Archiv der Kategorie: Autonomes Fahren

Torc Robotics will sich verdoppeln

Torc Robotics, ein amerikanisches Unternehmen für autonome Fahrsysteme, ist in Deutschland vielleicht noch nicht so bekannt  wie seine Konkurrenten, doch das kann sich schon bald ändern: Torc ist dabei zu expandieren. Das Unternehmen strebt eine nahezu Verdoppelung seiner Mitarbeiterzahl an, um die Technologie für selbstfahrende Autos weiterzuentwickeln.

Torc präsentierte im vergangenen Jahr sein autonomes Antriebssystem Asimov (benannt nach dem bekannten Science Fiction-Autor Isaac Asimov), das ganz dem ersten Robotergesetz des Autors entsprechen soll: „Kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird“. Auf der CES 2018 gab das Unternehmen erste öffentliche Demonstrationen der Technik.

Torc wurde 2005 von Studenten der Virginia Tech Universität gegründet und ist heute eines der ältesten spezialisierten Unternehmen für selbstfahrende Autos. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Blacksburg, Virginia und testet dort und in Las Vegas seine autonome Fahrzeugtechnologie auf privatem und öffentlichen Grund.

2007 nahm Torc bei verschiedenen Wettbewerben der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) teil. Mit dem Wettbewerb forciert die DARPA die Entwicklung autonomer Fahrzeuge für das Militär, sodass Torc 50% seines Umsatzes bislang mit militärischen Aufträgen machte.

Aktuell arbeiten viele Unternehmen daran, autonome Antriebssysteme oder sogar komplette selbstfahrende Fahrzeuge zu entwickeln, um sie an Automobilhersteller zu vermarkten. So plant Waymo noch in diesem Jahr einen autonomen Mitfahrdienst einzuführen und Unternehmen wie Baidu und Drive.ai haben ihre Testprogramme bereits erweitert. Die Wettbewerber spornen sich gegenseitig an, die komplexe Technologie möglichst bald auf den Markt zu bringen.

Quelle (Bild): alle Rechte vorbehalten

Unfall zeigt: Apple testet autonome Autos

Es war das erste Mal, dass die kalifornische Verkehrsbehörde die Nachricht von einem Unfall mit einem autonomen Auto von Apple erhielt. Dem Bericht zufolge ist ein nicht-autonomer elektrischer Nissan Leaf auf das Heck  eines autonomen Apple-Testwagens aufgefahren, ein Lexus 450h. Es war nur ein kleiner Unfall, doch er zeigt, dass auch für das weltweit geschätzte Technologieunternehmen selbstfahrende Autos ein wichtiger Bestandteil der Mobilität der Zukunft sein werden.

Das autonome Auto fuhr im Schritttempo, um in der Nähe des Apple-Hauptsitzes in Cupertino (Kalifornien) auf einer Überholspur rechts abzubiegen, als es mit 24 km/h von einem Nissan getroffen wurde. Die Testfahrzeuge von Apple sind mit einer Vielzahl von Sensoren und Kameras ausgestattet, sowie mit Fahrern, die im Notfall eingreifen können. Niemand wurde verletzt, aber da es sich um einen autonomen Testwagen handelte, musste der Unfall bei den Behörden gemeldet werden.

Experten gehen davon aus, dass die KI der selbstfahrenden Autos zu einem allgemein achtsameren Verhalten im Straßenverkehr führt. Sie seien behutsamer programmiert und reagieren dadurch empfindlicher als Menschen. So würden die Fahrzeuge zum Beispiel beim Abbiegen über eine Verkehrslinie abrupt anhalten anstatt durchzufahren, wie es Menschen normalerweise tun würden. Es gibt diverse Daten, die zeigen, dass selbstfahrende Autos für die Passagiere sicherer sind als von Menschen betriebene Autos.

