September 2015 gestartet, darauf folgten Manhattan, Dallas, San Francisco, Los Angeles, Chicago, San Diego, Austin, Atlanta, Miami, Baltimore und Portland. In Europa haben schon einige Restaurant-Lieferservice im Margen-schwachen Markt aufgegeben. Neben Take Eat Easy musste auch Porto das operative Geschäft einstellen. Rocket Internets Foodora hat sich schnell aus London wieder zurück gezogen und Valk Fleet hat den Betrieb auch eingestellt. Die finanzielle Power von Amazon dürfe einigen Gründer von ähnlichen Geschäftsideen schlaflose Nächte bereiten.

Bild: Amazon Webseite (alle Rechte vorbehalten)

Essenlieferdienst Pronto gibt auf

Pronto, der Lieferdienst für Gerichte gibt auf. Das Unternehmen hatte ein limitiertes Angebot an warmen gesunden Gerichte, Desserts und Getränken im Angebot. Die Gerichte wurden dabei selbst gekocht/aufgewärmt und kamen nicht von angesagten Restaurants wie bei Foodora oder Deliveroo. Das Ende von Pronto hat sich bereits in der letzten Woche angekündigt, damals wurde überraschend eine kurze Pause angekündigt. Der Kundenservice hat damals noch von ein paar Tagen gesprochen. Es ist nicht davon auszugehen, dass Pronto seinen Betrieb nochmal aufnimmt.

Gesunde Gerichte und eigene Küche

Das Startup hat im vergangenen Jahr eine Finanzierung von 1.6 Mio. US$ eigesammelt, unter anderem von Seedcamp, Planfair Capital, Business Angels und strategischen Investoren. Die Finanzierungssumme wurde hauptsächlich für den Aufbau der Küchen und die Bezahlung der Fahrer genutzt. Pronto hat sich auf gesunde Gerichte konzentriert. Pronto war bisher nur in London aktiv. Es wurden eigene Küchen an unterschiedlichen Orten in der Stadt eröffnet, um die Gerichte innerhalb von 20 Minuten zustellen zu können. Die Bestellungen wurden gruppiert, um eine höhere Auslastung der Fahrer zu erreichen. Die Zustellung erfolgte mit selbstständigen Fahrern, die meist mit Roller oder Fahrrad unterwegs waren.

Hohe Logistikkosten als Herausforderung

Dem Unternehmen sind die hohen Logistikkosten auf die Füße gefallen. Wie bei allen on-demand Lieferservices muss in den Peak-Zeiten genug Umsatz erzielt werden, um die Kosten außerhalb der Stoßzeiten zu decken. Pronto ist es in den letzten Monaten nicht gelungen, seine Unit-Economics so auszurichten, dass es für weitere Investoren interessant gewesen wäre, zu investieren. Wenig hilfreich dürfte auch das Aus von Take Eat Easy gewesen sein und die große Finanzierungsrunde von Deliveroo. Gerüchteweise war es für Deliveroo auch schwieriger Geld einzusammeln, als gedacht. Das Startup mit der schwarzen Fliege als Markenzeichen hat auch keinen Mindestbestellwert erhoben, die meisten Gerichte waren für etwa 9.50 Euro zu haben. Mit so einem geringen Bestellwert ist es schwierig, ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen.

Auch Rocket Internet ist mit Modell gescheitert

In der Vergangenheit hat Pronto auch durch die Partnerschaft mit dem Roboter-Startup Starship Technologies aufmerksam erzeugt. Starship Technologies entwickelt kleine autonome Lieferroboter, Pronto wollte diese für die Lieferung von Gerichten nutzen. Rocket Internet hat sich mit EatFirst mit einem ähnlichen Konzept versucht. EatFirst ist mittlerweile nur noch in London aktiv und liefert ausschließlich Gerichte, die in der Mikrowelle erwärmt werden müssen. Zuerst wurden auch warme Gerichte ausgeliefert, die in einer eigenen Küche zubereitet wurden.

Bild: Pronto (alle Rechte vorbehalten)

Deliveroo bekommt 275 Millionen US-Dollar

Deliveroo, der Essen-Lieferservice hat weitere 275 Millionen US$ an Finanzierung eingesammelt. Dabei soll das Unternehmen mit einer Summe von einer Milliarde US$ bewertet worden sein. Bridgepoint steigt als neuer Investor ein und hat auch die letzte Runde angeführt.

Das Unternehmen will mit dem Geld in weitere Märkte expandieren, ein Teil der Finanzierung wird auch in den Aufbau der bestehenden Städte fließen. Das Geschäft von Deliveroo in den 84 bestehenden Städten ist sehr kapitalintensiv. Auf der einen Seite müssen hohe Summen ins Marketing gesteckt werden, auf der anderen Seite ist die Flotte an Fahrern recht groß. Das Unternehmen wird auch in weiterer Konzepte investieren, wie z.B. in RooBox. Dabei handelt es sich um ausgestattete Küchen, die von Restaurants genutzt werden können, um die Kapazitäten zu steigern und die Präsenz in einigen Stadtteilen auszuweiten.

Biser 475 US$ für Deliveroo

Bisher wurden stolze 475 Millionen US$ in Deliveroo investiert. Das Investment kommt zu einer Zeit, in der auch andere gut finanzierte Unternehmen einen ähnlichen Essenlieferservice nach Europa bringen. Auf der einen Seite prescht Uber mit UberEATS vor, auf der anderen Seite halten sich die Gerüchte, dass auch Amazon mit einem Lieferservice für Gerichte von angesagten Restaurants starten wird. Dazu kommt Foodora, das von Delivery Hero finanziert wird.

Intensiver Wettbewerb

Vor kurzem musste Take Eat Easy aufgeben, da das Investment aufgebraucht war und die Investoren nicht bereit waren, weiteres Geld zu investieren. Wahrscheinlich waren die Take Eat Easy Investoren auch über die bevorstehende Runde von Deliveroo im Bilde. Auch für Deliveroo scheint es schwierig gewesen zu sein, die Finanzierungsrunde abzuschließen. Neun Monate hat es anscheinend gedauert, bis die Finanzierung abgeschlossen wurde. Einige Branchenkenner hatten schon die Befürchtung, dass es Deliveroo nicht schafft, weitere Investoren zu überzeugen, was ein fatales Signal für die ganze Branche gewesen wäre.

Unterschiedliche Quellen berichten auch, dass Morgan Stanley beauftragt wurde, bereits einen Käufer zu finden. Angesprochen wurden potentielle Partner, wie Uber, Delivery Hero, Just Eat oder Amazon. Bleibt abzuwarten, ob wir in den nächsten Monaten engere Partnerschaften zwischen den Lieferdiensten sehen. In London fahren viele der Kuriere schon mit UberEATS und Deliveroo Branding durch die Straßen, wahrscheinlich um schnell zwischen den Plattformen zu wechseln.

In Deutschland ist Deliveroo im vergangenen Jahr gestartet. Größter Konkurrent hier ist Foodora. Der Service UberEATS soll anscheinend in den nächsten Monaten in Berlin und München gestartet werden.

Bild: Claudio Fasciola (alle Rechte vorbehalten)