Verkehrsinfarkt in Deutschland

Fliegen, fahren oder mit der Bahn? Die Reisemöglichkeiten sind vielseitig. Doch ob der Reisende sein Ziel pünktlich erreicht, bleibt häufig offen. Noch nie war der Verkehr in Deutschland so überlastet und unzuverlässig wie aktuell. Statistiken zeigen, dass verschiedene Verkehrssysteme am Rande ihrer Effizienz und Verkehrsträger am Limit stehen.   

  • Die Anzahl der Staus auf deutschen Autobahnen steigt von 285.000 in 2012 auf 723.000 in 2017, ein Anstieg von über 250%. (Quelle: ADAC)
  • Besser sieht es auch nicht in der Luft aus. Gestrichene Flüge von und nach Deutschland sowie Inlandsflüge kommen in diesem Jahr (bis Mitte September) auf eine Anzahl von 23.667. Im Jahr 2012 waren es vergleichsweise “nur” 15.330. (Quelle: EUclaim)
  • Zu guter Letzt: die Bahn. Der Anteil unpünktlicher Züge im Fernverkehr liegt bei über 24%, in 2012 noch bei 20,9 %. (Quelle: DB)

Günstige Flug- und Fernreisen, die Zunahme des Onlinehandels und moderne Produktionsweisen strapazieren die bestehende Infrastruktur, die für eine derartige Übernutzung nicht ausgelastet ist.  

Die Folgen des Verkehrschaos sind nicht nur Staus, der Verlust an Produktivität, Stress und verschwendete Lebensjahre. Der tägliche Wahnsinn produziert auch giftige Abgase, die Natur, Klima und Gesundheit zerstören.

Mit der nationalen Plattform “Zukunft der Mobilität” startet die Bundesregierung den Versuch, unter Einbeziehung von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Handlungsempfehlungen für eine bezahlbare nachhaltige und klimafreundliche Mobilität zu entwickeln. Das erklärte Ziel dabei ist: Dem Klima- und Umweltschutz dienen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gewährleisten. Noch im September soll die Arbeit unter Einbezug folgender Arbeitsgruppen aufgenommen werden:

  1. Klimaschutz im Verkehr
  2. Nachhaltige Mobilität
  3. Digitalisierung, Automatisiertes Fahren und neue Mobilitätsangebote
  4. Sicherung des Mobilitäts- und Produktionsstandortes, Batteriezellproduktion, Rohstoffe und Recycling, Bildung und Qualifizierung
  5. Sektorkopplung
  6. Standardisierung, Normung, Zertifizierung und Zulassung

(Quelle: Bundesregierung)

Sicher ist, dass die Mobilitätswende kommen wird. Diverse Ideen und Konzepte gehen ins Rennen. So bieten Fahrdienste wie DriveNow, Uber und Car2Go mobile Services an, die über App gebucht werden können. Doch so spannend diese Konzepte klingen, sie alle haben den gleichen Schönheitsfehler: Man braucht dafür weiterhin Autos, die die Straßen zusätzlich verstopfen. Übergeordnetes Ziel müsse vielmehr sein, „dass sich die Menschen kein eigenes Auto mehr anschaffen“.