Erfahrungsbericht: Mit Familie im Berlin – Mobilitätsdienste statt eigenes Auto

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Testbericht: Bike-Sharing Dienst Mobike in Berlin
Testbericht: Bike-Sharing Dienst Mobike in Berlin

Der folgende Bericht soll einen kleine Einblick geben, wie man in Berlin mit Familie ohne eigenes Fahrzeug sehr gut zurecht kommt. Erfreulich ist, dass das Angebot an Mobilitätsdiensten stetig wächst. Das führt dazu, dass man immer weniger Komforteinbußen in Kauf nehmen muss, um mit Familie oder alleine ohne eigenes Auto mobil zu sein. Das Smartphone spielt dabei eine wichtige Rolle, alle Verkehrsmittel werden über die unterschiedlichen Apps gebucht und bargeldlos bezahlt.

Die Ausgangslage – Kids: 2 , Auto: 0

Als kleine Familie mit zwei kleinen Kindern wohnen wir im zentralen Stadtteil Prenzlauer Berg. Auf ein eigenes Auto wird verzichtet, da es die meiste Zeit ungenutzt stehen und dauerhaft Kosten verursachen würde. Um von A nach B zu kommen, wird ein Mix aus traditionellen und modernen Mobilitätsangeboten genutzt.

Eigenes Fahrrad als erste Wahl – gefolgt von ÖPNV

Bei uns ist das Fahrrad für die meisten Strecken die erste Wahl. Nachbarn, Freunde und Kollegen bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Kita oder Schule, obwohl die Strecke locker mit Fahrrad zurück gelegt werden kann. Wir fahren mit dem Fahrrad – wenn ein Kind dabei ist, kommt der Kinder-Fahrradsitz zum Einsatz, wenn beide Kinder dabei sind, wird der Fahrradanhänger von Thule genutzt. Nach dem Stop an der Kita geht es mit dem Rad gleich weiter zur Arbeit. Kurze Erledigungen und Termine werden ebenfalls mit dem Rad erledigt.

Der ÖPNV in Berlin ist häufig die Alternative bei schlechtem Wetter oder bei längeren Strecken. Die Voraussetzung muss erfüllt sein, dass lange Wartezeiten und mehrere Umstiege nicht Bestandteil der zurückzulegenden Strecke sind. Fehlende, defekte oder unterdimensionierte Aufzüge an den Stationen sind mit Kinderwagen eine Herausforderung.

Car-Sharing für Tagesausflüge oder große Einkäufe

Wir sind als Familie viel unterwegs, einige Ziele sind aber schlecht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Entweder dauert die Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln viel länger oder ist mit zahlreichen Umstiegen verbunden. Free-Floating Carsharing Angebote sind dann meistens unsere Wahl, um von A nach B zu kommen. Die Fahrzeuge von Car2Go und DriveNow sind meist so geräumig, dass Kind und Kegel locker ins Auto passen. Was auffällt, meist steht ein Fahrzeug genau dann mehrere Minuten Laufweg entfernt, wenn man es schnell benötigt. Wünschenswert wäre die Verknüpfung mit weiteren Mobility Services, wie Bike- oder Scooter-Sharing oder die signifikante Vergrößerung der Flotte.

Die Kosten von etwa 90 Euro für eine Tagesnutzung schrecken erstmal ab, da sie transparent vermittelt werden. Denkt man genauer darüber nach, sieht die Geschichte anders aus. Die meisten Autobesitzer haben wahrscheinlich nicht im Kopf, was der Luxus eines eigenen PKWs kostet. Neben Kosten für Benzin oder Diesel, müssen auch Wartungskosten, Versicherung, Steuern, Parkgebühren und Wertverlust mit betrachtet werden. Die fehlende Transparenz führt dazu, dass Carsharing als eher teuer wahrgenommen wird.

Auch große Einkäufe werden mit den Fahrzeugen der Car-Sharing Dienste erledigt.

