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Der BerlKönig auf Berlins Straßen

Seit Freitag hat die BVG ein neues Mobilitätsangebot: den BerlKönig. Das On-Demand-Ridesharing-Angebot ist in den bestehenden ÖPNV der BVG eingebettet und ergänzt zunächst den östlichen S-Bahn-Ring – zum Beispiel in Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg.

Der Service ist eine Kooperation der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und ViaVan, einem Joint Venture von Mercedes-Benz Vans und dem Technologieunternehmen Via. Via ist ein amerikanischer Anbieter von Ride-Pooling Services und Software-Lösungen, mit großskalierten Angeboten in New York, Chicago, Washington, Amsterdam und London. Das Unternehmen entwickelt intelligente Algorithmen, auf deren Basis Fahrtanfragen mehrerer Fahrgäste mit der gleichen Zielrichtung gebündelt werden können. Sie erstellen eine Route und buchen mehrere Fahrgäste gemeinsam in ein Fahrzeug.

Mit insgesamt 50 voll-elektrischen Fahrzeugen von Mercedes-Benz  wird den Berlinern der Dienst zunächst von freitags und samstags von jeweils 17 bis 5 Uhr zur Verfügung gestellt. Ein rund-um-die-Uhr Service sowie ein Ausbau der Flotte ist in Planung.

In Bezug auf Preise orientieren sich die Kosten am klassischen ÖPNV- und dem Taxitarif. Innerhalb des Servicegebiets müssen Fahrgäste mit mindestens 4 Euro und 1,50 € pro Kilometer rechnen. Mitfahrer in der gleichen Buchung erhalten einen Rabatt von 50 Prozent.

Der On-Demand Dienst und seine Rolle im Berliner Verkehrsmix werden fortan regelmäßig evaluiert und mit dem Berliner Senat geteilt. Die BVG hat für das neue Angebot eine Genehmigung im Rahmen der Experimentierklausel des Personenbeförderungsgesetzes erhalten. Das Projekt ist zunächst für zwei Jahre geplant.

Quelle: BVG

On-Demand-Angebot startet in Hamburg

„Meine Stadt. Mein Anschluss.“ Unter diesem Slogan lanciert ioki in Kooperation mit der VHH den „ioki Hamburg“-Shuttle als Teil des öffentlichen Nahverkehrs.

Shuttle-Service in ÖPNV integriert

Am 18.07.2018 startet in Hamburg ein individueller Shuttle-Service, der per App bestellt werden kann und Fahrgäste auf flexiblen Routen rund um die Uhr ans Ziel bringt. Es ist bundesweit das erste Mal, dass ein solcher Service  in den öffentlichen Personennahverkehr integriert wird. Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) bringen das neue Angebot in die Stadtteile Lurup und Osdorf.  Zur Umsetzung dieses Projekts arbeitet der Verkehrsbetrieb eng mit ioki zusammen, dem Geschäftszweig der Deutschen Bahn für intelligente On-Demand-Mobilität.

Das „ioki Hamburg“ Shuttle, das im Rahmen der Smart City Partnerschaft mit der Stadt Hamburg entwickelt wurde, ist ein neues öffentliches Verkehrsmittel im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) ohne festen Fahrplan oder Linien, das vollständig in den HVV-Tarif integriert ist.  Die Mitfahrt ist mit allen Zeit- und Einzelfahrkarten des HVV möglich, so dass den Nutzern keine Mehrkosten entstehen. Die Fahrt kann aber auch direkt per App bezahlt werden.

"ioki Hamburg" verkehrt in Lurup und Osdorf
„ioki Hamburg“ verkehrt in Lurup und Osdorf

Bündelung von Fahrten

Fahrgäste mit ähnlichen Routen werden mit Hilfe eines Algorithmus automatisch zu Fahrgemeinschaften gebündelt und gemeinsam befördert. Der neue Service ist über die „ioki Hamburg App“ buchbar. Die individuellen Fahrten können von einer beliebigen Adresse im Bediengebiet zu einer Haltestelle erfolgen oder umgekehrt. Im Bediengebiet werden zusätzliche ioki-Haltepunkte zur optimalen Flächenabdeckung eingerichtet.  Die Abstände betragen nicht mehr als 200 Meter. So wird der bestehende ÖPNV sinnvoll ergänzt. 

