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Peer-to-Peer Carsharing Anbieter Turo expandiert nach Europa

Das amerikanische Startup Turo, das einen privaten Carsharing Service anbietet, expandiert nach Europa. Mitte Dezember ist das Unternehmen mit seinem peer-to-peer Carsharing Dienst in Großbritannien gestartet.

Umbenennung in Turo

Turo ist ursprünglich unter dem Namen RelayRides in Boston gestartet, gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2009. Kurze Zeit später wurde der Sitz nach San Francisco verlegt. Insgesamt kommt das Netzwerk auf eine Finanzierung von 101 Mio. US$. Die Finanzierung kommt unter anderem von Google Ventures und Kleiner Perkins Caufield & Byers.

Auf der Plattform können Fahrzeugbesitzer ihre Autos einstellen und an Privatpersonen vermieten. Die Vermietung wird mit einer Ad-hoc Versicherung abgesichert.

Flächendeckend in den USA

Das Netzwerk ist seit 2012 flächendeckend in den USA aktiv, vor acht Monaten erfolgte die Expansion nach Kanada. Heute hat die Carsharing Plattform zwei Millionen Nutzer und es sind 111.000 Fahrzeuge in 4500 Städten gelistet. Vermieter erlösen im Durchschnitt um die 720 US Dollar pro Monat mit der Vermietung der Fahrzeuge. Bleibt die offenen Frage, welche Fahrzeuge und Nutzer für die Durchschnittsberechnung genutzt werden. Wenn für die Durchschnittsberechnung alle 111.000 Fahrzeuge verwendet wurden, dann würde das einem monatlichen Umsatz von ca. 100 Mio. US$ entsprechen. Das scheint sehr hoch gegriffen. Für die Nutzer sind die Kosten laut Turo um 35% niedriger, als bei einer herkömmlichen Autovermietung, wie Sixt oder Europcar.

Weitere Expansion geplant

Turo hat Großbritannien als ersten Markt in Europa gewählt, da die meisten internationalen Nutzer in den USA aus Großbritannien kommen. Außerdem suchen die Turo Nutzer häufig nach Fahrzeugen in Großbritannien. Beides kann dem Unternehmen bei dem Markteintritt helfen. In England will Turo mit lokalen Autovermietungen kooperieren, um von Anfang an eine umfassende Auswahl an Fahrzeugen anbieten zu können.

Model auch in Deutschland aber wenig beliebt

In Deutschland sind zeitgleich mit dem gleichen Geschäftsmodell gestartet. Zu den bekanntesten gehören Tamyca, Autonetzer oder Nachbarschaftsauto. Autonetzer und Nachbarschaftsauto haben sich erst zusammengetan, später wurde das fusionierte Unternehmen vom dem französischen Anbieter Drivy übernommen. Im letzten Jahr ins Opel mit einer Plattform für privates Carsharing gestartet, im Dezember diesen Jahres folgte Daimler mit der Plattform Croove. Es ist nicht bekannt, wie viel ein Vermieter durchschnittlich in Deutschland erlöst. Es dürften aber weitaus weniger, als die 720 US$ bei Turo sein.

Bild: Turo (alle Rechte vorbehalten)

Selbstfahrendes Auto in Großbritannien getestet

Zum ersten mal wurde in den vergangenen Wochen ein selbstfahrendes Auto in Großbritannien getestet. Das selbstfahrende Gefährt wurde von dem Oxford Robotics Institut und dem Spinout Oxbotica entwickelt. Bei dem Test war das Fahrzeug eher gemächlich unterwegs, mit weniger als 10 Km/h is es auf einer abgesperrten Strecke unterwegs gewesen. Das Fahrzeug wird von einem Elektromotor angetrieben und verfügt über zwei Sitzplätze. Die Form erinnert an einen Kabinenroller mit Glastüren. Das selbstfahrende Auto basiert auf dem Elektroauto Renault Twizy.

Der Prototyp verfügt noch über ein Lenkrad, damit die Insassen im Notfall eingreifen können. Um autonom fahren zu können, ist das Auto mit Radar und Lidar-Systemen ausgestattet und verfügt über mehrere Kamerasysteme, um eine vollumfassende Überwachung der Fahrzeugumgebung zu gewährleisten. Im kommenden Jahr sollen bis zu 40 autonome Fahrzeuge zu dem Pilotprojekt hinzugefügt werden, um genügend Daten zu sammeln und um die Technologien weiterzuentwickeln. Zu einem späteren Zeitpunkt können die Komponenten dann auch mit anderen Fahrzeugen verknüpft werden, zum Beispiel Shuttle-Busse.