Scooter Sharing oder Bike Sharing für kurze Einfachstrecken

Wer kenn das nicht: Man muss für paar Tage auf Geschäftsreise und nutz den Fernzug vom nächsten Bahnhof. Das Fahrrad ist das schnellste und günstigste Verkehrsmittel, um zum Zug zu kommen. Das eigene Fahrrad möchte man ungern für ein paar Tage am Bahnhof stehen lassen. Für dieses Szenario werden bei uns die vorhandenen Free Floating Bike-Sharing Angebote genutzt. Die Räder stehen an fast jeder Ecke und die Nutzung ist kinderleicht. Die Kosten für kurze Fahrten belaufen sich auf maximal 50 Cent. Bike-Sharing ist natürlich nur eine Option, wenn man ohne Kleinkinder unterwegs ist. Als Alternative zum Bike Sharing wird das Angebot von Coup genutzt, mit den Elektrorollern kommt man auch schnell von A nach B.


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Ride-Sharing und Taxi 

In Berlin gibt es mit allygator und Clevershuttle bereits zwei Anbieter von Ride-Sharing Diensten. Soll eine kürzere Strecke zurückgelegt werden, für die das Fahrrad nicht geeignet ist, da Strecke zu lang oder er Anlass unpassend ist, sind die Shuttle Dienste die nächste Wahl. Die Dienste bieten einen guten Service bei attraktiven Preis. Außerdem werden im Idealfall mehrere Fahrgäste in einem Fahrzeug gepoolt, was hoffentlich dazu führt, dass die Zahl der Fahrzeuge auf der Straße weiter sinkt. Häufig ergeben sich auch nette Gespräche mit den anderen Fahrgästen.

Störend ist bei den Ride-Sharing Dienten die geringe Verfügbarkeit, die unter anderem von rechtlichen Rahmenbedingungen verursacht wird. Allygator Shuttle ist nur am Wochenende und dann auch nur abends verfügbar. Die geringe Größe der Flotte und die Tatsache, dass die Fahrten auf Grund der Kooperation mit dem ADAC nichts kosten, passen nicht mit der Nachfrage überein. Clevershuttle hat eine größere Flotte im Einsatz, die aber häufig auch nicht ausreicht, um attraktive Fahrtangebote zu unterbreiten. Eine Lockerung des gesetzlichen Rahmens wäre wünschenswert, damit die Shuttle Dienste ihr Angebot nach den Bedürfnissen der Kunden ausbauen können.

Sollte kein Shuttle verfügbar sein, gibt es immer noch die Möglichkeit, ein Taxi über myTaxi oder Uber zu rufen. Die Verfügbarkeit ist meist gut, auch wenn der Service häufig freundlicher sein könnte.

Wenn man mit Kindern im Taxi oder Ride-Sharing Dienst unterwegs ist, müssen Kindersitze meist mitgenommen werden, da keine passenden im Fahrzeug vorhanden sind. Am Anfang war es gewöhnungsbedürftig, mittlerweile hat man sich darauf eingestellt. Wünschenswert wäre ein kinderfreundliches Angebot.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ein Leben ohne eigenes Auto in einer Großstadt wie Berlin immer komfortabler wird. Dazu leistet die wachsende Anzahl der Mobilitätsdienste eine erheblichen Beitrag. Viele Fahrzeuge bei uns in der Straße sind Stehzeuge, da sie kaum genutzt werden. Baumaßnahmen mit einer Parkverbotszone, die sich über eine Straßenlänge von mehreren hundert Metern hingezogen hat, haben verdeutlicht, wie viel Platz frei werden kann, wenn mehr Einwohner auf das eigene Auto verzichten und die zahlreichen Alternativen nutzen. Der Platz kann für weiteren Wohnraum und Grün- oder Freizeitflächen genutzt werden. Davon würden alle profitieren.

Wünschenswert wäre eine bessere Vernetzung der unterschiedlichen Dienste. Ohne eigenes Auto ist man sowieso darauf angewiesen, unterschiedliche Verkehrsmittel zu nutzen. Die Anbieter sollten sich in Partnerschaften enger zusammentun, damit man sich nicht für jede App extra registrieren muss. Als Vorbild können Plattform wie Didi Chuxing oder Grab gesehen werden. Die asiatischen Player haben erkannt, dass der Erfolg in einem Network of Networks liegt.

Viel Potential liegt auch in den Ride-Sharing Diensten, die Vorteile sind bisher nur im Ansatz erkennbar. Es ist Zeit dafür, dass die Gesetzeslage angepasst wird, damit die unterschiedlichen Player das volle Potential ausspielen können und bedarfsgerechte Dienste für Familien und andere Bevölkerungsgruppen getestet werden können.

Bild: GetMobility.de (alle Rechte vorbehalten)