Das ioki Mobility Analytics Team hat im Vorfeld den Bedarf nach diesem Angebot ermittelt.  Auf Basis der Analyse wurde ebenfalls die Anzahl der benötigten Fahrzeuge kalkuliert, um neben einer  bedarfsgerechten Integration des Services auch eine Deckung des Bedarfs zu garantiert.

LEVC stellt Fahrzeuge, die eine barrierefreien Zustieg für Rollstuhlfahrer und Passagiere mit Kinderwagen ermöglichen

LEVC stellt Fahrzeuge

Für das neue Angebot kommen modernste, emissionsfreie Elektroautos des britischen Herstellers LEVC zum Einsatz. Die Fahrzeuge verfügen über sechs Sitzplätze und sind zudem barrierefrei, Rollstuhlfahrer können über eine Rampe einsteigen und in Fahrtrichtung fahren. Auch Kinderwagen können bequem befördert werden.

Multimodale Vernetzung: Mehr als 35 % der Amerikaner kombinieren Ride-Sharing mit ÖPNV

Ein Report von Masabi, einem Startup aus London, das sich mit Mobile Ticketing Lösungen für den öffentlichen Nahverkehr befasst, gibt Einblicke in das Nutzerverhalten von Ride-Sharing Kunden in den USA. Mehr als 1000 US Bürger, die Zugang zum ÖPNV haben, wurden zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Der Fokus lag dabei auf den Auswirkungen von neuen Technologien und Mobilitäsangeboten, wie Ride-Sharing auf das bestehende ÖPNV-Setup. Die Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass mehr Menschen als gedacht bereits multimodal unterwegs sind und Angebote wie Ride-Sharing mit dem ÖPNV verbinden.

Bequemlichkeit als Vorteil für den ÖPNV

Außerdem kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die einfache und bequeme Nutzung einer der Hauptgründe ist, warum Menschen den ÖPNV nutzen. Neue Technologien, wie real-time Daten über die Position des Fahrzeugs und mobiles Ticketing haben eine positive Auswirkung auf die Nutzerzahlen. Ride-Sharing Anbieter sollten sich mehr mit den ÖPNV Angeboten verzahnen und die Verbindungen in der App anzeigen. Die Buchung von digitalen Tickets für Ride-Sharing und ÖPNV, idealerweise in Form eines universellen Tickets, gewinnt an Bedeutung.

Verhalten in den USA

Hier sind ein paar Auszüge aus der Studie, die das Verhalten in den USA beschreibt. Einige Erkenntnisse sind wahrscheinlich auch auf Europa und Deutschland übertragbar.

  • 19% der Befragten nutzen den öffentlichen Nahverkehr mindestens einmal die Woche. Immerhin 9% der Befragten nutzen Ride-Sharing Angebote wöchentlich
  • Ein hoher Anteil von 70% fahren regelmäßig mit dem eigenen Fahrzeug. 40% nutzen nie den ÖPNV, obwohl sie Zugang dazu haben
  • Die Hauptgründe für die Nutzung sind in absteigender Reihenfolge: Einfache Nutzung und Bequemlichkeit (33%), Preis (24%), Notwendigkeit (17%) und Reisezeit (8%)
  • Mehr als ein Drittel der Befragten verbinden Ride-Sharing und den ÖPNV gelegentlich, um von A nach B zu gelangen. Ein Anteil von 7% nutzt eine multimodale Reisekette mindestens auf einer wöchentlichen Basis.
  • Um die 25% der möglichen Nutzer geben an, dass Convenience Features wie die Kombination von mehreren Verkehrsmitteln in einer App, Mobiles Ticketing oder Location Tracking dafür sorgen würden oder dafür gesorgt haben, dass sie den ÖPNV mehr nutzen würden.
  • Mehr als 95% der Nutzer, die einen Ride-Sharing Dienst auf wöchentlicher Basis nutzen, nutzen auch die öffentlichen Verkehrsmittel

Private Unternehmen und Aufgabenträger müssen kooperieren

Masabi sieht in der Kombination von neuen Mobilitätsangeboten, wie Ride-Sharing oder Car-Sharing mit bestehendem öffentlichen Verkehr die Alternative zum eigenen Fahrzeug. Die unterschiedlichen Transport-Systeme müssen in einer App abgebildet werden und die Nutzer müssen die Features bekommen, die sie erwarten. Um das Ziel zu erreichen, müssen die öffentlichen Auftraggeber und private Unternehmen eng zusammenarbeiten. In den USA sieht man dazu schon erste Ansätze und auch in Deutschland bewegt sich einiges auf dem Gebiet.