Unterstützt wird das Projekt von der Regierung, die Technologieunternehmen und Autohersteller dazu ermutigen möchte, selbstfahrende Autos in Großbritannien zu entwickeln und zu testen. Damit will das europäische Land den Zug nicht verpassen und an der Marktentwicklung partizipieren. Um eine entscheidende Rolle in diesem neuen Markt einnehmen zu können, hat die britische Regierung eine Initiative gestartet um möglichst schnell einen legalen Rahmen für selbstfahrende Autos zu schaffen. Bis Ende des Jahrzehnts sollen die Änderungen umgesetzt sein, im kommenden Jahr sollen die Tests auf den britischen Autobahnen beginnen.

Neben den Universitäten beschäftigen sich auch die Hersteller Jaguar Landrover und Ford mit der Entwicklung von selbstfahrenden Autos in Großbritannien. Weltweit sind Autohersteller, Technologiekonzerne und Startups auf den Zug aufgesprungen, um möglichst schnell ein selbstfahrendes Auto auf den Markt zu bringen. Es wir erwartet, dass selbstfahrende Fahrzeuge in den nächsten 20 Jahren einen Milliardenmarkt erschließen werden.

Uber hat im vergangenen Monat die erste Version der selbstfahrenden Autos vorgestellt, die in Pittsburgh getestet werden. Das Startup Nutomoy aus Besten testet erste selbstfahrende Taxis zusammen mit Grab in Singapur. In dem Londoner Stadtteil Greenwich wurden bisher schon selbstfahrende Lieferroboter von Starship Technologies getestet.

Bild: Oxbotica (alle Rechte vorbehalten)

Uber Fahrer in Großbritannien: Angestellte statt Freelancer

In einem Gerichtsverfahren in Großbritannien haben zwei Uber Fahrer erreicht, dass sie nicht mehr als unabhängige Partner sondern als Angestellte zu sehen sind. In Großbritannien sind etwa 40.000 Fahrer auf der Uber-Plattform aktiv, die jetzt ähnliches anstreben könnten.

Das Urteil der Richter könnte auch Auswirkungen auf andere Unternehmen haben, die ebenfalls auf unabhängige Partner setzten, um den angebotenen Service durchführen zu können.

Die Ridesharing-Plattform hat damit argumentiert, dass das Unternehmen nur die Technologie zur Verfügung stellt und die Fahrer frei entscheiden können, wann und wo sie arbeiten. Außerdem nutzen die Fahrer ihre eigenen Fahrzeuge und tragen somit den größten Teil des unternehmerischen Risikos. Die Anwälte der Kläger haben argumentiert, dass die Fahrer angestellte sind, da Uber Druck auf die Fahrer aufbaut, um sie zum Arbeiten zu bewegen. Außerdem werden sie bestraft, wenn Aufträge nicht angenommen werden. Das Gericht ist in der ersten Instanz der Argumentation der Kläger gefolgt. Uber hat bereits angekündigt, dass Einspruch gegen das Urteil eingelegt wird. Sollte das Urteil Am Ende stand halten, muss das Fahrdienst-Unternehmen die Verträge mit allen Fahrern ändern, um horrende Kosten zu vermeiden.

Das Gericht hat in dem jetzigen Urteil entschieden, dass die Uber Fahrer als angestellte Fahrer zu betrachten sind und rückwirkend das Recht auf Mindestlohn von min. 7.20 GBP pro Stunde und bezahlten Urlaub haben. Weitere Fahrer, die sich dem Fall angeschlossen haben, können ebenfalls ihre Forderungen einreichen.

Das Verfahren wurde von der Gewerkschaft GMP unterstützt, die Gewerkschaft hat bereits angekündigt, das Vertragswerk und Setup weiterer Shared Economy Startups zu untersuchen, die auf selbstständige Fahrer oder Partner setzen. Eine Studie geht davon aus, dass in Großbritannien 460.000 Personen fälschlicherweise als Selbstständige eingestuft werden und so pro Jahr 314 Mio. GBP an Steuern und Versicherungsbeiträgen nicht gezahlt werden.

Bereits in den USA wurde Uber von Fahrern im Rahmen einer Sammelklage verklagt, der Fall wurde letztendlich mit einem Vergleich in Millionenhöhe beigelegt. Auch in Deutschland besteht für die Shared Economy Anbieter die Gefahr der Scheinselbstständigkeit. Unternehmen wie Deliveroo setzen in Deutschland teilweise auch auf selbständige Fahrer. Aus Unternehmenssicht ist es wichtig, dass hier gewisse Kriterien eingehalten werden, um das Risiko einer Klage und unerwünschter Kosten zu reduzieren.

Bild: GetMobility.de (alle Rechte vorbehalten)