Über die Fortschritte von Apple und seinem autonomen Fahrprogramm ist wenig bekannt. Es war im Jahr 2015, als das Wall Street Journal zum ersten Mal die Existenz von Apples geheimem Titan-Programm enthüllte, für das es mehrere ehemalige Tesla-Leute rekrutierte. Es wird vermutet, dass Apple mit dem Projekt beabsichtigt, ein selbstfahrendes Auto eigenständig herzustellen. Andere gehen davon aus, dass Apple ein Add-on-Paket entwickelt, das Standard-Autohersteller zu ihrer Produktpalette hinzufügen können.

Aktuell testet Apple sein Programm mit 66 Fahrzeugen und verdeutlicht damit, dass es in Bezug auf autonome Fahrzeugtechnologien nun doch Gas gibt, nachdem es lange Zeit still um das Thema gewesen war.

Bild: appleinsider.com (alle Rechte vorbehalten)

 

Autonomes Fahren – Toyota investiert in Uber

Mit einem 500 Millionen Dollar Investment will der japanische Autohersteller Toyota das amerikanische Dienstleistungsunternehmen Uber dabei unterstützen, die Entwicklung eines autonomen Fahrzeugs voranzutreiben. Ziel dabei sei es, die selbstfahrenden Autos als Rufservice auf den Markt zu bringen.

Bisher galten die beiden Unternehmen als große Konkurrenten in der Entwicklung autonomer Autos. Mit der Partnerschaft verdeutlicht Uber seine Strategie, durch Kooperationen den Ausbau und die Verfeinerung der Technologie umzusetzen.

Die Zusammenarbeit beinhalte eine Zusammenführung des autonomen Fahrsystems von Uber mit dem Guardian-System von Toyota. Bei letzterem handelt es sich um ein automatisiertes System, das zwar einige Sicherheitsmerkmale bietet, aber es einem Fahrzeug bislang nicht erlaubt, völlig autonom zu fahren.

In den letzten zwei Jahren ergaben sich diverse Partnerschaften zwischen Automobilherstellern, Technologieunternehmen und anderen Dienstleistern, um gemeinsam an der komplexen Technologie zu arbeiten und Kosten zu teilen.

 

Lessons learned: Die Neugestaltung urbaner Mobilität

Autonome Fahrzeuge verändern das Transportwesen im städtischen Kontext drastisch. Welche Schritte muss eine Regierung unternehmen, um eine sichere Mobilität auch in Zukunft zu gewährleisten? Wie können Sauberkeit und Zugänglichkeit für neue Mobilitätsformen garantiert werden? Was sind die lessons learned in Bezug auf die Neugestaltung urbaner Mobilität.

Diesen Fragen widmen sich das World Economic Forum und die Boston Consulting Group in einer Studie, die sich mit autonomen Fahrzeugen und ihrem Einfluss auf die Neugestaltung urbaner Mobilität auseinandersetzt. Die Kollaboration erstreckte sich über drei Jahre, die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht. Durch einen weiteren Partner, die Stadt Boston, konnten die Auswirkungen autonomer Fahrzeuge in der Praxis untersucht werden.  Der Zweck der Studie richtete sich zudem auf das Katalysieren von Tests zu autonomen Fahrzeugen sowie die Entwicklung einer Strategie zur Förderung der Technologie. Gleichzeitig richtete sich der Fokus auf die Ableitung von Maßnahmen für die Stadt Boston zur Umsetzung eines modernen Mobilitätskonzeptes.

Mithilfe von Verbraucherforschung und einem Modell zur Simulation von Verkehrsströmen, konnten Effekte von autonomen Fahrzeugen methodisch umgesetzt und untersucht werden. Die Ergebnisse liefern erste Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen für Politiker und Mobilitätsanbieter für eine moderne Umgestaltung der bestehenden Mobilitätssysteme. Es gilt Mobilität in Städten sicherer, sauberer und inklusiver zu machen. Die Abgrenzung zwischen privaten und öffentlichen Transport verschwimmt immer mehr. Akteure können anhand der Studie Anreize ableiten, die dazu beitragen das städtische Mobilitätssystem für die Bewohner auszubauen und populärer zu gestalten.

