Go! für Radfahrer

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In bereits neun Städten in Deutschland wird das neue Grünpfeilschild für Radfahrer getestet.

Was ist an den Grünpfeilschildern neu?

„Nur Radverkehr“ – als Zusatzzeichen zum Grünpfeilschild erlaubt diese Aufschrift Radlern auch bei einer roten Ampel das Rechtsabbiegen. Ebenso wie für Autofahrer gilt auch für Radfahrer: An roten Ampeln mit dem Grünpfeilschild muss vor dem Rechtsabbiegen angehalten werden – dabei dürfen keine Verkehrsteilnehmer durch das Rechtsabbiegen behindert oder gefährdet werden.

Das Testprojekt befindet sich mit dem neuen Verkehrsschild aktuell in der „Experimentierphase, die bereits im Januar diesen Jahres gestartet wurde.  Inwiefern das Schild einen Mehrwert für Radfahrer schafft wird bis Januar 2020 getestet.

Hier fahren Radfahrer schon an roten Ampeln vorbei

In diesen neun Städten wird der Grüne Pfeil als Pilotprojekt ebenfalls getestet: Bamberg, Darmstadt, Düsseldorf, Köln, Leipzig, München, Münster, Reutlingen und Stuttgart.

Warum gibt es jetzt ein gesondertes Schild für Radfahrer?

Radfahren gilt als eines der umweltschonendsten Fortbewegungsmittel und oft erweist sich das Rad sogar schneller als der reguläre ÖPNV. Wer jedoch morgens in einer Stadt wie Frankfurt mit dem Rad unterwegs ist, kennt das Problem – enge Radwege, die immer wieder unangekündigt von Fahrzeugen versperrt werden.

In der Pressemitteilung über die Einführung des Grünen Pfeils für Radfahrer in Berlin, äußerte sich Staatssekretär Tidow zuversichtlich, denn Tidows Aussagen zufolge macht das neue Schild „das Radfahren attraktiver“ und sorgt dafür, dass „Radfahrer künftig schneller vorankommen können.“

Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer setzt sich für neue Regeln im Straßenverkehr ein, die das Radeln angenehmer machen sollen. Neben dem Grünpfeilschild sollen insbesondere Halteverbote auf Radwegen verschärft werden.

Bisherige Kritikpunkte

  • „Fußgänger werden durch das Grünpfeilschild gefährdet.”

Der Fußgängerfachverband Fuss e.V.” begrüßt das neue Grünpfeilschild für Radfahrer eher weniger. Er sieht die Einführung des Schildes kritisch, da dadurch mehr Fußgänger gefährdet werden könnten. Mithilfe einer Studie betonte der Verband, dass die Unfallquote an Kreuzungen mit grünem Pfeil höher sei als an Kreuzungen ohne Grünpfeilschild. Untersucht wurden hier 505 Kreuzungen in deutschen Städten, an 169 Kreuzungen davon entstanden insgesamt 20 Unfälle in einem Zeitraum von drei Jahren. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum gab es an Kreuzungen ohne Grünpfeilschild lediglich 14 Unfälle.

  • „Das Grünpfeilschild hat wenig Nutzen für Autofahrer.”

Einer Studie der Unfallforschung für Versicherer (UDV) zufolge, sei der Nutzen des Grünen Pfeils gering. Die Begründung dafür: Autofahrer müssten nach dem Rechtsabbiegen durch ein Grünpfeilschild meist an der nächsten roten Ampel wieder anhalten. Der Grünpfeil sei daher rein objektiv betrachtet ein überflüssiges Verkehrszeichen, so der UDV.

Die häufigsten Unfallursachen

Das Radfahren ist stets eine beliebtes Fortbewegungsmittel, nach der Radreiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs nutzen rund 76 % der Deutschen das Fahrrad. Jedoch enden noch viele Radreisen tödlich: 2018 starben nach Zahlen des Statistischen Bundesamts 455 Radfahrer, darunter 89 auf elektrisch unterstützten Pedelecs*, und das mit einer steigenden Tendenz. Enge, ungeschützte Radwege sowie gemeinsame Ampelschaltungen von Rad- und Autoverkehr gehören dabei zu den größten Gefahren und häufigsten Unfallursachen.

Nach Aussagen des Unfallforschers Siegried Brockmann „müssten Verkehrsströme getrennt werden, etwa durch Ampelschaltungen.“ Dabei kritisiert Brockmann, dass viele Unfallgefahren bereits bekannt seien, das Hauptproblem beschreibt er als Folgendes:

„Unfallkommissionen kommen in vielen Städten nicht nach, die identifizierten Stellen zu bearbeiten und entsprechend umbauen zu lassen. Oft wird auch das Geld nicht bewilligt.“

*Pedelec ist die Abkürzung für “Pedal Electric Cycle” und bezeichnet Elektrofahrräder, dessen elektronische Unterstützung durch das Treten in die Pedalen entsteht.

Geplante Änderungen der Straßenverkehrsordnung

Um die Straßen in Zukunft fahrradfreundlicher zu machen, sind Änderungen in der Straßenverkehrsordnung geplant. Bundesverkehrsminister Scheuer plant außerdem die Einführung eines Halteverbots auf schmalen Radwegen, die lediglich durch eine gestrichelte Linie von der Fahrbahn getrennt werden. Ziel ist es, Behinderungen für Radfahrer durch abgestellte Fahrzeuge auf dem Radweg in Zukunft zu vermeiden. Im nächsten Schritt sollen die neuen Maßnahmen zugunsten der Radfahrer in einer Reform der Straßenverkehrsordnung in Abstimmung mit allen Bundesländern berücksichtigt werden.

Fazit

Obwohl sich das neue Grünpfeilschild nur an Radfahrer richtet, würde die Änderung nur funktionieren, sofern Radfahrer allein auf den Straßen fahren und keine anderen Verkehrsteilnehmer betroffen sind. Während Autofahrer das allgemein bekannte Grünpfeilschild für überflüssig halten, stellt das neue Schild auch für Fußgänger eher eine zusätzliche Gefahrenquelle dar. Mit der Einführung des Schildes erhofft man sich ein schnelleres Vorankommen für Radfahrer. Dabei wird bei näherer Betrachtung der Radverkehrsinfrastruktur deutlich: Das neue Grünpfeilschild allein reicht nicht aus, um das Radfahren attraktiver und sicherer zu machen. An erster Stelle sollte in der Straßenverkehrsordnung mehr Rücksicht auf Radfahrer genommen werden. Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung, sollten sich daher auf die Radverkehrssicherheit fokussieren – ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Einen positiven Ansatz stellen deshalb beispielsweise getrennte Ampelschaltungen für alle Verkehrsteilnehmer dar, sowie besser gekennzeichnete Radwege.

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