Bild: Masabi (alle Rechte vorbehalten)

Münchner sind bereit, sich von ihrem Fahrzeug zu trennen – sofern Alternativen verfügbar sind

Eine Studie, die von dem Carsharing-Anbieter Oply in Auftrag gegeben wurde, gibt ein Indiz dafür, dass eine steigende Anzahl an Münchner Autobesitzer bereit ist, auf das eigene Auto zu verzichten. Voraussetzung ist, dass vergleichbare Alternativen vorhanden sind und die Umstände stimmen.

Alternativen als Voraussetzung

Insgesamt wurden 1727 Menschen durch ein Marktforschungsunternehmen befragt, 517 davon in München. Über 64 Prozent der befragten Personen in München sind bereit, sich von ihrem eigenen Auto zu trennen, sofern passende Alternativen wie ÖPNV, Carhsharing oder Ride-Sharing vorhanden sind. Der Schnitt deutschlandweit liegt laut der Studie bei etwa 52 Prozent. In der Stunde gaben etwa 70 Prozent der befragten Personen in München an, dass eine gute Abdeckung mit öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln vorhanden sein muss, damit das eigene Fahrzeug abgeschafft wird. Etwa 60 Prozent der Münchner geben an, dass die Angebotssituation so gut werden muss, damit sich ein eigenes Auto nicht mehr rentiert.

Höhere Wechselbereitschaft in der Innenstadt

In Innenstadtlagen ist die Wechselbereitschaft erwartungsgemäß höher. Die Parkplatzsituation ist angespannter und das Angebot an Alternatives ist mit am höchsten. Fast 40 Prozent der Fahrzeug Besitzer gaben, dass sie ihr eigenes Auto selten bis ab und zu nutzen. Über 3/4 der Autobesitzer, die in der Innenstadt wohnen, können sich vorstellen, dass Sie sich von ihrem Fahrzeug trennen könnten. Dieser Trend dürfte nicht nur für München zutreffen, sondern auch für Städte wie Hamburg oder Berlin.

Viel Potential in den meisten Städten

Kostengünstige und einfach verfügbare Alternativen zum eigenen Auto fehlen in den meisten Großstädten in Deutschland zur Zeit noch. Für die Nutzer ist es wichtig, dass innerhalb von wenigen Minuten ein Car-Sharing-Fahrzeug zu Fuß erreichbar ist oder ein Ride-Sharing-Fahrzeug vorbei kommt. Teilweise werden diese auch durch veraltete Vorschriften und konservativ eingestellte Verkehrsunternehmen ausgebremst. Hier ist dringend Handlungsbedarf erforderlich, damit die Bewohner der Städte ihr eigenes Fahrzeug abschaffen.

Bild: Oply (alle Rechte vorbehalten)

Ride-Sharing Dienst Ola geht weiter in Richtung ÖPNV Integration

Die indische Fahrdienst-Plattform Ola hat sich die ÖPNV und Ticketing App Ridlr geschnappt, um sich weiter mit dem ÖPNV zu verzahnen.  Millionen Inder nutzen den öffentlichen Verkehr täglich, der öffentliche Nahverkehr in Indien ist ein interessanter Markt mit viel Potential, der noch wenig digitalisiert ist. Die Ridlr App hilft vielen Pendlern bei der regelmäßigen Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.

Ticket App für ÖPNV gekauft

Mit der Ridlr App können die Nutzer ÖPNV Verbindungen suchen und ein passendes Ticket für den öffentlichen Nahverkehr buchen. Bisher fokussiert sich das Startup auf die Städte Mumbai und Delhi und arbeitet mit den Anbietern BEST (Brihanmumbai Electric Supply and Transport), Delhi Metro und Mumbai Metro zusammen. Zusätzlich werden ein paar Pilotprojekte in anderen Städten durchgeführt.