Die Studie kann unter diesem Link aufgerufen werden.

Bild: https://www.weforum.org/reports/reshaping-urban-mobility-with-autonomous-vehicles-lessons-from-the-city-of-boston

„A Matter of Trust“: Ford über autonomes Fahren

Der Automobilhersteller Ford steckt aktuell mitten in der Entwicklung eines autonom fahrenden Fahrzeugs, das 2021 lanciert werden soll. Letzte Woche wurde ein Bericht veröffentlicht, der den Ansatz des Unternehmens zur autonomen Fahrzeugentwicklung skizziert. Das 44-seitige Dokument mit dem Titel „A Matter of Trust“ beschreibt, wie Ford die Sicherheit bei der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge in den Vordergrund stellt. Darüber hinaus werden auch Themen über partnerschaftliche Kooperationen in Feldern der Industrie und Verwaltung sowie Themen über die lösungsorientierte Nutzung von Technologie behandelt.

Vertrauen aufbauen

“A Matter of Trust” verdeutliche, dass es Ford bei der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge nicht nur um die Technologie gehe. Sherif Marakby, CEO des Unternehmens sagt: „Es geht darum, das Vertrauen unserer Kunden und jener Städte und Unternehmen zu gewinnen, die sie letztendlich nutzen werden“. Er betont außerdem, dass Sicherheit, Zuverlässigkeit und die Erfahrung, die die Technologie ermöglicht, die wichtigsten Säulen für die Entwicklung von Vertrauen seien.

Das Dokument greift diesen Aspekt auf. Ford verdeutlicht seinen langsamen und stetigen Ansatz mit der Aussage: „Wir sind nicht in einem Wettlauf, um der Öffentlichkeit selbstfahrende Fahrzeuge anzubieten. Wir konzentrieren uns darauf, es richtig zu machen.“

Technologie verstehen

Ford macht ebenfalls darauf aufmerksam, dass sich eine Vielzahl von Technologien, die für autonome Fahrzeuge benötigt werden, noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Ford „arbeitet hart daran, das transformative Potenzial der selbstfahrenden Technologie zu verstehen, um sie bestmöglich einzusetzen und um das Leben der Kunden, den Betrieb in den Städten und die Wirtschaft der großen und kleinen Unternehmen positiv zu verändern“.

Nach Waymo und General Motors, ist Ford der dritte Automobilhersteller, der einen Bericht in Form von “A Matter of Trust“ verfasst. Dabei handelt es sich um eine Idee der US-amerikanischen Regierung, dass Technologieunternehmen und Autobauer freiwillig eine Art Checkliste zur Verfügung stellen, um die schnelllebige Technologie rund um autonomes Fahren im Blick zu behalten.

Das komplette Dokument “A Matter of Trust” könnt ihr über diesen Link abrufen.

 

Bild: https://media.ford.com/content/fordmedia/fna/us/en/news/2018/08/16/a-matter-of-trust-ford-releases-safety-assessment-report.html

FiveAI testet autonome Fahrzeuge in London

FiveAI, ein britisches Start-Up für autonomes Fahren, bringt fünf eigene autonome Fahrzeuge auf die Straßen der britischen Hauptstadt. Für den Test werden noch Fahrer hinter dem Steuer sitzen. FiveAI CEO Stan Boland betont, dass sich das Unternehmen auf seinen ersten fahrerlosen Test auf öffentlichen Straßen vor Ende 2018 vorbereitet.

Mit Testfahrten zur Optimierung

Der Sinn und Zweck der Testfahrten ist, Daten für die Weiterentwicklung und Optimierung der fahrerlosen Fahrzeuge zu erheben. Die Autos werden für die nächsten zehn Monate Informationen sammeln, um die realen Straßenverhältnisse, den Verkehrsfluss und das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer zu verstehen. Das Unternehmen kündigte bereits im Frühjahr an, dass es noch vor Ende 2018 damit beginnen werde, fahrerlose Autos auf öffentlichen Straßen zu testen.

