Die nächste Technologiegeneration für automatisiertes Fahren

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BMW und Daimler wollen die nächste Technologiegeneration für automatisiertes Fahren werden.

Dieses Vorhaben gab die BMW Group in ihrer Pressemitteilung am 28.02.2019 bekannt. Letzte Woche haben wir bereits über die Fusion von Daimler und BMW in Form von fünf Joint Ventures mit Sitz in Berlin berichtet. Nun planen beide Konzerne eine “langfristige und strategische Kooperation” im autonomen Bereich. Hierfür haben bereits Unternehmensvertreter entsprechende Absichtserklärungen unterschrieben.

Es sollen in erster Linie Fahrassistenzsysteme und hochautomatisiertes Fahren auf Autobahnen (SAE Level 3 und Level 4) entwickelt werden. Weitere Ziele sind eine flexible Plattform und kürzere Innovationszyklen, um die Marktfähigkeit der Technologie vor Mitte des nächsten Jahrzehnts gewährleisten zu können.

Sowohl für den Münchner als auch den Stuttgarter Autokonzern stehen die Vorteile außer Frage: Beide Partner können ihre Kompetenzen und Erfahrungen bündeln und die Entwicklung zukünftiger Technologiegenerationen beschleunigen und effizienter gestalten. Vor allem die Sicherheit der Insassen sowie aller anderen Verkehrsteilnehmer steht für beide Unternehmen im Fokus.

Durch die gemeinsame Entwicklung der Autonomie-Stufen 3 und 4 soll automatisiertes Fahren sowohl in Europa, den USA, als auch in China auf Autobahnen, in den Städten und auf dem Land ermöglicht werden. Zudem sind auch Gespräche über eine zukünftige Ausdehnung des Kooperationsumfangs angedacht.

Die Entwicklung der aktuellen Generationen sowie anderweitige Kooperationen der beiden Unternehmen sind hiervon unberührt und werden unverändert fortgeführt. Beide Konzerne werden weitere Partnerschaften mit Technologie-Unternehmen und Automobilherstellern prüfen, die zum Erfolg der Plattform beitragen können.

Was bisher geschah…BMW Group:

Hochautomatisiertes Fahren steht seit dem Jahr 2006 auf der BMW-Agenda. Daraus gründete sich eine nicht-exklusive Plattform mit Technologie-, Zuliefer- und OEM-Partnern. Im Jahr 2017 wurde schließlich die Entwicklung am Autonomous Driving Campus in Unterschleißheim zusammengeführt. Hier wird die Industrialisierung sowie die Skalierbarkeit der Technologie mit gemeinsamen Partnern fortgeführt.

Aktuell werden auf der ganzen Welt mehr als 70 Testfahrzeuge mit dem neuesten Technologiestand erprobt. Mithilfe von Datensammlungen kann hiermit die Technologie durch maschinelles Lernen mit künstlicher Intelligenz in virtuellen Simulationen verbessert und neue Funktionen von Level 2 bis Level 5 auf der Straße getestet werden. Bisher wird das Jahr 2021 favorisiert, um mit dem BMW iNEXT (Level 3) in Serie zu gehen. Weiterhin sollen Pilotprojekte mit der Autonomie-Stufe 4 initialisiert werden.

Was bisher geschah…Daimler:

Daimler arbeitet als einziger OEM weltweit an Serienentwicklungsprojekten sowohl für Level 3, als auch Level 4/5-Fahrzeuge. Dafür baut der Stuttgarter Konzern auf seine lange Vorreiterrolle auf und nutzt teilweise eigene in-house produzierte Sicherheitssysteme. 2019 soll im Silicon Valley der erste Testpilot von Bosch und Daimler für selbstfahrende Fahrzeuge (Level 4/5) im urbanen Bereich gestartet werden. Anfang der 2020er Jahre will Daimler schließlich sowohl hochautomatisierte (Level 3), sowie vollautomatisierte (Level  4/5) Fahrzeuge marktfähig machen.

Aus Konkurrenten werden Partner im weltweiten Wettstreit

“Kooperationen wie die zwischen BMW und Daimler beim autonomen Fahren sind für die deutsche Automobilbranche eine Überlebensfrage, sagen Experten – auch weil Tech-Giganten wie Google weit voraus sind”, so Caroline Wenzel vom SWR in einem Artikel der tagesschau. Die Mobilitätsbranche erweist sich als ein hart umkämpfter und sich ständig wandelnder Markt. Momentan erscheint die Google-Tochter Waymo als führender Vorreiter, da diese Ende 2018 in Arizona den ersten kommerziellen Robotertaxi-Dienst der Welt gestartet und sich damit von der Masse abgesetzt hat.

BMW und Daimler haben sich als Ziel das Jahr 2025 gesetzt, um die nächste Technologiestufe der Breite zur Verfügung zu stellen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, um die “Freude am Fahren” durch die “Freude am Mitfahren” abzulösen und völlige Autonomie im Verkehr zu gewährleisten.

Bild (alle Rechte vorbehalten): BMW Group