Die App wurde bereits 2012 von den beiden Gründern Brijraj Vaghani und Ravi Khemani gestartet. Nach einer Series A Finanzierung in unbekannter Höhe hat das Unternehmen 2013 eine Series B mit 6 Mio. US Dollar von Qualcomm Ventures, Matrix Partners und Times Internet eingesammelt. Matrix Partnern ist auch an Ola beteiligt. Die App ist nur für Android verfügbar und wurde mehrere Millionen Mal aus dem Goolgle Play Store geladen.

Holistisches Verkehrsangebot für Indien als Ziel

Ola möchte Ridlr in das eigene Setup integrieren, um die unterschiedlichen Verkehrsangebote zu einem holistischen Angebot vernetzten zu können. Außerdem ist eine Integration in den öffentlichen Verkehr geplant. Dabei stehen die Nutzer im Fokus, die ein komfortables Mobility Angebot vorfinden sollen. Damit möchte die Mobility Plattform auch die eigene Postion im Wettbewerb mit Uber stärken. Nach dem Rückzug von Uber in China und Südostasien wird der Fokus wahrscheinlich auf Indien gelegt. Da schadet es aus Sicht von Ola nicht, aggressiv und strategisch vorzugehen.

Ola mit Milliarden bewertet

Ola hat in den letzten Runden mehrere Milliarden Dollar eingesammelt, zuletzt 1.1 Milliarden Dollar von Tencent aus China und SoftBank aus Japan. Da SoftBank auch an Uber beteilig ist, bleibt es spannend, ob sich in Indien ein ähnlicher Deal wie in China oder Südostasien anbahnt. Fachleute erwarten, dass Ola weitere Unternehmen übernehmen wird, um die Position zu stärken und um das Wachstum anzukurbeln. Zuvor hat Ola schon den Indien-Ableger von Foodpanda sowie das Mobile Payment Unternehmen Qarth, die Taxi-App TaxiForSure und Geotagg übernommen.

Bild: Ola (alle Rechte vorbehalten)

Lyft testet in den USA ein monatliches Abo für Ride-Sharing

Die Ride-Sharing Plattform Lyft testet in den USA ein Abo-Modell, das vor allem regelmäßige Nutzer ansprechen soll. Die Tests können als Zeichen gewertet werden, dass sich Lyft gerne mit einem Monatsticket positionieren möchte, um Nutzer an sich zu binden. Das Prinzip von Monatstickets wird bisher stark im ÖPNV angewendet, aber noch nicht dauerhaft  bei den Ride-Sharing Anbietern. Lyft hat jetzt sein Angebot ausgebaut.

Preise abhängig von Nutzungsvolumen

Der Preis für das Abo scheint je nach Nutzer zu variieren. Die von Lyft per A/B-Test ausgespielten Angebote reichen von 199 Dollar für 30 Fahrten, bis hin zu 399 Dollar für 60 Fahrten im Monat. Bei den ausgespielten Angeboten sind Fahrten bis zu einem Fahrpreis von 15 Dollar inbegriffen. Wie Fahrten abgerechnet, die mehr als 15 Dollar kosten, wird nicht ganz klar.

Für Lyft CEO Logan Green sind die Abo-Modelle ein entscheidender Bestandteil der zukünftigen Ausrichtung. Die Angebote dürften dabei helfen, die Nutzer an Lyft zu binden und auch dazu bewegen, das eigene Auto stehen zu lassen.

Mehrere Tests bereits in den USA

Lyft und Uber haben schon häufiger Monatstickets getestet. Lyft hat Ende 2016 ein Abo für den Ride-Pooling Dienst Lyft Line getestet. Damals mussten die Nutzer 20 – 29 US Dollar zahlen und konnten Lyft Line vergünstigt oder umsonst nutzen. Uber hat im Sommer 2016 ein Monatsticket in New York getestet, das sogar günstiger war, als die Nutzung des ÖPNVs. Das Angebot wird auch dabei geholfen haben, die Fahrzeuge im Sommerloch zu füllen.

Der All Access Pass von Lyft geht definitiv in die richtige Richtung. Der Preis von mehreren hundert Dollar scheint erstmal hoch, dürfte aber dennoch unter den Kosten für ein eigenes Fahrzeug liegen. Die Kosten für ein eigenes Fahrzeug sind meistens nicht transparent und Fahrzeugbesitzer nehmen sie häufig einfach hin. Rechnet man Wertverlust, Verschleiß, Sprit, Versicherung, Parken uns sonstige Ausgaben zusammen, ergeben sich monatliche Kosten, die höher liegen dürften, als die Preise von dem Lyft-Abo.