Einem Artikel von Business Insider Australia zufolge hofft FiveAI, Europas Antwort auf die fahrerlosen Bemühungen von Uber oder Google zu sein und will einen gemeinsamen, autonomen Taxidienst in Großbritannien schaffen, bevor er von einer reichen amerikanischen oder chinesischen Firma geschlagen wird. Bis dato hat das britische Unternehmen eine Kapitalbeschaffung von 35 Millionen Dollar erwirkt, was für die Entwicklung fahrerloser Fahrzeugtechnologie und einer Strategie zum Aufbau einer Flotte aufgewendet wurde.

Europa als Herausforderung für autonome Fahrzeuge

Die Herausforderung des Pilotprojekts sieht Stan Boland in dem mittelalterlichen und komplizierten Aufbau europäischer Städte. Die Dichte sei höher, das menschliche Verhalten anders und die Konzeption würde auf einer dörflichen Struktur beruhen. Er versteht die Gegebenheiten als sehr viel anspruchsvoller als vergleichsweise in US-amerikanischen Städten.

Es ist davon auszugehen, dass es gut zehn Monate dauern wird, bis die ersten FiveAI-Fahrzeuge Fahrten für die Öffentlichkeit anbieten können und vermutlich noch mehr Zeit bis sie vollautonom auf den Straßen fahren. Die Zeit wird dazu beitragen, dass mehr Straßen, Gebiete und Städte dem Service schneller hinzugefügt werden können, so Ben Peters, Vizepräsident bei FiveAI. “Autonomes Fahren in städtischen Gebieten ist die größte Herausforderung, die noch ungelöst ist.“

 

DIHK Studie: Autonomes Fahren

Vor wenigen Wochen brachte die Deutsche Industrie- und Handelskammer eine Studie zum Thema autonomes Fahren heraus und konzentrierte sich dabei insbesondere auf die Fragestellung, mit welchen Effekten bei der Einführung in Deutschland zu rechnen sei. Die DIHK arbeitete an diesem Projekt mit KE-Consult zusammen, die auf Basis von vorhandenem Material ihre Analysen anstellte.

Den Ergebnissen zufolge, wird sich der Transfer von fahrerlosen bis hin zum vollautonomen Fahren über einen längeren Zeitraum erstrecken.  Die KE-Consult geht davon aus, dass bis 2030 zunächst Elemente des vollautomatisierten Fahrens genutzt werden, wie zum Beispiel fahrerloses Einparken. Fest stehe jedoch, dass bereits durch die Nutzung von hochautomatisierten Systemen mit monetären Einsparungen in Höhe von 8,3 Milliarden Euro zu rechnen sei. Nicht unerheblich seien auch die CO2-Einsparungen, die bis 2030 bereits auf 6,2 Millionen Tonnen steigen können. Dieser Betrag ließe sich durch vollautonomes Fahren sogar verdoppeln.   

Die wichtigsten Effekte im Überblick:

Kraftstoffersparnisse: Schon in der ersten Phase (Platooning) rechnet man im Straßengüterverkehr mit einem Einspareffekt von 10 %. Im motorisierten Individualverkehr rechnet man durch die verkehrsangepasste und stetige Fahrweise mit einem Einsparpotential bei den Kraftstoffkosten von 15 % auf Autobahnen. Auf dem übrigen Straßennetz wird sogar mit Kraftstoffeinsparungen von 30 % und mehr gerechnet. Hieraus ergibt sich eine jährliche Ersparnis von 2,1 Mrd. Euro.  

Betriebskostenersparnisse im Straßengüterverkehr: Hier wird für die Endstufe (fahrerloses Fahren) mit einer Verringerung der Betriebskosten um 0,30 Euro je Fahrzeugkilometer gerechnet. Bei unterstellten 10 % autonomem Fahren an den Fahrleistungen des Straßengüterverkehrs ergeben sich 2,5 Mrd. Euro jährliche Betriebskostenersparnis. 

