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Carsharing Markt konsolidiert sich weiter: SnappCar übernimmt tamyca

Der peer-2-peer Carsharing Markt in Deutschland konsolidiert sich weiter. Zu Hochzeiten haben drei bis vier deutsche Anbieter Privatfahrzeuge an Nutzer vermittelt, mittlerweile wurden alle Anbieter von ausländischen Startups übernommen. In einem letzten Akt wird der peer-2-peer Carsharing Pioneer Tamyca von dem Anbieter Snappcar aus den Niederlanden übernommen.

Tamyca seit 2010 am Start

Tamyca hat sich seit dem Start im Jahr 2010 wacker geschlagen. Die Plattform ist in den letzten Jahren ohne großes Aufsehen kontinuierlich gewachsen. Fast 200.000 Carsharing-Mieter und -Vermieter waren zuletzt bei Tamyca registriert. Zwischenzeitig konnte Tamyca auch den Automobilhersteller Opel überzeugen. Opel hat die technische Lösung von Tamyca für den Carsharing Dienst CarUnity genutzt, der kürzlich still und leise wieder begraben wurde.

Snappcar kommt aus den Niederlanden

Snappcar hat seinen Hauptsitz in den Niederlanden und betreibt auch ein peer-2-peer Carsharing Angebot in Dänemark und Schweden. In Deutschland war Snappcar vor der Übernahme von Tamyca nicht aktiv. Snappcar wurde im Jahr 2010 gegründet und wächst rasant. Jeden Tag mieten fast 500 Mitglieder der SnappCar-Community ein Auto direkt in ihrer Nähe über die Webseiten. Fast 400.000 angemeldete Benutzer und knapp 45.000 Autos sind auf der Plattform registriert.

Nur noch zwei Anbieter auf dem deutschen Markt 

Mit der Übernahme setzt sich die Konsolidierung in Deutschland fort. In der Vergangenheit hat der Anbieter Drivy den deutschen Anbieter Autonetzer übernommen, der sich kurz zuvor das Netzwerk des Anbieters Nachbarschaftsauto einverleibt hat. Die Deutschen verleihen nicht gerne ihr privates Fahrzeug, außerdem stellt der teilweise komplizierte Prozess bei Anmietung und Rückgabe ein Problem dar. Größerer Beliebtheit erfreut sich in deutschen Städten das kommerzielle free-floating Carsharing.

Auch bei diesen kommerziellen Anbietern zeichnet sich eine Konsolidierung ab. Trotz der Auseinandersetzungen zwischen Daimler und BMW werden anscheinend die Fusionspläne von DriveNow und car2go weiterhin verfolgt. Noch zu Jahresbeginn wurden die Pläne von Sixt dementiert, jetzt ist es Erich Sixt persönlich, der angedeutet hat, dass eine Fusion bevorstehen könnte.

Bild: Snappcar (alle Rechte vorbehalten)

Opel beendet sein privates Carsharing Experiment CarUnity

Still und leise hat sich Opel anscheinend aus dem Markt der Peer-to-Peer Carsharing Anbieter zurückgezogen – laut dem Blog eMobilität war das schon Anfang des Jahres der Fall. CarUnity hat die Nutzerkonten in Tamyca Accounts umgewandelt und damit dem ehemaligen Kooperationspartner das Geschäft überlassen.

Kooperation mit Tamyca statt Eigenentwicklung

Opel hat sich 2015 dazu entschieden, eine White Label Lösung anstatt einer Eigenentwicklung für das private Carsharing zu nutzen. Die Entscheidung viel damals auf das Aachener Startup Tamyca, das die technische Basis für das CarUnity Angebot zur Verfügung gestellt hat. Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben mittlerweile 150.000 registrierte Nutzer und es stehen deutschlandweit 15.000 Fahrzeuge zur Verfügung. Damit sieht sich die Plattform vor dem Wettbewerber Drivy, der auf 140.000 registrierte Nutzer und 5.000 Fahrzeuge in Deutschland kommt.

Kein Carsharing von Opel

Wahrscheinlich konnte CarUnity nicht die geplanten Ziele erreichen und hat sich deswegen dazu entschieden, das Experiment zu beenden. Opel hat sich somit vorerst komplett aus dem Carsharing Markt zurückgezogen und in absehbarer Zeit wird sich das wahrscheinlich auch nicht ändern. Das von General Motors geplante Maven Carsharing Angebot wird es nach der Opel Übernahme durch die PSA Group nicht mehr nach Deutschland schaffen. Das Experiment mit dem Spotcar Angebot ging 2015 auch schief und das Startup musste letztendlich aufgeben. Bleibt abzuwarten, ob von der PSA Group under der Free2Move Marke demnächst Mobility Services gestartet werden.

Daimler und BMW fahren davon

Opel bleibt damit deutlich hinter anderen deutschen Automobilherstellern zurück. Vor allem BMW und Daimler setzen auf Carsharing. Beide Anbieter haben die Free Floating Angebote DriveNow und Car2Go im Angebot. Daimler hat mit Croove noch ein Peer-2-Peer Carsharing Angebot in Städten wie München oder Berlin auf dem Markt. Auch bei anderen alternativen Mobilitätsangeboten hat der Autokonzern aus Rüsselsheim bisher wenig vorzuzeigen. Mit den Themen Ridesharing und on-demand Shuttle Dienste scheint sich das Unternehmen nicht zu befassen.

Bild: Opel (alle Rechte vorbehalten)

Peer-to-Peer Carsharing Unternehmen Drivy expandiert nach Hamburg

Das französische Startup Drivy expandiert nach Hamburg. Ende des vergangenen Jahres ist das Carsharing-Unternehmen schon in Berlin gestartet. Drivy ist eine Plattform, auf der Fahrzeugbesitzer ihre Fahrzeuge einstellen und an Privatpersonen vermieten können.