Bild: Lyft (alle Rechte vorbehalten)

Uber News: Aktuelle Zahlen und weitere Pläne

Uber hat in den letzten Tagen die Geschäftszahlen aus dem letzten Quartal den Investoren präsentiert und das Magazin The Information hat eine Kopie veröffentlicht. Außerdem hat sich der CEO Dara Khosrowshahi auf der Goldman Sachs Tech Conference über seine Vision und Roadmap geäußert.

Uber in Zahlen – enorme Verluste

Unterm Strich hat die Plattform im letzten Quartal 2017 einen Verlust von 1.1 Milliarden US Dollar eingefahren. Das ist eine enorme Summe und eine leichte Verbesserung zum dritten Quartal 2017, in dem ein Verlust von 1.5 Milliarden US Dollar angefallen ist. Der Umsatz stieg trotz Skandale weiter, insgesamt wurden 11.1 Milliarden Dollar als Außenumsatz umgesetzt, bei Uber sind davon 2.2 Milliarden Dollar geblieben, der Rest wurde an Fahrer ausbezahlt oder für Gutscheinaktionen genutzt. Die Fahrer haben fast 500 Mio. Dollar an Bonuszahlungen erhalten, über 500 Mio. Dollar wurden für Kundengutscheine ausgegeben. Insgesamt hat die Mobility Plattform im vergangenen Jahr einen Netto—Umsatz von 7.5 Milliarden Dollar erzielt, der Verlust lag bei 4.5 Milliarden US$.

Die Haupttreiber für die hohen Verluste sind die Investitionen in Wachstumsmärkte, wie Indien und Südamerika. Außerdem schlagen die Kosten für die Zukunftswetten wie UberEats, Entwicklung der autonomen Fahrzeuge und UberFreight zu buche.

Gerichtliche Auseinandersetzung mit Waymo beendet

Waymo hat das Unternehmen wegen Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen im Bezug auf autonomes Fahren verklagt. Ehemalige Waymo Mitarbeiter, allen voran Anthony Levandowski, sollen vertrauliche Dokumente von den Waymo-Servern gestohlen haben und im Zuge der Übernahme von Otto an Uber weitergegeben haben. Außerdem soll Uber ehemalige Waymo Mitarbeiter mit unfairen Mitteln angeworben haben. Auch wenn Uber sagt, dass nie Geschäftsgeheimnisse von Waymo bei Uber angewendet wurden, wurde der Fall beigelegt. Die Schlammschlacht beider Unternehmen wurde beendet, in dem Uber Geschäftsanteile an Waymo abgibt. Insgesamt soll Waymo etwa 0.34% der Uber Aktien erhalten, was bei der letzten Bewertung von 72 Milliarden Dollar einem Wert von 245 Mio. US Dollar entspricht. Waymo und Uber wollen in Zukunft zusammen arbeiten und für Uber geht der Fall glimpflicher aus, als gedacht. Ursprünglich hat Waymo eine Zahlung von 1.9 Milliarden Dollar gefordert, um den Schaden und die Kosten des Rechtsstreits zu decken. Für das Team bei Uber, das an vollautomatisierten Fahrzeugen arbeitet, bedeutet die Einigung weniger Ablenkung.

Dara Khosrohshahi auf der Goldman Sachs Technology & Internet Conference

Der Auftritt des Uber CEO auf der Goldman Sachs Technology & Internet Conference lässt sich mit ein paar Punkten zusammenfassen.

Für Uber ist das Ridesharing-Geschäft nur ein Baustein auf dem Weg zum größten Unternehmen im Transportation und Logistik Business, das weltweit auf 5 Trilliarden Dollar geschätzt wird. Vor allem die Logistik-Dienste UberEats und UberFreight entwicklen sich gut und sollen signifikant zum Erfolg beitragen. UberEats hat im vergangenen Quartal mehr als eine Milliarde Dollar Außenumsatz erzielt, das Freight Business steht noch am Anfang. Uber könnte sich auch enger mit dem ÖPNV verbinden und Smart Shuttle Busse anbieten. Durch das aggressive Agieren in den letzten Jahren dürfte es für Uber aber schwierig werden, den Fuß in die Tür zu bekommen.