Zeitkostenersparnisse: Beim automatisierten Fahren wird der Verkehrsfluss optimiert. Es kommt dadurch zu weniger Staus und weniger Staus. Dies kann zu Zeitkostenersparnissen von bis zu 20 % auf Autobahnen und von bis zu 15 % auf dem nachgeordneten Netz führen. Die Zeitkostenersparnisse belaufen sich für den motorisierten Individualverkehr auf 4,1 Mrd. Euro.

Sicherheitsgewinne: Schon heutige Fahrerassistenzsysteme tragen dazu bei, Unfälle zu vermeiden oder zumindest die Unfallschwere zu verringern. Beim fahrerlosen Fahren werden diese Effekte noch verstärkt werden. Möglich erscheint in Deutschland eine Verringerung der Unfallzahlen und der Zahl der Verletzten und Getöteten um 10 %. 

Positive Raumwirkungen: Dünn besiedelte ländliche Regionen sind mit dem klassischen ÖPNV nur begrenzt anzubinden. Automatisiertes Fahren verbessert die Zugänglichkeit, Erreichbarkeit und Attraktivität dieser Regionen und entlastet damit zugleich die Großstädte.  

Verringerung städtischer Stellplätze: Automatisierte Fahrzeuge können außerhalb der Stadtzentren geparkt werden. Die dort freiwerdenden Parkplatzkapazitäten können für den fließenden Verkehr, ökonomische Aktivitäten oder Freizeitaktivitäten genutzt werden.

IT-Sicherheit und Datenschutz: Automatisiertes Fahren führt zu zusätzlichen Daten- und Informationsflüssen. Notwendig ist die Einhaltung der Datenschutzrichtlinien. Zugleich müssen die Fahrzeuge gegen Datenmanipulationen z.B. durch Hackerangriffe geschützt werden.  

Induzierter Verkehr: Automatisiertes Fahren erhöht die Attraktivität des motorisierten Individualverkehrs. Dies kann zu zusätzlichem Verkehr (so genanntem induziertem Verkehr) und zu Verschiebungen des Modal Splits führen. Dies schwächt die Einspareffekte ab; die Wirkung lässt sich derzeit aber nicht quantifizieren.

Die Studie findet ihr unter diesem Link.

 

Aktuelle Diskussion: Regulierung von Ridesharing?

Der Verkehr in Städten nimmt zu – Staus, Umweltverschmutzungen und Parkplatzprobleme sind die Folge. Doch Städte wollen grüner werden. Ökologische Nachhaltigkeit, flexible Mobilität und die Nachfrage nach Sicherheit wird lauter. All das bei ständig steigender Mobilität der Menschen, steigenden Bevölkerungszahlen in den Städten sowie steigenden Zulassungszahlen von PKWs und Pendlerzahlen. Auch die ständigen Überschreitungen von Umweltgrenzwerten, die bereits in einigen Städten zu (Diesel-)Fahrverboten führten, verschärfen die Problematik. Viele Akteure fordern seit einiger Zeit die Beschleunigung einer sogenannte Verkehrswende. Entsprechend verbreiten sich neue Mobilitätsangebote und entfachen offene Diskussionen rund um das Thema.
Der Ansatz neuer Konzepte ist dabei ähnlich: Mit On-Demand-Technologien sollen Menschen von der Nutzung ihres privaten PKWs abgebracht werden und so die Straßen entleeren. Die Ridesharing-Unternehmen ermöglichen dabei die Abholung an einem Wunschort und den Transport zu einem gewünschten Ziel per Smartphone-App. Dabei bündeln sie ähnliche Fahrtanfragen von Kunden.

Doch inwiefern fördern die Services den nachhaltigen Ansatz der Städte und verringern die Anzahl von Fahrzeugen und tragen zur Umweltentlastung bei?