Erfolgreicher Start in Berlin

Das Unternehmen verfolg das Ziel, ungenutzte Fahrzeuge auszulasten. Privatpersonen, die ein Fahrzeug besitzen, können es auf der Plattform einstellen und so Nachbarn und Freunden zur Nutzung zur Verfügung stellen. Im November letzten Jahres ist das französische Unternehmen in Berlin gestartet. In den letzten zwei Monaten konnten etwa 100 Fahrzeuge für die Carsharing Plattform gewonnen werden. Den Start in Berlin sieht das Unternehmen als erfolgreich an und möchte deshalb so schnell wie möglich weitere Städte erschließen. Als nächste Stadt ist nun Hamburg an der Reihe.

Vorhandene Ressourcen besser nutzen

Das Prinzip hinter Drivy ist einfach und einleuchtend. Mittels online Plattform und App sollen verfügbare Ressourcen, in diesem Fall Fahrzeuge, besser genutzt werden. Fahrzeuge sind teuer und stehen im Schnitt 95% des Tages leer herum. Durch Vermietung an Nachbarn und Suchende soll die Leerzeit der Fahrzeuge reduziert werden und der Fahrzeughalter soll davon finanziell profitieren.

Drivy ist als Web, iOS und Android App verfügbar. In wenigen Schritten können die Vermieter ihre Fahrzeuge und verfügbare Zeiten eintragen. Die Mieter können die Fahrzeuge in ihrer Nähe suchen und Anfragen. Für beide Seiten ist die Registrierung kostenlos. Der Mieter zahlt für die Mietdauer einen Preis, der vom Vermieter festgelegt wird, der außer Sprit sämtliche Kosten enthält. Drivy erhält vom Vermieter einen Anteil des Mietpreises für Versicherung und Vermittlung.  Um dem Fahrzeugbesitzer die Preisfindung zu vereinfachen, werde bei den Preisen Richtwerte je nach Fahrzeugtyp, Baujahr und Ausstattung als Entscheidungshilfe vorgegeben.

Extra Versicherung für jede Vermietung

Für die Zeit der Vermietung ist das Fahrzeug über eine Zusatzversicherung abgesichert. Drivy arbeitet mit der Allianz zusammen, um Fahrer und Fahrzeughalter abzusichern. Das Versicherungspaket besteht aus einer Haftpflicht, die Schäden gegenüber Dritten, Schäden am Fahrzeug , Feuer und Diebstahl abdeckt. Hinzu kommt ein Schutzbrief, der den gesamten Aufwand des Pannendiensts abdeckt. Die Versicherung des Fahrzeughalters wird in einem Schadensfall nicht belangt.

Konkurrenz zu klassischen Autovermietungen

Drivy sieht sich nicht als Konkurrenz zu innerstädtischen Carsharing Anbietern, sondern zu klassischen Autovermietungen, wie Sixt oder Europcar. Die durchschnittliche Mietdauer beträgt zwei bis vier Tage. Drivy ist die Ein-Verlängertes-Wochenende- Alternative oder die perfekte Option für einen Ausflug mit Freunden. Der Aufwand auf Mieterseite ist auch eher mit dem Aufwand einer Autoanmietung zu vergleichen. Schließlich mässen Termine mit den Fahrzeughalter vereinbart werden, um das Fahrzeug zu übergeben und um die Vertragsdokumente zu unterzeichnen. Wer hingegen spontan ein Fahrzeug für eine Kurzstrecke benötigt, nutzt eher vorhandene Free-Floating Anbieter, wie Car2go oder DriveNow.

Deutsche Wettbewerber

Deutsche Wettbewerber von Drivy sind die Plattformen Tamyca und Autonetzer. Die beiden Unternehmen sind fast zeitgleich im Jahr 2010 gestartet. Autonetzer hat sich im letzten Jahr mit der Plattform Nachbarschaftsauto zusammen geschlossen. Auf Tamyca sind etwa 3.000 Fahrzeuge registriert, Autonetzer kommt auf etwa 10.000 Fahrzeuge. Auch bei den Mitgliedern liegt Autonetzer mit 75.000 Registrierungen vorne, Tamyca kommt auf etwa 25.000 Nutzer. Laut einer Studie des TÜV Rheinland wird das private Carsharing weiterhin ein Randerscheinung bleiben. Lediglich 90.000 bis 100.000 der 1 Mio. Carsharing Nutzer greift auf privates Carsharing zurück. Die restlichen 90% der Carsharing Nutzer entfallen auf die Free-Floating oder stationsgebundenen gewerblichen Anbieter. Car2go und DriveNow haben hier die Nase vorn.

Über Drivy

Auch Drivy wurde im Jahr 2010 gegründet. Die ersten drei Jahre lief das Unternehmen unter dem Namen Voiturelib, 2013 wurde der Unternehmensname zu Drivy geändert. Drivy ist einprägsamer und dürfte bei der Internationalisierung nützlich sein. Das Unternehmen kommt in Frankreich auf 20.000 Fahrzeuge und etwa 400.000 Nutzer. Damit ist es von der Nutzerzahl etwa fünfmal so groß, wie der größte Anbieter in Deutschland. Als Investoren sind Index Ventures und Alven Capital mit an Board. Im Jahr 2012 wurden knapp  2 Mio. Euro investiert, im Mai 2014 kamen weitere sechs Mio. Euro für eine Internationalisierung des Carsharing-Unternehmens hinzu. Neben Berlin und Hamburg sollen weitere deutsche Städte folgen.

Bild: DRIVY.DE/Stefan Wieland (via flickr)