Die Fahrerflotte ist auf über 3 Mio. Fahrer angewachsen und mit der Mobility Plattform sollen potentiell bereits 80% der Weltbevölkerung erreicht werden. Uber befördert laut Khosrowshahi mehr Passagiere als alle Fluggesellschaften zusammen. Die Pooling Produkte scheinen gut angenommen zu werden, in einigen Märkten machen sie bis zu 50% des Fahrtvolumens aus.

Autonome Fahrzeuge sind die einzige Möglichkeit, um die Kosten pro Kilometer für einen Fahrdienst unter den Wert von Selbstfahrern zu bringen. Der UberX Dienst kostet etwa 1.5 Dollar pro Kilometer, während die Fahrt mit dem eigenen Auto nur 0.70 Dollar pro Kilometer kostet. Autonome Fahrzeuge sind eine Möglichkeit, um die Lücke zu schließen. Natürlich könnten Städte und Behörden auch die Kosten pro Kilometer für Privatfahrzeuge erhöhen, in dem Parkgebühren angehoben werden oder Lizenzen erworben werden müssen, wie es in Singapur der Fall ist.

Autonome Fahrzeuge werden von dem Unternehmen selbst entwickelt, gleichzeitig ist die Plattform aber auch für Partnerschaften mit anderen Unternehmen offen, die autonome Autos auf der Plattform betreiben wollen. Unteranderem wurde mit Daimler eine Absichtserklärung unterzeichnet. Uber geht davon aus, dass es für längere Zeit ein Hybrid-Setup geben wird, in dem autonome Fahrzeuge auf bestimmten Strecken unterwegs sind und der Rest von Autos mit Fahrern übernommen wird.

Bild: Uber (alle Rechte vorbehalten)

 

Neue ÖPNV Apps – Mobiles Ticketing im Fokus

In den letzten Wochen hat es gleich mehrere neue ÖPNV Apps gegeben. In einer Zusammenfassung geben wir einen kurzen Überblick. Der Hauptfokus liegt auf einfacheren Alternativen für den Kauf von Tickets für den ÖPNV mittels SmartPhone.

Ticket Sharing in Nürnberg

Der VAG aus Nürnberg hat zu Jahresbeginn bereits eine neue App veröffentlicht und beschreitet damit neue Wege. Das neue Angebot will Fahrgäste ohne Ticket mit Fahrgästen verbinden, die ein gültiges Ticket mit ungenutzter Mitnahmemöglichkeit haben. Fahrgäste mit den Ticketvarianten Abo Plus, TagesTicket Plus und MobiCard können über die App die verfügbaren Plätze anbieten und die Strecke definieren. Suchende sehen dann die Verfügbaren freien Plätze auf der von ihnen geplanten Strecke.

Neue Ticket App der BVG

Die BVG in Berlin hat eine App für das Ticketing in die App-Stores gebracht. Vorher war das Angebot ausschließlich ein Teil der BVG Fahrinfo App, die wenig nutzerfreundlich aufgebaut ist und veraltet wirkt. Über die App lassen sich keine Fahrtinfos recherchieren, es können ausschließlich Tickets gekauft werden. Damit dürfte sich die App an Nutzer richten, die schon wissen, wie und wann sie von A nach B kommen – oder der Schritt wird Apps wie Google Maps oder CityMapper überlassen. Monatstickets sollen später folgen.

BestPreis App für Stuttgart

In Stuttgart ergänzt eine sogenannte SSB BestPreis App das schon stattliche Angebot an Apps für den ÖPNV. Bei der App handelt es sich um ein Testprojekt, das die nächsten 24 Monate laufen soll. Bis zu 20.000 Nutzer sollen sich dafür registrieren können. Die App soll als Art Monatsticket den günstigsten Preis abrechnen. Alle Fahrten, die innerhalb des Betrachtungszeitraums  mit der App gebuchten wurden, werden am Ende des Zeitraums zu den günstigsten Konditionen abgerechnet. Bezahlt werden kann per PayPal oder Kreditkarte. Der Nutzer gibt Start- und Zielhaltestelle ein und erhält daraufhin eine Fahrtberechtigung, die als Handyticket kontrolliert werden kann.