“Mit Vollgas in den Verkehrskollaps”

Während Ridesharing Anbieter damit werben, dass das intelligente Teilen von Fahrten die Lösung der Verkehrsbelastung sei, kommt die ARD in ihrer neuesten Reportage “Mit Vollgas in den Verkehrskollaps” zu einem anderen Schluss. Viele der neuen Mobilitätsangebote wie free-floating Carsharing oder vom ÖPNV losgelöste neue Ridesharing Angebote würden die Probleme nicht lösen, sondern den “Verkehrskollaps” weiter verschärfen. Die ARD beruft sich dabei auf aktuelle Kundenbefragungen von Nutzern der neuen Angebote in Deutschland. Als weitere Quelle dienen Ergebnisse aus Nordamerika, wo Anbieter wie Uber und Lyft seit vielen Jahren weitgehend ohne Regulierung ihr Angebot auf die Straße gebracht haben. Die ARD kritisiert primär, dass sich durch die vielfache Nutzung von Ridesharing Angeboten durch frühere ÖPNV Nutzer die bestehenden Verkehrsprobleme weiter potenzieren. Grund dafür sei, dass der Flächenverbrauch der ÖPNV-Angebote im Vergleich zu Ridesharing Angeboten deutlich geringer und damit eine nachhaltigere Fortbewegungsform sei. Die Schlußfolgerung des Beitrags ist, dass die Bundesregierung sich überlegen solle, inwieweit eine Öffnung des bestehenden Personenbeförderungsgesetzes und damit eine Öffnung des Marktes wie in Nordamerika tatsächlich eine Verbesserung der Verkehrssituation bewirken würde. Oder, im Falle eines Rebound Effekts, das Gegenteil eintreten könne und damit noch mehr Verkehr auf Deutschlands Straßen verursachen würde.

Studie: The New Automobility

Eine wichtige Fragestellung, mit der sich auch die kürzlich erschienene Studie von Bruce Schaller intensiv beschäftigt. Anhand von veröffentlichten Forschungsergebnisse und neuen

verfügbare Daten aus einer nationalen Erhebung diskutiert Schaller, inwiefern die Dienstleistungen dem städtischen Verkehr zugute kommen.

Die Fahrdienstvermittler Uber und Lyft sind dabei prominente Beispiele. Ihr Serviceangebot wird in der Studie näher beleuchtet.

Folgende Punkte fassen die Hauptergebnisse der Studie zusammen:

  • Die On-Demand-Services konzentrieren sich hauptsächlich auf wenige Großstädte

70% der Trips mit Uber und Lyft  finden in neun großen, dicht besiedelten Ballungsräumen statt.

  • Schaller kritisiert, dass die Ridesharing-Anbieter mit dem öffentlichen Nahverkehr konkurrieren, nicht mit dem privaten Pkw

Etwa 60% der Nutzer in städtischen Gebieten hätten die Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt, wäre der Fahrdienstvermittler nicht verfügbar gewesen.

  • Schaller kommt zu dem Schluss, dass Lyft und Uber mehr Staus verursachen

Für jede private Meile, die durch den Service eingespart werden kann, wird eine Distanz von 2,8 Meilen verursacht. Dadurch wächst der Verkehr insgesamt auf 180 % an.

  • Selbstfahrende Autos wären am nützlichsten in Form von Shuttle-ähnlichen Gruppenfahrten

Das Mobilitätsmodell für Lissabon zum Beispiel sagt aus, dass der Verkehr um etwa 50 Prozent zunehmen könnte, wenn Reisende autonome „reguläre Taxis“ bevorzugen, die nicht geteilt werden. Andererseits zeigte das Modell einen Rückgang der Fahrzeugkilometer um 37% und die vollständige Beseitigung von Staus im Rahmen eines Shared-taxi-Szenarios.