nextTicket von Verkehrsverbund Rhein-Ruhr

Der Anbieter Verkehrsverbund Rhein-Ruhr testet eine App, die an das Angebot in Stuttgart erinnert. Die App nextTicket soll den Ticketkauf stark vereinfachen und gleichzeitig dafür sorgen, dass der Nutzer den günstigsten Preis zahlt. Der Nutzer checkt beim Einstieg in ein Fahrzeug ein und am Ziel wieder aus. Der Check-Out ist ein zusätzlicher Schritt für den Nutzer, der bestimmt häufiger vergessen wird. Die Abrechnung erfolgt dann am Monatsende, zunächst auf bestehenden Ticket-Optionen. Basis bilden dabei die Optionen 4er-Ticket, 10-Ticket und 24-Stunden Ticket. In einer zweiten Stufe soll ein kilometerbasierter Tarif getestet werden, der sich aus einer Basiskomponente und einem flexibel Aufschlag zusammensetzt. Zu einem Festpreis von 1.40 Euro bzw. 1.45 Euro kommen Kosten in Höhe von 20 Cent pro Kilometer hinzu. Der Fahrpreis ist gedeckelt und liegt niemals höher als der Preis eines Einzeltickets. Jede fünfte Fahrt soll in dem neuen Tarifsystem kostenlos sein. Der neue Tarif ist ein spannender Ansatz und kann die Grundlage für die Einbindung von Shuttle Diensten sein, die kilometerbasiert abgerechnet werden.

Bei allen Apps steht mobiles Ticketing im Fokus. Wünschenswert wäre auch, wenn die Anbieter damit anfangen würden, alternative Angebote, wie Bike-Sharing, Car-Sharing oder Shuttle Dienste mit in die App zu integrieren. Die Nutzung der unterschiedlichen Angebote über eine App, inklusive Abrechnung, wäre aus Kundensicht ein echter Mehrwert. Einige Ansätze, wie das neue Preissystem in Rhein-Ruhr gehen schon in eine richtige Richtung. Zum Start von dem Ride-Sharing Angebot Flex Pilot im letzten Jahr hat die Daimler Tochter Moovel bereits angekündigt, dass eine App angeboten werden soll, in der dann alle Fahrmöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im VVS-Gebiet samt „SSB Flex“ Shuttle in möglichen Kombinationen angezeigt werden und die direkt per App gebucht und bezahlt werden können.

Bild: VAG Nürnberg (alle Rechte vorbehalten)

ÖPNV und Startups: Gemeinsam für eine nachhaltige Stadtentwicklung

Die Mobility Startups und Unternehmen aus dem Bereich öffentlicher Nahverkehr nähern sich an. Auf der einen Seite werden Pilotprojekte gestartet und auf der anderen Seite langfristig ausgelegte Partnerschaften zwischen Startups und Unternehmen geschlossen, die im ÖPNV Sektor seit Jahren verankert sind. Als zwei Beispiele sind Door2Door und BestMile zu nennen.

door2door schließt sich Verband UITP an

Eher politischer Natur ist die Initiative von door2door. Das Unternehmen schließt sich dem Verband UITP an, in der neu gegründeten Kategorie „Digital Platforms“. UITP ist der Internationale Verband für öffentliches Verkehrswesen. Gemeinsam sollen Lösungen für einen flexiblen öffentlichen Nahverkehr entwickelt werden. Über die „Digital Platforms“ Kategorie erhalten öffentlichen Verkehrsbetriebe einen wertvollen Zugang zu digitalen Serviceleistungen, die sie alleine nicht hätten entwickeln können. Auch nachhaltige Stadtentwicklung und geteilte Mobilität sind Thema der Zusammenarbeit. Door2Door bietet schon heute eine Software-Plattform, die es den Städten und öffentlichen Verkehrsbetrieben ermöglicht, einen dynamischen Ride-Pooling Dienst als Ergänzung zum bestehenden ÖPNV anzubieten. Der Dienst ist nachfragebasiert und lässt sich in die herkömmlichen ÖPNV Angebote integrieren. Nur so lässt sich die Zahl der Fahrzeuge in den Städten reduziert werden. Die Gründer Tom Kirschbaum und Maxim Nohroudi verfolgen seit Beginn an den Ansatz, partnerschaftlich mit Städten und Verkehrsbetrieben zusammenzuarbeiten, um die Lebensqualität in den Städten nachhaltig zu verbessern.