Neue Mobilität habe den Städten viel zu bieten: Komfort, Flexibilität und On-Demand-Technologie. Aber eine Entlastung der Straßen könne dadurch dauerhaft nicht erreicht werden. Viele Ansätze werden derzeit diskutiert. Die Städte sind zerrissen zwischen einem flexiblen Angebot auf der einen und fehlender Sicherheit und Umweltfreundlichkeit auf der anderen Seite. Eine Lösung tritt aktuell verstärkt hervor: Die Entwicklung der Fahrdienste müsse in einem öffentlichen politischen Rahmen abgesteckt werden, um ihr Potenzial zu nutzen und den Interessen der Städte gerecht zu werden.

Aktuelle Beispiele zu Regulierungsgesetzen in Städten

So hat London dem Fahrdienstvermittler Uber nach einem Lizenzentzug nun einer Verlängerung für 15 Monate zugestimmt. Dies gestand ein Londoner Gericht dem US-Unternehmen Ende Juni zu. Die Lizenz ist mit Auflagen verbunden. Uber erklärt sich bereit, sich alle 6 Monate einer unabhängigen Untersuchung zu unterziehen und lückenlos über Beschwerden zu informieren.

Auch in New York wurden neue Bestimmungen für Ridesharing Unternehmen erlassen. Das Gesetz limitiert die Anzahl der Fahrzeuge, indem Lizenzen für neue Modelle vorerst nicht ausgestellt werden. Am Mittwoch stimmte der Stadtrat der Stadt gegen eine Lizenzierung der Zulassung. Aufgrund des starken Überangebots auf dem Taximarkt der Stadt New York, schreibt das neue Gesetzespaket zudem einen Mindestlohn für die Fahrer von Uber und Co. vor.

Zuvor boten Uber, Lyft und Via der Stadt New York City 100 Millionen Dollar in Form eines Hilfsfonds für Taxifahrer an. Als Gegenleistung fordern sie das Fallenlassen einer vorgeschlagenen Obergrenze für Lizenzen für Ridesharing-Fahrzeuge. Das Angebot wurde von staatlichen Behörden jedoch abgelehnt.

Hierzulande möchte die lokale Verkehrspolitik zunächst gesetzliche Regulierungen aktualisieren und sie auf das neue Angebot anpassen. Grund für die Überarbeitung der Anforderungen ist auch, Sicherheiten für die Taxibranche zu schaffen. Der Einsatz von Ridesharing Fahrzeugen im städtischen Kontext stehe in direktem Wettbewerb mit Taxi-Diensten und öffentlichen Verkehrsmitteln. Damit Ridesharing-Angebote zu einer neuen Form des öffentlichen Verkehrs mit geringer Kapazität und hoher Qualität werden, müsse die Verwaltung der Verkehrsdienste, einschließlich der Konzessionsregeln und -vereinbarungen, angepasst werden. Bisher fahren Unternehmen wie Moia und Allygator in Deutschland nur mit behördlichen Ausnahmeregelungen.

Drive.ai startet autonomen Pilot in Texas

Seit Montag stehen die autonomen Fahrzeuge von Drive.ai, ein kalifornisches Startup für autonomes Fahren, der Öffentlichkeit in Frisco, Texas zur Verfügung. In der Stadt mit 175.000 Einwohnern wurden insgesamt sieben Fahrzeuge auf die Straße gebracht.

Strecke von zwei Meilen

Drive.ai startete den selbstfahrenden On-Demand-Service auf einer Strecke von zwei Meilen. Der Dienst wird in Zusammenarbeit mit Frisco TMA betrieben, einer öffentlich-privaten Partnerschaft, die sich auf Transportmöglichkeiten auf der „letzten Meile“ konzentriert. Menschen innerhalb der geographischen Zone von Frisco können eine Fahrt mit einer Smartphone App buchen.

Die modifizierten Nissan NV200 sind kaum zu übersehen: Die selbstfahrenden Fahrzeuge sind in einem leuchtenden Orange mit zwei blauen Linien lackiert. Sie tragen Namen wie Anna, Emma, Bob und Fred. Im Inneren sind sie mit  LED-Bildschirmen an der Motorhaube und am Heck sowie über den Vorderreifen ausgestattet.

Drive.ai bietet Dienst kostenlos an

Der Dienst, der als Pilotprojekt gestartet ist, wird den Nutzern kostenlos angeboten und wird voraussichtlich sechs Monate lang in Betrieb sein. Das Programm beginnt mit festen Abhol- und Rückgabestellen rund um HALL Park und The Star und wird dann bis zur Frisco Station erweitert.

Conway Chen, Vice President of Business Strategy bei Drive.ai, betonte gegenüber TechCrunch, dass dies ein On-Demand- und kein Shuttle-Shuttle sei. Wenn die Fahrzeuge nicht benutzt werden, werden sie nicht die Route entlang fahren, was zu mehr Verkehrsstaus führen könnte, sagte Chen. Stattdessen würden sie entlang der Strecke geparkt werden.

Bilder: drive.ai (alle Rechte vorbehalten)

Waymo baut auf Walmart & Co.

Waymo kündigte vor wenigen Tagen eine neue Reihe von Partnerschaften an, die darauf abzielen, mehr Menschen Zugang zu autonomen Fahrzeugen zu verschaffen. Durch Verträge mit Walmart, AutoNation, Avis und anderen Beteiligten zielt das Unternehmen darauf ab, Kunden dort abzuholen, wo sie täglich hingehen. Aus Erfahrung wisse Waymo, dass der Großteil der Fahrten dazu diene, Lebensmittel einzukaufen, zwischen Arbeit und Wohnsitz zu pendeln, zum Abendessen zu fahren oder persönliche Fahrzeuge reparieren zu lassen. Die neuen Partnerschaften gründen genau auf diesen Bedürfnissen. Geographisch konzentrieren sich die Partnerschaften in und um den Großraum Phoenix, wo Waymo einen Großteil seiner autonomen Autotests durchführt.

Mit Waymo zur Autovermietung

Beziehungen zwischen Waymo und AutoNation sowie Avis Budget Group existieren schon länger. AutoNation unterstützt Waymo bei der Wartung und Instandhaltung seiner Fahrzeuge in Phoenix, während Avis für das Aufladen, Tanken und Reinigen der Fahrzeuge zuständig ist. Mit den neu gegründeten Partnerschaft sollen die Service-Anbieter davon profitieren, ihren eigenen Kunden ein umfassenderes Angebot anbieten zu können. AutoNation wird seinen Kunden ein Waymo-Fahrzeug anstelle eines Leihwagens anbieten, während ihr eigenes Auto gewartet wird. In der Zwischenzeit können Avis Kunden in einen Waymo einsteigen, um ihren Mietwagen abzugeben bzw. abzuholen. Das Unternehmen erklärt, dass Avis und AutoNation ideale Partner seien, die für ihre wachsende Flotte von selbstfahrenden Fahrzeugen in Phoenix verschiedene und ergänzende Support- und Wartungsdienstleistungen anbieten. Sie stellen außerdem sicher, dass die Fahrzeuge immer bereit seien, einen Nutzer abzuholen.

Mit Waymo beim Einkaufen sparen

Walmart ist ein weiterer renommierter Partner. Ab Ende dieser Woche werden die beiden Unternehmen einen Testpiloten starten, der den Mitgliedern von Waymos Fahrerprogramm Einsparungen beim Einkaufen über Walmart.com bietet. Nutzer können sich ein Auto rufen, um bei einem nahegelegenen Walmart Store ihre Bestellung abzuholen.

Aktuell liegt der geografische Fokus der Partnerschaften in der Region Metro Phoenix. Da aber alle Partner national tätig sind, könnten die Partnerschaften auch weiter ausgebaut werden.

Erst letzte Woche gab Waymo bekannt, dass ihre Autos 25.000 Meilen pro Tag fahren können und bisher 8 Millionen Meilen auf öffentlichen Straßen zurückgelegt haben.

Waymo fährt über 8.000.000 Testmeilen
Waymo fährt über 8.000.000 Testmeilen