IVU und BestMile entwickeln Software für Hybrid-Flotten

Eine etwas andere Partnerschaft gehen das Startup BestMile und IVU Traffic Technologies ein. IVU ist einer der führenden Anbieter von Software-Systemen für den herkömmlichen öffentlichen Nahverkehr und Logistik Anwendungen. Gemeinsam mit BestMile soll das Software-System für autonome Flotten und andere neue Mobility Services entwickelt werden, mit dem sich die neuen Angebote nahtlos mit den traditionellen ÖPNV Systemen verbinden lassen. BestMile hat die Erfahrung bei der Entwicklung von Betriebssystemen für autonome Flotten. Somit ergänzen sich beide Partner gut.

In dem Projekt ADxPT (steht für Autonomous Driving for Public Transport) entwickeln und testen beide Partner gemeinsam ein System mit dem öffentliche Verkehrsbetriebe hybride Flotten aus selbstfahrenden und Fahrer basierten Fahrzeugen betreiben und optimieren können. Entsprechende Systeme werden in den kommenden Jahren benötigt, um die Transformation hin zu autonomen Verkehrsmitteln zu meistern.

Bild: BestMile (alle Rechte vorbehalten)

Indien: Uber kooperiert mit ÖPNV in Bangalore 

Uber hat bekanntgegeben, dass die Ride-Hailing Plattform mit dem öffentlichen Nahverkehr in Bangalore zusammenarbeiten wird. An einigen der Haltestellen der Metro können über in kleinen Kiosken Uber-Fahrten gebucht werden. So soll die letzte Meile einfacher zu bewältigen sein. Indien wird zum wichtigen Markt für Uber.

Pendler als Zielgruppe

Uber möchte mit dem Angebot einfacher Kunden erreichen, die jeden Tag den beschwerlichen Weg zwischen Zuhause und Metro-Station oder Arbeitsplatz und Metro-Station zurücklegen. Die Metro in Bangalore ist gut ausgebaut, aber der Weg für auf der letzten Meile kann häufig zur Herausforderung werden. Die Zusammenarbeit ist ein gutes Beispiel, wie Behörden und private Unternehmen zusammenarbeiten können. Dadurch wird ein Problem gemeinschaftlich gelöst, das viele Einwohner haben.

Neue Wege für Kunden ohne Smartphone

Für die Kunden, die kein Smartphone haben oder keinen Zugriff auf die App haben, wird Uber bis Ende März Buchungsbüros an den Haltestellen aufbauen. In Länden wir Indien steht Uber vor der Herausforderung, dass die Verbreitung von Kreditkarten und Smartphones mit Datentarif teilweise gering ist. Uber lässt sich immer wieder neue Wege einfallen, um Kunden die Nutzung von Uber zu ermöglichen.

Die Partnerschaft in Indien ist nicht die erste Zusammenarbeit zwischen Uber und lokalen Behörden. In mehreren Ländern arbeitet die Ridesharing Plattform mit Verkehrsbetrieben und Behörden zusammen. In einer amerikanischen Stadt werden zum Beispiel Uber-Fahrten bezuschusst, was dazu führt, dass kein weiterer Parkplatz an der Bahnstation für Pendler errichtet werden muss.

Indien als wichtiger Markt für Uber

Nachdem sich Uber aus China zurückgesogen hat, in dem das eigene Geschäft an den Konkurrenten Didi Chuxing verkauft wurde, hat das Unternehmen Indien als einen der nächsten interessanten Märkte auserkoren. Seit Beginn des Jahres wurden mehrere neue Mobilitätsdienstleistungen gestartet. In Indien bietet Uber günstige Mobilitätsdienste mit kleineren Fahrzeugen oder teilweise auch Motorrollern und Rikschas an. Vor kurzem wurde der Dienst UberHire gestartet, ein Service, bei dem der Fahrer für den Tag anstatt für eine Fahrt gemietet wird. Der Lieferservice UberEATS soll anscheinend demnächst auch in Indien starten. Der größte Konkurrent von Uber in Indien ist die Taxi Ola Cab.